Wöchentliche Marktberichte

Sep 12, 2022 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Der aggressivste Straffungszyklus der geldpolitischen Geschichte?

WEEKLY

Zusammenfassung I 4 things to know

  1. Der aggressivste Straffungszyklus der geldpolitischen Geschichte? Währungshüter rund um den Globus haben ihren Kampf gegen die galoppierende Inflation in der vergangenen Woche fortgesetzt. Allein in diesem Jahr haben Notenbanken ihre Leitzinsen 253 Mal erhöht. Im vergangenen Jahr waren es noch 113 und im Jahr zuvor 9 Zinsstraffungen. Am Donnerstag trug sich die Europäische Notenbank in die immer länger werdende Liste der Institutionen ein, welche den Leitzins um ganze 75 Basispunkte erhöht haben. Damit wendet die EZB dem Negativ- und Nullzins zum ersten Mal seit 2014 den Rücken.
  2. Investoren hoffen auf einen Inflationshöhepunkt in den USA. Unmittelbar nach der Entscheidung wurde der Euro an den Märkten größtenteils schwächer notiert. Doch die Hoffnung auf einen Inflationshöhepunkt in den Vereinigten Staaten und eine damit einhergehende Reduktion des Zinserhöhungstempos der Federal Reserve haben EUR/USD dann doch noch gestärkt. Das Währungspaar notierte zum Wochenauftakt knapp über der 1,01 Marke und konnte von einer Aufhellung der Stimmung an dem Börsenparkett profitieren.
  3. Eine Welt ohne Liquidität? Zusätzlich zu den 250 Zinserhöhungen in diesem Jahr haben die Zentralbanken den Kauf von Staatsanleihen eingestellt und einige haben bereits damit begonnen, sie aktiv zu verkaufen. Nach 14 Jahren der Bilanzexpansion müssen sich die Märkte nun auf weniger Liquidität einstellen, was den drastischen Kurswechsel der Geldpolitik unterstreicht. Angesichts der Liquiditäts-abhängigkeit der Anleger könnte dies drastische Nebenwirkungen für die Märkte haben.
  4. Wie lange kann die US-Wirtschaft höheren Zinsen standhalten?.  Laut dem Beige Book, der monatlichen Berichterstattung der regionalen Fed-Distrikte, konnte die Konjunktur im letzten Monat nicht zulegen. Die US-Wirtschaft trat im Juli und August auf der Stelle. Trotzdem schlägt sich die Wirtschaft angesichts rasant steigender Zinsen besser als anfangs angenommen. Dies gibt der US-Notenbank den Spielraum für weitere Erhöhungen, zumindest auf kurze Sicht. Die Märkte erwarten sich, dass der Leitzins bis Ende des Jahres auf 4% ansteigen wird.
  5. Inflation zwingt die EZB zur höchsten Zinserhöhungen ihrer Geschichte. Der Markt erwartet sich jedoch viel mehr von der Europäischen Zentralbank, vielleicht zu viel. Nach der ersten Zinserhöhung seit 2011 und dem Verlassen des 8-jährigen Negativzinsregimes preisen die Anleger weitere Erhöhungen um 125 Basispunkte bis Juni 2023 ein. Die EZB muss hoffen, dass sie diese Zinserhöhungen vorziehen kann, bevor sich die europäische Wirtschaft weiter verschlechtert. Theoretisch könnte dies den Euro wiederbeleben und einen Wendepunkt im Zinsgefälle markieren. Der Wirtschaftspessimismus und die Energierisikoprämie müssten deutlich sinken um wieder Euro-Käufer anzuziehen, was möglicherweise erst nach dem Winter bestimmt ist.
Hier weiterlesen


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.