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Jun 18, 2020 | Finanzwirtschaft

Saisongeschäft: Warum ein intelligentes Währungsmanagement so wichtig ist

Von Murat Temel, Senior Sales Manager-Corporate FX-Solutions bei Western Union Business Solutions

Importeure von saisonalen Waren müssen beim Einkauf in der Regel weit im Voraus planen. Umso wichtiger ist die Wahl der richtigen Instrumente zur Absicherung gegen künftige Währungsschwankungen.

 
Das Saisongeschäft ist, so wie es die Bezeichnung schon erahnen lässt, ein immer wiederkehrendes Geschäft, welches uns mit einer Fülle von Waren - on- wie offline – beglückt. Dabei werden die meisten Artikel nicht kurz vor Saisonbeginn bestellt, damit sie pünktlich in den Regalen liegen – die Händler müssen in viel größeren Zeiträumen planen und handeln. So beginnt das Saisongeschäft für sie bereits dann, wenn ausgewählt, geprüft und bestellt wird. Dies geschieht Wochen oder Monate vor dem eigentlichen, aus Endkundensicht empfundenen Saisonbeginn und weit bevor die Produkte in Kaufhausregalen oder Online-Sortimenten die Verbraucherlust auf das große Kaufen wecken. Die georderte Ware trifft zumeist deutlich zeitverzögert zum Bestellzeitpunkt ein.
 

Je nachdem, wo der Lieferant seinen Sitz hat, kann dieses Prozedere vor allem eine logistische Herausforderung bedeuten. Da aber viele Güter seit Längerem auch von „sehr weit weg“ – bei Saisonartikeln in der Regel aus Fernost – zu uns kommen, tritt eine ganz andere Frage in den Vordergrund: Wie soll es im Angesicht dynamischer Währungsmärkte mit dem Bezahlen der Ware gehalten werden? Welche Sicherheit hat der Käufer, dass die bestellte Ware zum Lieferzeitpunkt noch genau so viel kostet wie bei der Bestellung – und nicht etwa deutlich mehr?

Absicherung ist elementar

Um hier möglichst umsichtig und wirtschaftlich zu agieren, bieten sich den Importeuren verschiedene Absicherungsinstrumente. Ohne Absicherung können erhebliche Summen auf dem Spiel stehen. Natürlich kann der Käufer auch darauf verzichten, Vabanque spielen und hoffen, dass sich der Kurs im Jahresverlauf bis zur Fälligkeit der Zahlung positiv entwickelt. Gerade in Anbetracht der aktuellen geopolitischen und weltkonjunkturellen Situation kann das Risiko, im Endeffekt mehr bezahlen zu müssen, aber recht groß sein.

Steht beispielsweise der Kurs bei Bestellung bei EUR/USD 1,1500 und die betreffende Summe liegt bei 100.000 US-Dollar (= 86.956,52 Euro), so erhöht sich die Summe bei einem Devisenkurs von EUR/USD 1,1000 bei Auslieferung auf dann 90.909,09 Euro, eine Differenz von 3.952,57 Euro – keine Kleinigkeit.

Was für die Unternehmen vor allem zählen sollte, ist eine sichere und stabile Budgetierung, eine Kalkulationsgrundlage für den Einkauf. Das bedeutet: Sie sollten auch langfristig mit einer relativ erwartbaren Kursentwicklung rechnen und planen können. Bei möglichen Kursschwankungen geht es bereits um beträchtliche Summen, für die es eine entsprechende Vorausplanung geben sollte.

Verschiedene Instrumente zur Auswahl

Kauft der deutsche Händler Waren aus China, legt er bereits bei Geschäftsabschluss den für ihn gültigen Devisenkurs fest. Die einfachste Form der Absicherung wäre der Kauf der benötigten Währung im vollen Umfang bei Geschäftsabschluss mit dem chinesischen Lieferanten – zum Beispiel US-Dollar, einer Drittwährung, da der US-Dollar nach wie vor die gängige Währung bei internationalen Geschäften ist. Das Problem: Mit dem vorzeitigen Kauf der benötigen Fremdwährungen für das abgeschlossene Geschäft werden Liquiditätsmittel gebunden, die im Jahresverlauf vielleicht an anderer Stelle dringender benötigt werden könnten.

Die weitaus gängigere Methode zur Absicherung von Fremdwährungsrisiken sind klassische Devisentermingeschäfte. Durch eine Wechselkurssicherung mittels Termingeschäften verpflichtet sich der Importeur, zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines bestimmten Zeitfensters einen fest vereinbarten Fremdwährungsbetrag zu einem festen Devisenkurs, dem sogenannten Terminkurs, abzunehmen, und zwar mit dem Vorteil, keine oder nur eine sehr geringfügige Liquidität dafür aufzuwenden – je nach bilanzieller Stärke.

Zinsdifferenz als Kostenvorteil

Zusätzlich profitiert der Importeur vom Zinsvorteil des US-Dollars gegenüber dem Euro, sofern in US-Dollar fakturiert wurde. Je länger also die Laufzeit des Devisentermingeschäfts, desto besser ist der Terminkurs im Vergleich zum gültigen Kassakurs. Der Zinsvorteil basiert auf der aktuell vorherrschenden Zinsdifferenz der beiden Währungsräume (Europa, USA).

Der Vorteil von klassischen Termingeschäften dürfte klar sein: der Importeur ist vollständig gegen ungünstige Kursentwicklungen abgesichert. Daraus resultiert auch ein gewisser Nachteil: Sollte beispielsweise der Kassakurs am Tag der Fälligkeit des Termingeschäfts – also am Tag der Zahlungsverpflichtung an den chinesischen Lieferanten – besser sein als der Terminkurs, so würde sich der Importeur wünschen, die Absicherung nicht getätigt zu haben, da der Kauf in der Kasse dann günstiger wäre.

Für diese oder ähnliche Szenarien gibt es jedoch ebenfalls Lösungen, welche über Devisenoptionen abgebildet werden können. Diese alternative Absicherungsprodukte gibt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Formen und erlauben beispielsweise eine Partizipation mit einem gewissen Prozentsatz des abzusichernden Fremdwährungsbetrags am „besseren“ Kursverlauf des entsprechenden Währungspaares oder auch einen deutlich verbesserten Konvertierungskurs um drei bis vier Prozent zum gültigen Kassakurs. Der Balanceakt zwischen den unterschiedlichen Produkten gelingt dann, wenn diese gemäß dem Bedarf und der Markterwartung diversifiziert eingesetzt werden.

Risikotoleranz hängt von verschiedenen Faktoren ab

Im Endeffekt kann niemand dem einzelnen Käufer beziehungsweise Importeur die Entscheidung abnehmen, welches Risiko er eingehen und wieweit er sich festlegen möchte. Branche und/oder Unternehmensgröße sind für diese Entscheidung sekundär. Worauf es ankommen sollte, ist die Wertschöpfungstiefe und die zugrundeliegende durchsetzbare Marge, sprich der Wettbewerb. Je „flacher“ die Wertschöpfungskette ist, desto wichtiger ist die Marge, denn im entsprechenden Wettbewerb zählt dann ausschließlich der Preis – wie etwa im Handel. Da kann es im wahrsten Wortsinn schon auf jeden Cent ankommen.

Wichtig ist, auf welcher Basis die Entscheidung des importierenden Unternehmens erfolgt. Zu einer qualifizierten Risikoabwägung gehört nicht nur ein Minimum an Kenntnissen in punkto Währungsentwicklung und deren maßgeblicher Treiber, sondern auch das Wissen um weitere Faktoren wie beispielsweise die Absicherungsquote zum immer wiederkehrenden Grundgeschäft oder die strategische Umsetzung vom diversifizierten Absicherungsportfolio. Erst das macht ein kompetentes Währungsmanagement möglich. Dabei geht es um Fragen wie: Welches Absicherungsinstrument eignet sich für welchen Zahlungstermin? Welche Zahlungsziele bestehen beziehungsweise sind besonders relevant? Welche Geschäfte müssen einzeln abgesichert und welche Geschäfte können durch einen Makroansatz abgesichert werden?

Kompetente Beratung ist wichtig

Um hier das Optimum in jedem individuellen Fall zu finden, braucht es einen kompetenten Beratungspartner. Gleiches gilt für die Einschätzung zusätzlicher Risiken, wie sie zurzeit im ungeklärten und schwer vorhersehbaren Zollstreit insbesondere der USA mit China, aber auch der EU vorherrschen.

Handel in Renminbi

Diese Handelsstreitigkeiten führen zu einem weiteren relevanten Thema: dem direkten Handel in Euro und Renminbi (CNH/CNY) unter Umgehung der ansonsten üblichen Doppelkonvertierung über den US-Dollar. Gemäß Renminbi Cross Border Settlement Scheme dürfen seit 2012 alle chinesischen Firmen mit Import- und Exportlizenz Geschäfte in CNH abschließen. Die Zentralbank garantiert hierbei den Eintausch der CNH in CNY ohne Verluste, d.h. der Umtausch erfolgt 1:1 in die harte Währung CNY, dem sogenannte Onshore-Renminbi.

Die gängige Praxis im China-Geschäft ist aber immer noch die Fakturierung in US-Dollar, eine Drittwährung für den Exporteur wie auch für den Importeur.

(GRAFIK 1 - Drittwährung) Quelle: eigene Darstellung

Der US-Dollar als Zahlungsmittel stellt beide Geschäftspartner vor Herausforderungen. Für den Importeur in Deutschland ist das Währungspaar EUR/USD mit Risiken behaftet, gegen die er sich schützen kann und muss, beispielsweise mittels klassischer Termingeschäfte.

Der Exporteur hingegen hat das Risiko beim Währungspaar USD/CNY, d.h. der chinesische Lieferant ist nach Geschäftsabschluss nicht an einer Aufwertung seiner Landeswährung CNY interessiert, weil er ansonsten bei einem festen US-Dollar Betrag weniger CNY erhalten würde. Diesem Kursrisiko begegnen die meisten chinesischen Lieferanten nicht wie deutsche Importeure mit Kurssicherungsgeschäften über Termingeschäfte o.ä., sondern mit Preisaufschlägen von ein bis drei Prozent, manchmal sogar bis zu fünf Prozent. Sollte dieser Puffer nicht ausreichen, kann es nach Geschäftsabschluss auch zu Nachverhandlungen kommen.

Diese Situation erlaubt folgende Schlussfolgerung: der deutsche Importeur kann das komplette Risiko für beide Währungspaare (EUR/USD & USD/CNY) nicht selbst eliminieren, wenn das Geschäft in der Drittwährung US-Dollar abgewickelt wird. Entsprechend nimmt der deutsche Importeur dann auch den Preisaufschlag von ein bis drei Prozent und möglicherweise auch Nachverhandlungen bei noch größeren Kursschwankungen in Kauf.

Lässt sich aber der chinesische Geschäftspartner auf eine Fakturierung in der eigenen Landeswährung ein, so entfällt der Preisaufschlag und das Nachverhandlungsrisiko für den deutschen Importeur und er profitiert zusätzlich vom Zinsvorteil.

Absicherungsinstrumente CNH

Durch eine Umstellung auf die chinesische Landeswährung ist der deutsche Importeur zwar nach wie vor von dem Währungsrisiko betroffen, aber dieses Risiko kann - wie auch beim US-Dollar – über Devisentermingeschäfte oder -optionen abgesichert werden. Der Devisenmarkt für den sogenannten Offshore Renminbi CNH bietet die gleichen (Absicherungs-) Möglichkeiten wie der US-Dollar an und mit weltweiten Clearing-Stellen (u.a. Frankfurt) sind die Konditionen durch die vorhandene Liquidität auch extrem kompetitiv.

Zinsspread zwischen US-Dollar und Renminbi

Neben den erwähnten Vorteilen (Doppelkonvertierung, Preisaufschlag, Nachverhandlungsrisiko und Zinsvorteil) bei einer Fakturierung in Renminbi (Abwicklung in CNH) profitiert der deutsche Importeur von einem weiteren Vorteil, der aus den chinesischen Leitzinsen resultiert. Die Terminaufschläge für das Währungspaar EUR/CNH liegen auf Grund der höheren Leitzinsen in China (4,15%) noch über dem des EUR/USD. Die Leitzinsen in den USA liegen momentan bei nur noch 1,75%, nach dem FED-Chef Jerome Powell auf Druck von US-Präsident Donald Trump die Zinsen im September 2019 um weitere 25 Basispunkte gesenkt hatte.

 (GRAFIK 2 – Zinsvorteil) Quelle: Daten aus Reuter, eigene Darstellung.
 
 

Dieser Zinsvorteil zwischen dem EURCNH und EURUSD führt dazu, dass bei gleichem Absicherungsverhalten (Projektabsicherung, rollierende Absicherung, kursverbessernde Beimischung usw.) der Importeur von ein im Vergleich zum US-Dollar besseren Terminkurs um ca. ein Prozent auf zwölf Monate profitiert,  allein deshalb, weil die Fakturierung in CNH statt in USD erfolgt.

Wer Handel treibt, ist natürlich auf das Erzielen eines Vorteils erpicht, ansonsten wäre sein Tun letztlich sinnlos. Ein gezieltes und kompetent unterstütztes Währungsmanagement ist dafür hilfreich – ein Handel in Euro/Renminbi kann demnach im Vergleich zum gängigen US-Dollar im China-Geschäft noch konkretere Vorteile bringen: einen Preisvorteil, einen Zinsvorteil und die Gewissheit, vor Nachverhandlungen geschützt zu sein.

Ganz gleich jedoch, ob mit oder ohne Doppelkonvertierung, doppeltem oder einfachem Währungsrisiko: gerade beim Saisongeschäft und seinen langen Vorlauffristen sollten die Währungsrisiken so weit wie möglich minimiert beziehungsweise eliminiert werden. Welches Absicherungsinstrument oder welcher Mix aus Absicherungsinstrumenten letzten Endes verwendet wird, entscheidet ein Unternehmen im Einzelfall – die Auswahl ist fast ebenso groß wie die Anwendungsbreite. Es sollte darauf ankommen, für das Unternehmen das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun. Dann stehen die Chancen auf ein rundum gelungenes Saisongeschäft besser denn je.

 

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