Globale Themen

Referenzpunkt Frankreich

USD

EUR USD (1,1325)

Angesichts der Nachrichten aus Europa erschien es nahezu verwunderlich, dass sich der Euro gestern recht lange halten konnte. Und dies, obwohl nun auch Frankreich die EU-Defizithürde von 3 Prozent vermutlich reißen wird. Denn die jüngsten Zugeständnisse von Staatspräsident Emmanuel Macron an die Protestbewegung der „Gelbwesten“, unter anderem in Form einer Erhöhung des Mindestlohns, einer Entlastung für Rentner sowie weiterer Steuervorteile, dürften zu einer Neuverschuldung Frankreichs in einer Höhe von 8 bis 10 Milliarden Euro führen. Mit möglicherweise nicht unwesentlichen Folgen. Denn da Entscheider normalerweise relativ bewerten und sich mit anderen vergleichen, wäre es Italien eigentlich gar nicht zu verdenken, wenn es sich fortan bei seinen Bemühungen, das Haushaltsdefizit von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im kommenden Jahr zu reduzieren, nicht mehr ganz so leidenschaftlich wie zuvor anstrengen würde. Kein Wunder, dass gestern Medienberichte die Runde machten, die sich auf sogenannte Regierungsquellen beriefen und durchblicken ließen, dass Italiens Premierminister Giuseppe Conte bei seinem heutigen Treffen mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker wohl keine wesentlich geringere Neuverschuldungsquote als 2,2 Prozent des BIP vorschlagen werde. Vor ein paar Tagen hörte sich das noch ganz anders an, als man in Italien über 2,0 Prozent oder sogar weniger nachdachte. Aber den Führern der beiden Koalitionsparteien Lega Nord und Fünf-Sterne-Bewegung, Matteo Salvini und Luigi Di Maio, passen weitgehende Sparbemühungen angesichts ihrer Wahlversprechen ohnehin nicht ins Konzept. In der Folge ist gestern die Rendite französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit auf den höchsten Stand seit Frühjahr 2017 angezogen. Indes: Der Renditevorsprung bei den italienischen Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen gleicher Laufzeit blieb mit zuletzt 288 Basispunkten erstaunlich unauffällig.
Von den hiesigen Daten wäre noch der ZEW-Index für Deutschland zu nennen, der wie so häufig vor allen Dingen die derzeitige Stimmungslage am Aktienmarkt widerspiegelte. Denn die Umfrage fiel bezüglich der Lagebeurteilung deutlich schlechter als erwartet aus, aber hinsichtlich der Erwartungen gab es immerhin eine positive Überraschung. Und so bedurfte es letztlich eines Anstoßes aus den USA, um den Euro etwas aus dem Gleichgewicht zu bringen. Denn der Produzentenpreisindex fiel mit +0,3 Prozent in der Kernrate gegenüber dem Vormonat besser als die Medianprognose der Ökonomen aus. Und so konnte man am Ende des gestrigen Handelstages nicht einmal von einer hausgemachten Euro-Schwäche, sondern vielmehr von einer leichten Dollarstärke sprechen. Dennoch bewegt sich der Euro weiterhin in einem Abwärtstrend mit Potenzial in Richtung 1,1160 und etwas verstärktem Momentum, sobald 1,1310 unterlaufen wird. Ansonsten bleibt die Trendobergrenze bei 1,1440/45.

GBP

EUR GBP (0,9055)

Auch wenn die Lage in Sachen Brexit unsicher bleibt, hätte es gestern schon extrem negativer neuer Informationen bedurft, um das britische Pfund noch einmal stärker unter Druck zu setzen. Dass die Akteure möglicherweise auf die Pfund-Schwäche überhaupt nicht vorbereitet waren, zeigt ein Blick auf die wöchentlichen CFTC-Daten der spekulativen Futures-Positionen in Chicago. Dort lagen nämlich, also knapp eine Woche vor dem deutlichen Kurseinbruch, die Short-Positionen in britischen Pfund per 4. Dezember unauffällig unter den wichtigen Valuten nur auf Rang vier hinter dem australischen Dollar, Euro und Yen. Natürlich geben diese spekulativen Engagements nicht unbedingt einen repräsentativen Ausschnitt des Gesamtmarktes wieder, aber zeigen doch eine gewisse Grundstimmung der Marktteilnehmer. Und diese schien zu jenem Zeitpunkt durch keinen großen Appetit auf Risikopositionen gekennzeichnet zu sein. Mit anderen Worten: Die Short-Engagements im britischen Pfund während der vergangenen drei Handelstage sind wahrscheinlich nicht aus einem gewachsenen Trend, sondern eher aus kurzfristigen Erwägungen heraus eröffnet worden.
Nun gab es gestern neue Medienberichte, die sich auf Quellen aus der EU beriefen und denen zufolge sich die britische Premierministerin Theresa May bei der Vereinbarung einer Notfallklausel zur Lösung der irischen Grenzproblematik, dem sogenannten Backstop, keine Klarstellung erhoffen kann, die irgend ein juristisches Gewicht besäße. Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker schloss gestern abermals eine Neuverhandlung des Brexit-Deals explizit aus. Aber nicht nur deswegen sieht es so aus, als ob die jüngste Reise der Premierministerin nach Europa ins Leere laufen könnte. Denn Medienberichten zufolge scheinen Theresa Mays innerparteiliche Rebellen [wieder einmal] die für ein Misstrauensvotum erforderlichen 48 Briefe abgesandt zu haben. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass der Vorsitzende des dafür zuständigen 1922-Ausschusses, Sir Graham Brady, ein offizielles Erreichen dieser Mindestzahl ausrufen wird, solange sich Theresa May im Ausland befindet. Auch ist nicht sicher, ob die Premierministerin ein innerparteiliches Misstrauensvotum am Ende nicht doch noch überleben würde. Unterdessen hat sich der Euro gestern gegenüber Sterling kaum weiter befestigen können. Dennoch bleibt die Gemeinschaftswährung in ihrem kurzfristigen aber nicht gerade robusten, korrekturanfälligen Aufwärtstrend, nunmehr zwischen 0,8900 und 0,9160.

CHF

EUR CHF (1,1250)

Es dürfte keine sonderliche Überraschung dargestellt haben, dass die gestern von Reuters befragten 32 Ökonomen allesamt davon ausgehen, dass die Schweizerische Nationalbank bei ihrer Sitzung am morgigen Donnerstag die Leitzinsen unverändert belassen wird. Eine Zinserhöhung wird, so die Medianprognose des Panels, frühestens im vierten Quartal 2019 erfolgen – und zwar nur, wenn die Europäische Zentralbank diesbezüglich den ersten Schritt gemacht hat. An dem ansonsten gestern recht ruhigen Handelstag rutschte der Euro abermals ein wenig in Richtung seiner nächsten größeren Unterstützung bei 1,1210 ab, ohne dieses Niveau allerdings ernsthaft in Angriff zu nehmen. Mittlerweile ist der Stabilitätspunkt im derzeit instabilen Umfeld auf 1,1325 gefallen.

PLN

EUR PLN (4,2970)

Auch gestern blieben die Entwicklungen beim Zloty gegenüber dem Euro fast impulslos. Dieser hat sich im Rahmen seiner Konsolidierungszone minimal befestigt – letztere verläuft nach wie vor zwischen 4,2730/50 und 4,3460.

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