Globale Themen

Warten auf neuen Brexit-Vorschlag

USD

EUR USD (1,1430)

Mangels wichtiger neuer ökonomischer Daten hatten die Händler gestern allerhand Zeit, das Ergebnis der US-Zwischenwahlen zu verdauen. Nun ist es auf jeden Fall klar, dass die Demokraten eine deutliche Mehrheit im Repräsentantenhaus bekommen haben, während der Senat an die Republikaner gegangen ist, die ihre dortige Mehrheit wohl sogar noch ein wenig ausbauen konnten. Beide Ergebnisse sind nicht nur von den Prognose-Instituten, sondern auch von den Marktteilnehmern mehrheitlich erwartet worden. Umso interessanter sind die unterschiedlichen Reaktionen. Denn dass US-Präsident Donald Trump nun nicht mehr einfach durchregieren kann, ist keineswegs eine überraschende Neuigkeit. Gleichzeitig müsste den Akteuren allerdings noch einmal klar geworden sein, dass wichtige Gesetzesvorhaben vor allem auf Bundesebene in Zukunft der Zustimmung der demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus und natürlich des Senats bedürfen. Demzufolge ist mit fiskalpolitischen Maßnahmen wie etwa einer Steuersenkung für den Mittelstand, wie sie US-Präsident Donald Trump vor den Wahlen noch versprochen hatte, nur schwerlich zu rechnen. Auf der anderen Seite dürfte Donald Trump außenpolitisch möglicherweise für weiteren Wirbel sorgen und die Rhetorik im Handelsstreit der USA mit dem Rest der Welt noch einmal verschärfen, um eine mögliche Handlungsunfähigkeit zu Hause auszugleichen. Und so war es durchaus verständlich, dass der Dollar temporär gestern etwas nachgab. Was indes nicht zwingend auf der Agenda der Finanzmarktakteure gestanden haben dürfte, war die Rallye der Aktienmärkte. Diese teils starke positive Reaktion hat hier und da möglicherweise überrascht. Denn es ist nicht anzunehmen, dass die US-Notenbank sich in Zukunft wegen mangelnder fiskalpolitischer Stimuli mit weiteren Zinserhöhungen zurückhalten wird, solange die US-Konjunktur nicht dramatisch zurückfällt.
Apropos US-Notenbank: Heute tagt bekanntermaßen der Offenmarktausschuss der Fed, wobei allerdings keine geldpolitischen Beschlüsse erwartet werden. Auch dürfte es keine wesentlichen Änderungen im Statement bezüglich der Einschätzung von Wachstum und Inflation geben, zumal der jüngste US-Arbeitsmarktbericht ausgesprochen robust ausgefallen war. Tatsächlich konnte der Euro von der gestrigen Dollarschwäche auch etwas profitieren und hat dabei die Obergrenze seines Abwärtstrends (heute geringfügig modifiziert bei 1,1500) zwar hart getestet, aber nicht signifikant (man beachte den Mindestdurchstoß von 10 Stellen) überschritten. Mittlerweile ist der Euro sogar wieder im Rahmen seines Abwärtspotenzials (es reicht bis 1,1255) deutlich zurückgefallen.

GBP

EUR GBP (0,8705)

Erstaunlicherweise blieb Sterling auch gestern in relativ stabiler Verfassung. Denn es droht eine weitere Hängepartie bei den Brexit-Verhandlungen. Eigentlich wollen alle Beteiligten vorankommen und zeigen sich weiterhin optimistisch. Allerdings ist Medienberichten zufolge, die sich auf ungenannte EU-Quellen beriefen, ein Gipfel zwischen der EU und Großbritannien noch per Mitte November unwahrscheinlicher geworden. Immerhin: Eine Zusammenkunft in der zweiten Novemberhälfte wird nach wie vor für möglich gehalten. Und tatsächlich sieht es für Außenstehende so aus, als ob die EU nur noch auf einen neuen Vorschlag aus Großbritannien warten würde. Es wird jedoch mindestens bis kommenden Dienstag dauern, bis Theresa May mit ihrem Kabinett erneut zusammenkommen wird, um einen Brexit-Vorschlag auszuarbeiten. Trotz dieser Verzögerung – ursprünglich war einmal ein erneutes Treffen des Kabinetts mit der Premierministerin noch für diese Woche geplant – und dem Risiko, dass ein Sondergipfel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich womöglich sogar erst am 13. Dezember (letzte Gelegenheit in diesem Jahr) stattfinden könnte, schien der Optimismus der Händler auch gestern ungebrochen. Möglicherweise tut man sich aber auch schwer, sich angesichts drohender Enttäuschungen bei den Brexit-Verhandlungen in größerem Stil zu positionieren. Dies gilt auch im Verhältnis des britischen Pfundes zum Euro. Dieser hat zwar einen kurzfristigen Abwärtstrend in Richtung 0,8650 ausgelöst, aber die Dynamik ist jetzt schon ausgesprochen niedrig. Deswegen droht der jüngste Impuls in einer Fehlentwicklung mit anschließender Aufwärtsbewegung zu enden. Eine Entwicklung, die spätestens mit Überschreiten von 0,8800 bestätigt wäre.

CHF

EUR CHF (1,1450)

Der Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank, Fritz Zurbruegg, hat gestern in einem Interview geäußert, er sei davon überzeugt, dass die Zentralbank ihren derzeitigen geldpolitischen Kurs fortsetzen müsse. Auch werde die SNB, falls notwendig, im Devisenhandel intervenieren. Da diese Erkenntnisse nicht neu sind, blieb die Reaktion des Franken überschaubar. Der Euro hat indes gestern kaum zulegen können, so dass man (im Gegensatz zu den Aktienmärkten) nicht von einer aufkeimenden Risikofreude unter den Akteuren sprechen kann. Allerdings hat sich das Risiko einer schärferen Gegenbewegung der Gemeinschaftswährung zum Anstieg der vorangegangenen sieben Handelstage mittlerweile immerhin wieder etwas verringert. Am Ende bleibt der Euro in seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1310 und 1,1510.

PLN

EUR PLN (4,2870)

Die Polnische Nationalbank hat bei ihrer gestrigen Sitzung erwartungsgemäß den Leitzins bei rekordtiefen 1,5 Prozent belassen. Notenbankchef Adam Glapinski betonte noch einmal, dass die Zinsen bis Ende 2019, möglicherweise aber auch länger unverändert bleiben sollen. Glapinski sieht, solange es die [ökonomischen] Umstände zulassen, die Zinsen auch für das ganze Jahr 2020 auf diesem niedrigen Niveau. Ungeachtet dessen hat der Euro wie befürchtet seinen Aufwärtstrend mit einem kräftigen Impuls abgebrochen und ist nun auf dem Wege, die Untergrenze seiner ehemaligen Konsolidierungszone bei 4,2650 zu testen.

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