Globale Themen

Nächste Brexit-Hürde genommen

USD

EUR USD (1,1330)

Eigentlich dürften sich die Akteure gestern früh bereits auf einen unruhigen Tag eingestellt haben. Denn Italiens revidierter Haushaltsentwurf enthielt in wesentlichen Punkten nicht die von der EU erhofften Änderungen. Sei es, dass das Wachstum für das Jahr 2019 mit einem Plus von 1,5 Prozent mit hoher Wahrscheinlichkeit zu hoch eingeschätzt wurde. Oder die Neuverschuldung, die im kommenden Jahr 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen wird. In beiden Punkten zeigte sich die italienische Regierung unnachgiebig. Und so hätte man gleich zu Handelsbeginn sowohl einen Abverkauf italienischer Staatsanleihen als auch einen schwachen Euro erwarten dürfen. Aber aus dieser ursprünglichen Handelsidee wurde spätestens dann nichts mehr, als sich herausstellte, dass die EU auf den neuen Haushaltsentwurf Italiens erst am 21. November offiziell reagieren wird.
Aber auch ein anderes Moment hätte dem Euro gestern durchaus Schaden zufügen können. Denn der Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts ist mit einem Minus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal stärker als von den Ökonomen im Konsens erwartet gefallen. Tatsächlich ist die deutsche Wirtschaft zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren wieder geschrumpft. Allerdings war den Ökonomen bei ihrer Schätzung durchaus bewusst, dass die Umstellung auf ein neues Abgastestverfahren in der Autoindustrie dem BIP für das dritte Quartal geschadet hatte. Auch dass der Export schwächelte, dürfte nicht wirklich überrascht haben.
Aber die Enttäuschung in Sachen Wachstum wurde alsbald ausgebügelt. So stellte Bundesbankpräsident Jens Weidmann in einer Rede klar, dass das deutsche Wachstum trotz der Delle im dritten Quartal immer noch intakt sei. Alles andere als diese Lesart hätte dem als Zinsfalken bekannten Weidmann vermutlich auch nicht ins Konzept gepasst. Dennoch: Der Euro zeigte sich ausgesprochen robust. Und als später Zahlen zur US-Inflation publiziert wurden, konnte die Gemeinschaftswährung noch einmal leicht zulegen, auch wenn die Erwartungen der Ökonomen mit einem Zuwachs des Konsumentenpreisindex im Oktober um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr erfüllt wurden. Allerdings fiel die Kernrate mit einem Plus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein wenig niedriger als im Mittel prognostiziert aus.
Doch war das Aufbäumen der Gemeinschaftswährung zunächst nur kurzlebiger Natur. Immerhin aber wurde dem derzeitigen Abwärtstrend mit Überwinden von 1,1325 etwas Dynamik genommen. Dennoch bleibt die Unterseite anfällig für Angriffe, denn gute Unterstützung ist erst bei 1,1165 zu erwarten. Auch ist die obere Begrenzung des Abwärtstrends mit 1,1440/45 noch ein gutes Stück entfernt.

GBP

EUR GBP (0,8715)

Lange blieb gestern die Spannung hinsichtlich des von der EU und Großbritannien am Dienstagabend ausgearbeiteten Brexit-Entwurfs erhalten, da dieser nun in einem weiteren Schritt die Zustimmung des Kabinetts von Premierministerin Theresa May bedurfte. Peu à peu wurden dabei im Laufe des Tages erste Einzelheiten über den Entwurf des neuen Brexit-Abkommens bekannt. Dabei sieht es so aus, als ob die EU der britischen Premierministerin Theresa May bei der Notfalllösung bezüglich der nordirischen/irischen Grenzfrage, dem sogenannten Backstop, entgegengekommen ist. Zur Erinnerung: Um eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland zu vermeiden, soll Großbritannien im Notfall in der Zollunion mit der EU verbleiben, bis eine andere Lösung in der Grenzfrage gefunden wird. Entgegen den ursprünglichen Wünschen Brüssels hat Großbritannien nun offenbar eine zeitliche Begrenzung für einen solchen Backstop erreicht. Lange Zeit war es allerdings fraglich, ob Theresa May die Zustimmung des Kabinetts zum Brexit-Entwurf erhalten würde. Zeitweise wurde sogar kolportiert, die Premierministerin müsse mit einem Misstrauensvotum von Abgeordneten der eigenen Partei rechnen. Und so fühlte es sich fast wie eine Erlösung an, als Theresa May schließlich vor die Presse trat und verkündete, ihr Kabinett habe den Entwurf für das Brexit-Abkommen mit der EU gebilligt. Bis dahin wurde Sterling in einer Bandbreite von gut 90 Stellen gegenüber dem Euro geradezu hin und her geschleudert. Dessen Abwärtstrend blieb dabei jedoch unbehelligt und verläuft minimal verändert nun zwischen 0,8775 und 0,8580.

CHF

EUR CHF (1,1400)

Fast sah es gestern so aus, als würde der Euro auch gegenüber dem Franken ein Revival erleben. Zumindest vermittelten Tageshöchstkurse um 1,1425 den Eindruck, als sei die Risikofreude bei vielen Akteuren zurückgekehrt. Allerdings wurde der Zugewinn des gestrigen Tages zum Handelsende fast wieder völlig ausradiert. Und so bleibt der Euro nach wie vor in seiner breiten Konsolidierung zwischen 1,1310 und 1,1490 eingesperrt.

PLN

EUR PLN (4,2930)

Ersten Schätzungen zufolge ist Polens Wachstum im dritten Quartal mit einem Zuwachs von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr bzw. 1,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal erheblich stärker als von den Ökonomen erwartet gestiegen. Gleichzeitig wurde der Konsumentenpreisindex im Oktober mit einem Plus von 1,8 Prozent (gegenüber Vorjahr) im Vergleich zur ersten Schätzung leicht nach oben korrigiert. Dennoch hat sich der Euro – nach derzeit gängiger Lesart hätte sich der Zloty bei einer generell robusten Gemeinschaftswährung noch stärker zeigen müssen – nur vorübergehend etwas abgeschwächt. Zwar bleibt das Risiko an der Unterseite damit bis 4,2650 erhalten, aber das Währungspaar ist bereits mit Überschreiten von 4,3120 (modifiziert) diesbezüglich aus dem Schneider.

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