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Euro trotzt Trump-Tweet

USD

EUR USD (1,1690)

Nun hat US-Präsident Donald Trump wieder einmal Porzellan zerschlagen, indem er per Tweet ankündigte, China schon bald mit Strafzöllen in Milliardenhöhe überziehen zu wollen. An den Meldungen vom Vortag, denen zufolge die USA wieder mit China an den Verhandlungstisch zurückkehren wolle, ist zumindest laut Trump wohl nichts dran. So hatte das Wall Street Journal noch am Mittwoch darüber berichtet, Finanzminister Steven Mnuchin plane ein Treffen zwischen den USA und China. Auch war von chinesischer Seite zu vernehmen, dass eine entsprechende Einladung ergangen sei. Nach diesem Tweet scheint also wieder alles offen zu sein. Interessanterweise hatte sich der US-Dollar, der tags zuvor wegen der neu aufgekeimten Hoffnung auf eine Einigung im Handelsstreit gefallen war, gestern trotz des Trump-Tweets nicht befestigt. Der Tagesgewinner war ganz klar der Euro.

Dazu mag zum einen das Ergebnis der gestrigen EZB-Sitzung beigetragen haben, die ihren Leitzins wie erwartet unverändert beließ. Auch die endgültige Ankündigung, die Anleihekäufe ab Oktober um die Hälfte auf 15 Milliarden USD pro Monat zu reduzieren, stand bereits seit Juni im Raum und hat ebenfalls niemanden überrascht. Während der Pressekonferenz wurde klar, dass die EZB zwar ihre Wachstumsprognosen minimal nach unten korrigiert hatte, aber dies war bereits am Vortag über Medienberichte durchgesickert und also auch nichts Neues. Die Inflationsprognosen blieben für das laufende Jahr, für 2019 und 2020 mit 1,7 Prozent (ebenfalls wie erwartet) indes gegenüber Juni unverändert. Allerdings betonte EZB-Präsident Mario Draghi, dass das dem Wachstum zugrundeliegende Momentum in der Eurozone robust sei. Tatsächlich seien die Wachstumsrisiken ausgewogen, obwohl Gefahren vom Protektionismus und den Turbulenzen der Schwellenländer ausgingen. Am Ende schienen die Akteure allerdings erleichtert, dass Draghi diese drohenden Wachstumsrisiken und die leicht nach unten korrigierten Prognosen nicht zum Anlass nahm, den Termin für eine erste Leitzinserhöhung nicht noch später als „mindestens über den Sommer 2019“ hinaus zu verschieben.

Der Euro konnte aber auch deshalb zulegen, weil die US-Konsumentenpreisindices in der Kernrate ebenfalls hinter den Erwartungen der Ökonomen zurückblieben. So war der Index in der Kernrate gegenüber dem Vorjahr im August lediglich um 2,2 Prozent und nicht wie erwartet um 2,4 Prozent gestiegen. Schließlich gelang es dem Euro gestern sogar, die Obergrenze seiner Konsolidierung (1,1660/65) zu überwinden, um seinen übergeordneten Aufwärtstrend wieder aufzunehmen. Dieser ist derzeit zwar noch nicht sonderlich dynamisch, aber könnte bis 1,1750/55 bzw. 1,1850 reichen. Dies unter der Prämisse, dass 1,1555 an der Unterseite nicht verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8915)

Die zweite wichtige Zentralbanksitzung fand gestern in London statt. Aber wie schon bei der EZB-Sitzung brachte die Zusammenkunft der Bank of England kaum Überraschendes mit sich. So beließ das Geldpolitische Komitee einstimmig den Leitzins bei 0,75 Prozent. Auch der Bestand an Staatsanleihen bleibt mit 435 Mrd. GBP wie erwartet unverändert. Abgesehen davon, dass die Bank – auch dies ist nicht überraschend – Anzeichen für eine größere Unsicherheit hinsichtlich des Brexit-Scheidungsprozesses mit der EU sieht, fielen immerhin die Wachstumsprognosen optimistischer aus. So erklärte die BoE, dass die Schätzung des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal von +0,4 im August nun auf +0,5 Prozent (ggü. Vorquartal) angehoben wurde. Im Wesentlichen bleibt also alles beim Alten, wobei in der näheren Zukunft keine weitere Zinserhöhung zu erwarten ist. Angesichts des geprobten Aufstands innerhalb der Konservativen Partei, in der sich, wie bereits gestern berichtet, laut BBC etwa 50 Mitglieder zusammengetan und beratschlagt haben sollen, wie und wann man Premierministerin Theresa May zum Rücktritt zwingen könne, ist es gestern überraschend ruhig geblieben. Und so zeigte sich auch der Euro gegenüber dem Pfund relativ unbewegt, so dass die Konsolidierungszone zwischen 0,8880 und 0,9100 weiterhin Bestand hat.

CHF

EUR CHF (1,1290)

Der Produzentenpreisindex ist in der Schweiz im August gegenüber dem Vormonat wie von den meisten Ökonomen erwartet unverändert geblieben – gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein Plus von 3,4 Prozent. Interessanterweise konnte sich der gestern insgesamt robust wirkende Euro nicht gegenüber dem Franken in Szene setzen. Dennoch bleibt die Gemeinschaftswährung, solange sie sich oberhalb von 1,1240 bewegt, stabil und zwar im größeren Bild innerhalb einer breiten Seitwärtszone zwischen 1,1180 und 1,1410.

CHF

USD CHF (0,9650)

Gut möglich, dass die gestrigen US-Inflationsdaten Druck auf den US-Dollar ausgeübt haben. Dabei hätte es durchaus Anlass geben können, sich nicht gegen den Greenback zu entscheiden. Aber offensichtlich ist eine Rede von Lael Brainard, Mitglied im Offenmarktausschuss der US-Notenbank, gestern völlig ungehört blieben. Denn im Gegensatz zu den jüngsten Kommentaren einiger FOMC-Kollegen, die sich unlängst für eine Pause im Reigen der Zinserhöhungen im kommenden Jahr ausgesprochen hatten, sieht die Fed-Direktorin die Dinge etwas anders: Sie kann sich nämlich durchaus vorstellen, dass der Zinserhöhungszyklus auch in den kommenden ein oder zwei Jahren fortgesetzt werden könnte. Diese Einstellung ist deswegen bemerkenswert, als Brainard eigentlich als Zinstaube gilt. Gegenüber dem Franken musste der Dollar dennoch Federn lassen und nähert sich peu à peu der Untergrenze seiner Konsolidierung im derzeitigen Abwärtstrend zwischen 0,9635 und 0,9750.

PLN

EUR PLN (4,3050)

Der Zloty hat gestern nicht von der teils deutlichen Erholung der Valuten in den Schwellenländern profitieren können. Wohl auch, weil der Euro die 4,30er Linie immer noch nicht nachhaltig unterlaufen hat. Darüber hinaus bleibt die Konsolidierung zwischen 4,2645 und 4,3420 erhalten.

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