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Jul 12, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Lockerungstendenzen überwiegen

USD

EUR USD (1,1270)
Das zweitägige Zeugnis des Präsidenten der US-amerikanischen Notenbank neigte sich gestern dem Ende zu und konnte Investoren Ihre Sorgen bezüglich der globalen Wirtschaftslage nicht nehmen. Die Kommentare von Jerome Powell weisen auf eine pessimistische Haltung gegenüber dem zuletzt gefundenen Waffenstillstand im Handelskrieg zwischen den USA und China. Auch wenn die dadurch vorerst abgekühlte Anspannung, Märkten eine kleine Verschnaufpause gegönnt hatte, bleiben signifikante Aufwärtsbewegungen in den Schwellenländern aus. Insbesondere da die Skepsis über ein nachhaltiges Abkommen weiter bestehen bleibt. Die Sorgen der US-amerikanischen Zentralbank bezüglich der sinkenden Inflationserwartungen in der Wirtschaft stellen neben den abgeschwächten Wirtschaftsdaten, das zweite Argument für eine potenzielle Zinssenkung im Juli dar, welche von Geldmärkten zu hundert Prozent eingepreist wird. Dabei scheint die leichte Erholung der Verbraucherpreise, welche auf Jahresbasis um 2,1 Prozent wachsen und sich somit über der wichtigen Marke von 2,0 Prozent befinden, wenig Optimismus geweckt zu haben. Dieser Preisanstieg, gekoppelt mit den besser als erwarteten US-amerikanischen Arbeitsmarktdaten, könnte die FED jedoch dazu verleiten, von einer zu hohen Zinssenkung abzusehen und das Treffen im September abzuwarten, um ein zu schnelles Handeln zu vermeiden.

Dass der Euro trotz der taubenhaften Haltung der FED keine allzu großen Aufwärtssprünge verzeichnete, liegt dabei an dem mindestens genauso pessimistischen Ausblick für die Eurozone. Die von der Europäischen Kommission veröffentlichten Wirtschaftsprognosen für dieses Jahr weisen auf ein geringeres Wirtschaftswachstum als zuvor angenommen. Bestätigt wird dies ebenfalls durch die gestern veröffentlichten Protokolle der letzten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank, welche die angespannte Haltung der Zentralbanker deutlich macht und auf Zinssenkungen in diesem Jahr andeuten lässt. Das Szenario einer Zinssenkung der EZB wird für den Juli mit 40 Prozent notiert (Thomson Reuters) und steigt für den September auf 80 Prozent an (Bloomberg, auf Basis von overnight index swaps).

Ob sich der Euro am heutigen Tag weiter stärken kann, bleibt von der Veröffentlichung der Industrieproduktion für die Eurozone abhängig. Diese befindet sich bezogen auf die monatliche Veränderung weiterhin im negativen Bereich und hält Potenzial inne, den Euro bei einer negativen Lesung vor dem Wochenende nochmal deutlich zu schwächen. Diese Schwäche könnte sich in Abwärtsbewegungen in Richtung 1,1200 bemerkbar machen, falls das Niveau 1,1240 durchbrochen wird.

GBP

EUR GBP (0,8985)
Mit einer langen Verzögerung scheint Großbritannien nun die ersten negativen Einflüsse des Brexits zu spüren. Die durch den angestrebten Austritt aus der Europäischen Union verursachte Unsicherheit bildet sich immer stärker in den britischen Wirtschaftsdaten und dem Sterling ab. Der Einzelhandel verzeichnen im Jahr 2019 schwache Absatzzahlen und scheint gekoppelt mit einem Baugewerbe, welches sich laut Investorenvertrauen auf einem neunjährigen Tief befindet, Sorgen bei der Zentralbank zu wecken. Was die Anspannungen bei der Bank of England jedoch besonders geweckt hat, scheinen die sinkenden ausländischen Direktinvestitionen in den britischen Immobilienmarkt zu sein, welche knapp 60 Prozent geringer ausfallen, als im Jahr zuvor (gemessen am Durchschnitt im Jahr 2018). Fügt man die anhaltenden globalen Handelsanspannungen in das Bild der abgeschwächten britischen Wirtschaft, scheint das Argument für eine Zinssenkung immer einleuchtender zu werden. Verstärkt werden die Zinssenkungswahrscheinlichkeiten durch den Ausblick eines neuen Premierministers, wobei beide Kandidaten ein No-Deal Brexit nicht komplett vom Tisch genommen haben.

Somit hält die Unsicherheit beim Pfund weiter an und wird voraussichtlich zur zehnten wöchentlichen Abwertung infolge führen. An der Oberseite müsste das Niveau 0,9000 nachhaltig durchbrochen werden, um Bewegungen in Richtung 0,9150 entfalten zu können.

CHF

EUR CHF (1,1140)
Nachdem der Schweizer Franken im Juni ein lokales Tief bei 1,1050 gefunden und eine Bodenbildung signalisiert hatte, schafft es der Euro sich wieder leicht zu erholen. Allzu große Vorwärtssprünge bleiben jedoch aus, insbesondere da die wachsende Möglichkeit einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank, nachhaltiges Aufwärtspotenzial verhindern würde. Derzeit scheint die Nachfrage nach dem Franken jedoch leicht abgenommen zu haben, obwohl sich sowohl die EZB- als auch die FED immer stärker in die taubenhafte Haltung neigen und den Pessimismus der Marktteilnehmer weiter antreiben. Mit dem Näherrücken der nächsten Zinsentscheidungen der beiden Notenbanken Ende des Monats, könnte sich die Angst bezüglich zu hoher Zinslockerungen in einer erneuten Aufwärtsbewegung des sicheren Franken bemerkbar machen.

Vorerst könnte die Gemeinschaftswährung jedoch die Dritte wöchentliche Aufwertung infolge verzeichnen, wenn es bei den heutigen Industriedaten zu keinen allzu negativen Überraschungen kommt. Das Bewegungsband bleibt weiterhin zwischen 1,1050 und 1,1160 bestehen, wobei ein Austritt aus dieser Spanne noch auf sich warten lassen könnte.

PLN

EUR PLN (4,2660)
Die breit angelegte Schwäche der regionalen Währungen hält auch gestern wieder an, nachdem der besser als erwartete US-Inflationsanstieg, Ängste um eine zu starke Zinssenkung der US-amerikanischen Notenbank dämpft. Marktteilnehmer scheinen die unterschiedlichen Signale des FED-Präsidenten Jerome Powell und der beiden letzten Datenveröffentlichungen (starke Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten) zu verarbeiten und bleiben bezüglich der nächsten Zinsentscheidung weiterhin unsicher.

Der EURPLN ist somit auf gutem Wege, die Zweite wöchentliche Aufwertung infolge zu vermerken. Dabei scheint das zentraleuropäische Währungspaar, das 13-monatige Tief bei 4,2350 hinter sich gelassen zu haben und bricht sogar kurz das wichtige Niveau bei 4,2700. Auf dem kurzfristigen Zeithorizont bleiben Bewegungen in Richtung 4,2800 vorstellbar, solange sich das Paar an der Barriere 4,2700/40 (50-1D Moving Average) hochkämpfen kann. Der mittelfristige Wechselkurs wird von dem Zeitpunkt und der Höhe der nächsten Zinsentscheidungen in den USA und der Eurozone abhängen und das Marktgeschehen bis Ende des Monats bestimmen.

HUF

EUR HUF  (325,80)
Ohne neue ökonomische Einflussfaktoren oder eine Neueinschätzung der ungarischen Leitzinssituation blieb der Forint gestern ohne Impuls und weiterhin vom globalen Sentiment abhängig. Dieses scheint sich in dieser Woche gegen die regionalen Währungen gewendet zu haben, da die anscheinende Fehleinschätzung der Investoren, bezüglich einer Zinssenkung im Wert von 50 Basispunkten, nun zu einer Art „Korrekturabverkauf“ der Währungen in Schwellenländern geführt hat.

Der Forint bleibt somit sowohl kurz- als auch mittelfristig angeschlagen, solange sich das Paar oberhalb 322,40 (200-1D Moving Average) befindet. Die größte technische Barriere der Gemeinschaftswährung stellt nun das Niveau 326,50 dar, welches verhindert, dass sich Potenzial in Richtung des neunmonatigen Hochs bei 327,60 entfaltet.

CZK

EUR CZK  (25,600)
Getrieben von den erhöhten Wahrscheinlichkeiten einer Zinssenkung der US-amerikanischen Notenbank und der weiterhin steigenden tschechischen Inflation, erreicht die Krone im Juni ein 14-monatiges Hoch. Nun scheint es, als hätte die mittelfristige Abwärtsbewegung des Währungspaares bei 25,410 einen Richtungswechsel vollbracht, welcher sich durch die sechste tägliche Abwertung der Krone bemerkbar macht. Obwohl das zweitägige Zeugnis des FED-Präsidenten Jerome Powell, Marktteilnehmer in ihren Zinssenkungswahrscheinlichkeiten bestätigt, scheint der gestrige rasante Anstieg der US-Verbraucherpreisindizes das Argument einer zu starken Lockerung des Zinsniveaus (50 Basispunkte, anstatt 25) deutlich geschwächt zu haben. Somit versuchen Investoren diese neue Informationslage wieder in den Wechselkurs einzupreisen und lassen regionale Währungen auf breiter Front schlechter zurück, als in den Wochen zuvor. Dass die Krone besonders von der Neukalkulation betroffen ist, kann mit dem schwächer als erwarteten Anstieg des tschechischen Preisniveaus erklärt werden. Somit steigt der Verbraucherpreisindex im Juni um 2,7 Prozent (ggü. Vorjahr) und entfernt sich vom im März gesetzten sechsjährigen Hoch bei 3 Prozent.

Die tschechische Zentralbank wird sich somit in ihrer neutralen Haltung bestätigt fühlen und den Zinssatz voraussichtlich weiterhin beibehalten, um die Entwicklungen der nächsten Monate beobachten zu können. In Verbindung mit der potenziellen Zinssenkung der Europäischen Zentralbank könnte die Krone durch das dadurch entstandene Zinsdifferenzial mittelfristig profitieren. Wie hoch die potenzielle Aufwertung ausfallen wird, bleibt in den Händen der Zentralbanken und der angespannten Handelslage, welche zu hohe Aufwärtsbewegungen, aufgrund einer schlechteren Risikobereitschaft, limitieren könnte.


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