Wöchentliche Marktberichte

Nov 09, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

President-elect Joe Biden: Die Marktparade setzt sich fort

DAILY

Globale Marktzusammenfassung

Ein offizielles Ende hat die mehrtägige US-Präsidentschaftswahl immer noch nicht genommen. Nachdem der Demokrat Joe Biden jedoch die Führung in den wichtigen Swing-Staaten Pennsylvania und Georgia an sich reißen konnte, erklärten die Medien, angeführt von CNN und der Associated Press, den ehemaligen Senator und Vizepräsidenten zum neuen President-elect. In der Zwischenzeit drohte der scheidende Präsident, Donald Trump, bereits im Vorhinein mit einer Anklage-Welle. Der Republikaner hatte sich skeptisch über den Auszählungsprozess gezeigt und will nun vor den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ziehen.

Die Finanzmärkte lassen diese Zweifel und mögliche Klagen jedoch relativ kalt. Die Aussichten auf einen demokratischen Präsidenten, welcher durch einen republikanisch dominierten Senat in Zaun gehalten wird, scheint den Märkten zu gefallen. Mit dieser Konstellation erhalten sie  nämlich zwei positive Faktoren. Zum einen wird eine Abkühlung der globalen handels- und geopolitischen Anspannungen erwartet. Zum anderen verweisen Investoren auf die reduzierte Wahrscheinlichkeit einer drastischen Steuererhöhung und einer Auflösung der Monopole in der US-Technologiebranche. Die europäischen Börsen konnte sich vor diesem Hintergrund trotz der Verluste am Freitag im Wochenverlauf um sieben Prozent festigen. Der Frankfurter DAX ging sogar mit einem achtprozentigen Plus aus dem wöchentlichen Handel. An den Währungsmärkten war die Euphorie, welche sich in einer breit angelegten Aufwertung risikoreicher Währungen manifestierte, unübersehbar. Insbesondere asiatische Anlagenwerte haben in den vergangenen Wochen eine erhöhte Aufmerksamkeit zugesprochen bekommen. Die rasche Erholung der chinesischen Wirtschaft, gekoppelt mit den niedrigen Infektionszahlen am Kontinent, haben die Region attraktiv für internationale Investoren gemacht. Die Weltwirtschaft bleibt nichtsdestotrotz auf wackeligen Beinen. Die zweite Infektionswelle und die  folgenden Sperrmaßnahmen in Europa, der Brexit und die Erwartungen einer Hinauszögerung weiterer Stimulusmaßnahmen in den USA könnten den mittelfristigen Marktausblick trüben.

In dieser Woche wird der Fokus auch weiterhin auf den US-Wahlen liegen. Abgesehen davon, dass das offizielle Ergebnis noch nicht ausgesprochen wurde, könnten sich die US-Senatswahlen in die Länge ziehen. Geldpolitisch stehen zwar keine größeren Ereignisse auf dem Wirtschaftskalender. Markteilnehmer erwarten sich nichtsdestotrotz neue Erkenntnisse von den bevorstehenden Wirtschaftsveröffentlichungen. 

Währungsüberblick

EUR – Wenige Tage nach Beginn der US-Präsidentschaftswahl spaltet sich die Währungswelt in zwei Teile. Auf einer Seite stehen die Währungen, welche von dem erwarteten Sieg des Demokraten Joe Biden profitieren konnten und jene, die als Verlierer vom Platz gehen. Der Euro ist ein ersichtlicher Profiteur von dem risikoreichen Sentiment und kann gegenüber dem US-Dollar den vierten Tag infolge höher notieren.

USD – Die blaue Welle ist ausgeblieben und mit ihr auch das Ausmaß einer möglichen Abwertung des US-Dollars. Nichtsdestotrotz scheint sich erneut ein Marktkonsens zu bilden, welcher eine schwächere Leitwährung bevorzugen würde. Makroökonomisch könnte eine Verbesserung der Weltwirtschaft über eine steilere Zinskurvenstruktur zu Abwertungen des US-Dollars führen.

CHF – Schwellenländerwährungen konnten im Laufe des erwarteten Sieges von Joe Biden an Wert gewinnen. Der als sicher anerkannte Schweizer Franken musste unter dieser Kapitalverlagerung jedoch weniger als der US-Dollar oder der japanische Yen leiden. Zuletzt kostet ein Euro knapp 1,0690 Franken und somit nur zwei Prozent mehr als am 5-Jahres-Tief. Dieses Szenario gilt jedoch nur dann als plausibel, wenn die Erholung der Weltwirtschaft nicht an Fahrt verliert.

CNH – Der chinesische Renminbi bleibt auch weiterhin in seinem Aufwärtstrend gegenüber dem Euro. Es bleibt offen, was eine Biden-Präsidentschaft für die asiatische Währung bedeuten wird. Fürs Erste scheinen Marktteilnehmer wenig an dieser Diskussion interessiert.

CEE – Mit voller Wucht stoßen internationale und heimische Marktteilnehmer und Händler in den zentraleuropäischen Währungsmarkt. Obwohl die regionalen Valuten im globalen Vergleich keine große Rendite abwerfen und überproportional von der zweiten Infektionswelle betroffen sind, scheint die Nachfrage in den letzten Tagen sicherlich gegeben zu sein. Die drei Währungen beenden am Freitag die beste Woche des Jahres, angeführt von einer Aufwertung des Zloty von 2,20 Prozent. EUR/PLN  (4,50) und EUR/CZK (26,54) stehen beide jeweils vor wichtigen Aufwärtstrendlinie, deren Unterlaufen zu möglichen Neupositionierungen führen könnte.

TRY – Das Währungspaar EUR/TRY befindet sich auf einem guten Weg, binnen Jahresfrist ein Plus von rund 60 Prozent zu verzeichnen. Innerhalb der vergangenen sechs Tage wurden sechs neue Allzeithöhen errungen. Neben den wirtschaftlichen Sorgen verlieren Marktteilnehmer nun auch den Glauben an eine unabhängige türkische Notenbank, nachdem Präsident Erdogan seinen Zentralbankchef entlassen hatte. Am Freitag erreichte die Lira im Handel mit dem Euro zum ersten Mal das Niveau von 10,00.

Globale Risikoereignisse des Tages

  • EZ: Christine Lagarde spricht (10:25)
  • GB: Andrew Bailey spricht (11:35)
  • US: US-Notenbanker Mester und Harker sprechen (19:30 I 20:20)


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