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Tägliche Marktberichte

Jun 19, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Mehr als nur eine Rede

USD

EUR USD (1,1190)
Die pessimistische Rede vom Präsidenten der Europäischen Zentralbank Mario Draghi und das Versprechen, der Wirtschaft mit einem expansiven Stimuluspaket unter die Arme zu greifen, wären Grund genug gewesen um den Euro fürs Erste jeglichen Rückenwind zu nehmen. Verstärkt wurde die gestrige Talfahrt unter die Marke 1,1200 von den darauffolgenden Kommentaren des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Dieser wiederholte seine Sorgen über einen Manipulationsversuch des Euro und lässt Ängste um einen Währungskrieg zwischen den USA und der Eurozone aufkommen. International scheint diese Interpretation Donald Trumps wenig Akzeptanz zu finden und wird nur vom US-Handelsbeauftragten Robert Lightizer geteilt. Inmitten der erhöhten Anspannung zwischen den einzelnen Handelsbeziehungen und der von den Zentralbanken bestätigten wirtschaftlichen Verlangsamung, scheint es weniger erstaunlich, dass die gestrige Veröffentlichung der ZEW Umfrage für die deutsche Wirtschaft ein schlechtes Bild skizziert. Der Indikator für das Ökonomische Sentiment verzeichnet einen drastischen Fall auf einen Wert von -21,1 (erwartet war -5,9) und stimmt mit den wachsenden Unsicherheiten bezüglich der globalen Wirtschaftslage überein. Der gestrige Tag bietet die bisher markanteste Bestätigung einer Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität und manifestiert sich in den letzten Monaten im Verfall der Renditen aller sicheren Staatsanleihen. Dass sich die Währungshüter in den letzten Jahren einem Dilemma sinkender Inflationserwartungen, trotz der expansiven geldpolitischen Programmen entgegenstehen, scheint dabei das größte Problem darzustellen. Mit dem heutigen Tag wechselt der Fokus wieder auf den Offenmarktausschuss der US-amerikanischen Notenbank (FED). Marktteilnehmer gehen von keiner Zinssenkung aus, welche Ökonomen derzeit mit einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit für das Treffen im Juli vorreservieren. Märkte werden nichtsdestotrotz die allgemeine Rede des FED-Präsidenten Jerome Powell auf weitere Signale über zukünftige Zinsveränderungen prüfen und somit könnte die Volatilität am heutigen Tag drastisch zunehmen. Positive Nachrichten ließen gestern lange auf sich warten, blieben jedoch nicht aus. Donald Trump bestätigt die Zusage eines Treffens zwischen US-amerikanischen und chinesischen Handelsvertretern bei dem G20 Treffen in Japan nächste Woche. Neue Fortschritte in den Handelsgesprächen könnten das marktbewegende Ereignis nach der Zinsentscheidung der FED sein.

Obwohl die gestrigen Ereignisse den EURUSD unter das Niveau 1,1200 zwangen, hielt sich die Abwärtsbewegung in Grenzen. Marktteilnehmer agieren aufgrund der heutigen Zinsentscheidung vorsichtig und könnten die gestrigen Veröffentlichungen neu bewerten, falls die Rede von Jerome Powell neue Aufschlüsse über die Wirtschaft bietet. Eine optimistische Haltung der FED könnte Potenzial in Richtung 1,1174 und 1,1110 auslösen, wobei eine Bestätigung der Zinssenkungserwartungen dem Euro erneut Rückenwind verschaffen könnte.

GBP

EUR GBP (0,8910)
Die Stabilität des Pfundes sieht sich mit dem voranschreiten der Kampagne des ex-Außenministers Boris Johnson immer mehr in Gefahr. Dieser gewinnt souverän die zweite Runde der Wahlen um die Führungsposition der konservativen Partei und lässt Hoffnungen auf ein neues Abkommen mit der Europäischen Union schwinden, da aufseiten der EU eine fehlende Bereitschaft besteht, das ausgearbeitete Abkommen zu revidieren. Der Versuch, die erhöhte No-Deal Wahrscheinlichkeit im Kurs einzupreisen manifestiert sich in einer seit Mai anhaltenden Aufwärtsbewegung des EURGBP. Eine von der Bank of America durchgeführte Studie spiegelt diese Ängste wider. Dabei scheinen 62 Prozent der befragten Manager an eine erhöhte Chance eines Austritts ohne Abkommen zu glauben, trotz der fehlenden Unterstützung dieses Szenarios im britischen Unterhaus. Somit scheint es nicht verwunderlich, dass der EURGBP weiterhin an seinem fünfmonatigen Hoch verweilt. Dass der gestrige Tag mit keiner Abwertung der britischen Währung endete, lag vielmehr an der breit angelegten Schwäche des Euro und weniger an fundamentalen Erholungsversuchen des Pfundes. Im Fokus bleiben die heutige Zinsentscheidung der FED und das geldpolitische Treffen der Bank of England am Donnerstag, wobei die Wahlen um die Führung der konservativen Partei diese Woche ein Ende finden könnten.

Ein Unterlaufen der Unterstützung 0,8870 könnte zu Bewegungen in Richtung 0,8770 führen, wobei an der Oberseite das fünfmonatige Hoch bei 0,8970 weitere Aufwärtsbewegungen verhindert.

CHF

EUR CHF (1,1210)
Sobald ein leichter Hauch von politischer- oder wirtschaftlicher Unsicherheit in den Märkten zu spüren ist, vergessen Investoren die taubenhafte Schweizer Zentralbank und stürzen sich auf den Franken, welcher als sicherer Hafen gerade eine hohe Kaufnachfrage genießt. Die weitaus pessimistischer als erwartet angelegte Rede Mario Draghi’s und die schwachen Konjunkturdaten Deutschlands manifestieren sich in einem Verfall der Renditen der US-amerikanischen und deutschen Staatsanleihen und einem aufwertenden Franken. Die gestrige Ansteuerung einer lockeren Geldpolitik der EZB könnte heute von der FED gefolgt werden und so die zwei wichtigsten Währungshüter offiziell in eine taubenhafte (expansiv agierende) Position zwingen. Dass es beim G20-Gipfel in Osaka laut neuesten Meldungen zu einem Treffen der US-amerikanischen und chinesischen Repräsentanten kommen wird, schien Marktteilnehmer vorerst unbeeindruckt zu lassen und so bleiben die Sorgen weiter aufrecht.

PLN

EUR PLN (4,2640)
Im Aggregat scheinen sich die gestrigen Ereignisse negativ auf die meisten zentraleuropäischen Währungen ausgewirkt zu haben. Die pessimistische Rede Mario Draghi’s und die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank die Wirtschaft mit einer expansiven Geldpolitik zu unterstützen, bestätigte Marktteilnehmer in ihrer Vermutung einer schwächeren Wirtschaftslage. Verstärkt wurden die Sorgen darauffolgend durch den Tweet des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, welcher sich negativ über die expansiven Pläne der EZB äußert und Ängste um einen Währungskrieg verbreitete. Der Zloty scheint als einzige regionale Währung den Tag positiv überstanden zu haben, trotz der schwindenden Wahrscheinlichkeit einer polnischen Zinserhöhung für dieses Jahr. Der neuerliche Anstieg der polnischen Inflation wird sich laut Aussagen einiger Zentralbankmitglieder in keiner Zinsveränderung manifestieren, da die Wirtschaftslage durch eine Zinsstraffung weiter in Gefahr gebracht werden würde. Der Blick bleibt für heute weiterhin auf der US-Zinsentscheidung. Eine Bestätigung der Verlangsamung der globalen und speziell der US-amerikanischen Ökonomie würde die Zinssenkungswahrscheinlichkeit für den Juli weiter anheben (derzeit 70-prozentige Wahrscheinlichkeit) und den Zloty in seiner Aufwärtsbewegung stärken, wobei eine geduldige Haltung und optimistische Wortwahl der FED zu leichtem Abwertungspotenzial der polnischen Währung führen könnte. Ebenfalls von Interesse sind die Veröffentlichungen der polnischen Beschäftigung und Unternehmensentlohnung, welche bei einem drastischen Anstieg zu einer neuen Evaluierung des Zinsniveaus seitens der polnischen Zentralbank führen könnte.

Der EURPLN schafft es trotz der gestrigen Abwertung wiederholt nicht, die Unterstützung 4,2530 zu unterlaufen und so bleibt die Möglichkeit einer leichten Aufwärtsbewegung in Richtung 4,2700 weiter offen.

HUF

EUR HUF  (323,40)
Als eine der volatilsten Währungen in der zentraleuropäischen Region, scheint die gestrige Bandbreite des Forints überraschenderweise relativ gering ausgefallen zu sein. Grund dafür bleibt die Anspannung über die heutige Zinsentscheidung der FED und eine fehlende Datenlage für die ungarische Wirtschaft.

Bewegungen des EURHUF könnten in den nächsten Tagen zwischen 321,50 und 333,50 gebunden bleiben. Somit scheitert der Aufwärtstrend des Forints mit dem gestrigen Anstieg des Euro über 323,00 (50-1D Moving Average) fürs Erste und bleibt von der Datenlage abhängig. Der Forint bleibt leicht angeschlagen, solange sich das Paar oberhalb des genannten Niveaus (323,00) befindet.

CZK

EUR CZK  (25,600)
Die tschechische Krone scheint durch die gestrigen Ereignisse am stärksten getroffen worden zu sein und entfernt sich von dem letzte Woche neu gesetzten fünfmonatigen Hoch. Die gestrige Bestätigung einer wirtschaftlichen Verlangsamung seitens der EZB und die Sorgen um einen Währungskrieg mit den USA scheinen die positiven Nachrichten bezüglich einer Aufnahme der Verhandlungen zwischen den USA und China beim G20 Gipfel komplett überschattet zu haben. Die Volatilität der Krone könnte mit der heutigen Zinsentscheidung der US-amerikanischen Notenbank noch mal an Fahrt gewinnen. Somit bleibt das Währungspaar von der globalen Lage abhängig, wobei die größten Ereignisse der kommenden Wochen der G20 Gipfel in Osaka und die tschechische Zinsentscheidung am 26. Juni bleiben.


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