Wöchentliche Marktberichte

Okt 23, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Angst vor Lockdown vs. Hoffnung auf Stimulus

DAILY

Globale Marktzusammenfassung

Die Pandemie nimmt am europäischen Kontinent weiter ihren Lauf und treibt die Neuinfektionen in Italien, den Niederlanden, Dänemark und in Zentraleuropa auf Rekordhöhen. In der Zwischenzeit bestätigte das gestern veröffentlichte Stimmungsbarometer des Gfk Instituts, dass die Wirtschaftserholung in Deutschland an Fahrt verliert. Das Konsumentenklima fiel angesichts der erneuten Sorgen um weitere Sperrmaßnahmen auf das niedrigste Niveau seit Juli. Die gegen Ende des zweiten Quartals begonnene Erholung von den Folgen der Pandemie kommt mit dem Infektionsanstieg zunehmend in Gefahr. Wirkliche Neupositionierungen an den Märkten, basierend auf dieser Tatsache, blieben jedoch aus. Obwohl die Zuversicht in die eigene Position angesichts der Unsicherheiten vor den US-Wahlen nicht gegeben scheint, hoffen Investoren auch weiterhin auf einen demokratischen Siegeszug und neue Stimulusmaßnahmen. Diese Hoffnung wirkt der sonst eher schwächeren Risikobereitschaft entgegen. Nichtsdestotrotz könnten risikoreichere Anlagen und Schwellenländerwährungen unter Druck bleiben, solange keine Lösung der fiskalischen Frage gefunden wurde.

Währungsüberblick

EUR – Die wenigen, aber doch lauter werdenden Rufe nach weiteren Zinssenkungen seitens der europäischen Notenbank scheinen zu diesem Zeitpunkt nicht begründet zu sein. Dem jüngsten Infektionsanstieg werden die Währungshüter nichts entgegensetzen können und auch die Stärke der Gemeinschaftswährung scheint noch keine erheblichen negativen Folgen mit sich gebracht zu haben. Worauf sich die Märkte derzeit jedoch deutlich stärker positionieren ist die mögliche Ausweitung des Anleihenkaufprogramms der Notenbank von 1,35 Billionen auf knapp 1,5 Billionen. Investoren standen metaphorisch Schlange, um sich bei der ersten gemeinsamen Schuldenemission der Europäischen Union aller Zeiten zu beteiligen.

USD – Kurz vor der letzten Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden war die Anspannung nochmal deutlich zu spüren. Der US-Dollar profitiert von dem gestern ersichtlichen risikoscheuen Verhalten und kann sich gegenüber den meisten Währungen festigen. Auch nach dem TV-Duell der beiden Kandidaten bleibt die Nachfrage nach dem Dollar bestehen. Die US-Wahlen und der Stimulus werden wohl das mittel- bis langfristige Schicksal der Leitwährung entscheiden.

GBP – Das britische Pfund gibt einen kleinen Teil der am Mittwoch erlangten Gewinne wieder zurück und notiert weiterhin über dem Niveau EUR/GBP 0,90. Solange die Möglichkeit des No-Deal-Brexits und einer Einführung negativer Zinsen besteht, scheinen Investoren auf Nummer sicher gehen zu wollen. Diese Skepsis könnte das Pfund noch bis ins nächste Jahr begleiten.

CHF – Der Schweizer Franken kann sich im Rahmen des schwachen Sentiments am gestrigen Handelstag festigen. Mit dem japanischen Yen ist der Franken die einzige Währung in den der Gruppe der G10, für welche die Nachfrage nach Call-Optionen die Nachfrage nach Put-Optionen übersteigt. Dies deutet darauf hin, dass sich Investoren lieber vor einer Aufwertung dieser beiden Währungen schützen wollen, als vor möglichen Abwertungen.

CNH – Der Yuan gönnt sich im Rahmen der seit August anhaltenden Rally eine Verschnaufpause und geht beinahe unverändert aus dem Handel. Marktteilnehmer scheinen derzeit geopolitische Anspannungen und die Möglichkeit der Währungsintervention seitens der chinesischen Notenbank abzuwägen. Die Währungshüter haben im Vergleich zu anderen Notenbanken einen unglaublichen Spielraum wenn es darum geht, die eigene Währung zu beeinflussen. Neben einer Veränderung des anti-zyklischen Faktors könnte die PBoC ebenso die Liquidität in den Märkten nach oben schrauben.

CEE – Der russische Rubel notiert gegenüber der Gemeinschaftswährung den dritten Tag höher und visiert nun die einmonatige Unterstützung bei 90,00 an. Die Währung setzt sich den geopolitischen Anspannungen zumindest in dieser Woche entgegen. Gestern erhoben zwei US-Geheimdienste neue Anklagen gegen Russland und Iran. Die beiden Länder hätten Zugriff auf Wählerdaten erbeutet, mit dem Ziel den Wahlprozess zu beeinflussen. Auf regionaler Ebene erhält die heutige Zinsentscheidung in Russland die alleinige Aufmerksamkeit.

Globale Risikoereignisse des Tages

  • DE: Einkaufsmanagerindex (09:30)
  • EZ: Einkaufsmanagerindex (10:00)
  • UK: Einkaufsmanagerindex (10:30)
  • RU: Zinsentscheidung (12:30)


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.