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Eurolands Industrie zeigt

USD

EUR USD (1,1740)

Am vergangenen Freitag zogen es Händler in Asien vor, sich ohne Euro-Short-Position ins Wochenende zu verabschieden. Die Nachfrage war entsprechend hoch und hievte die Gemeinschaftswährung am letzten Handelstag der Woche auf ein neues Drei-Monats-Hoch. Dabei überwand der Euro sogar kurzzeitig die 1,18er-Marke, konnte das Plus jedoch nicht bis zum Handelsschluss verteidigen. Dies lag vermutlich weniger an einem plötzlichen US-Dollar-Revival als an enttäuschenden Zahlen aus der deutschen Industrie, die im laufenden Monat merklich an Schwung verloren hat. Zu den schwachen heimischen Daten gesellten sich dann auch noch stagnierende Exportaufträge aus der Eurozone. Spätestens an dieser Stelle wurde einigen Euro-Händlern mulmig. Denn die Daten des IHS-Markit-Instituts ließen darauf schließen, dass das Euroland-Wachstum an Dynamik verliert. Jedenfalls blieben die für September vorgelegten Zahlen spürbar hinter den Erwartungen der Volkswirte zurück. Die Analyse von Markit-Ökonom Phil Smith fiel entsprechend ernüchternd aus: Industriemanager schätzen ihre Geschäftsaussichten deutlich schlechter ein und zeigen den niedrigsten Optimismus seit gut vier Jahren. Ein Auftragswachstum ist kaum noch vorhanden – bei neuen Exportaufträgen sind erstmals seit mehr als drei Jahren wieder Verluste verzeichnet worden. Zwar sieht es bei Dienstleistern ein wenig besser aus – deren Index kletterte im September um 1,5 auf 56,5 Punkte. Diese Gruppe ist aber auch weit weniger von Exporten abhängig.
Man könnte nun argumentieren, dass es an den zunehmenden Unsicherheiten – allen voran am Handelsstreit mit den USA – liegen könnte, warum plötzlich nur noch wenige Verantwortliche in der Industrie in den nächsten zwölf Monaten mit Wachstum rechnen. Andererseits schwelt dieser Konflikt bereits seit Monaten, und insbesondere Europa ist im Gegensatz zu China oder Kanada bislang eher mit Nachsicht von den USA behandelt worden. Nach Aussage von Frank Sportolari, Präsident der AmCham Germany, ist US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross sogar bereit, mit Europa weiter zu verhandeln, um eine Lösung zu finden. Im Gegensatz zu dem, was Washington in den vergangenen Tagen in Richtung der chinesischen Regierung äußerte, klingen die Töne gegenüber Europa nun wohlwollend und kompromissbereit.
Der Aufwärtstrend des Euro hat trotz des Rückschlags vom Freitag nach wie vor Potenzial bis 1,1850 (leicht angehoben) und 1,1895. Hierfür dürfen Rücksetzer allerdings nicht mehr unter die 1,1650/60er-Marke führen.

GBP

EUR GBP (0,8980)

Die Salzburger Festspielsaison ist bereits Ende August abgeschlossen worden. Über das „Salzburger Debakel“ wird hingegen seit vergangenem Freitagmorgen heftig diskutiert, und ein Ende des Ganzen ist noch nicht in Sicht. Die abermals festgefahrenen Brexit-Verhandlungen schlugen dieses Mal besonders hohe Wellen, die EU-Rats-Chef Donald Tusk am Freitagabend noch zu glätten versuchte – allerdings erfolglos, wie sich zeigte. Tusk bezeichnete die britische Gangart als "erstaunlich hart und kompromisslos", was jedoch angesichts der hauchdünnen Mehrheit, mit der Premierministerin Theresa May regieren muss, verständlich ist. Zudem wird May von den Brexit-Hardlinern in ihrer eigenen Partei enorm unter Druck gesetzt. Jetzt, wo der Jahresparteitag bevorsteht, gilt es, sich stark und unnachgiebig zu zeigen, dürfte sich May gedacht haben. Ihre Strategie, ihren Verhandlungspartnern ein Sackgassenschild vor Augen zu halten und sich mit den Worten "Kein Abkommen ist besser als ein schlechtes Abkommen" aus Salzburg zu verabschieden, zeigte bei den britischen Medien Wirkung und steigerte bei politischen Gegnern den Respekt. Pfund-Händler reagierten indes allergisch: Sie ließen Sterling fallen, sodass sich der Euro aus seinem Abwärtstrend lösen konnte und nun eine große Konsolidierung zwischen 0,8850 und 0,9100 zu etablieren scheint.

EUR

EUR CHF (1,1270)

Die Berichterstattung in der ersten Jahreshälfte bereitete den meisten Schweizer Unternehmen Freude – insbesondere denjenigen, die Waren in die Eurozone verkauften. Für das zweite Halbjahr sieht es nun nicht mehr ganz so gut aus. Im Mai begann, nachdem kurz zuvor noch das höchste Niveau seit Januar 2015 erreicht wurde, eine starke Euro-Gegenbewegung. Was als Korrektur startete, hat sich kurze Zeit später als dauerhafter Trend etabliert. Seitdem notiert der Euro zum Franken – von kurzen Erholungsphasen abgesehen – auf Jahrestief. Insbesondere seit Anfang August sprechen Schweizer Unternehmer wieder über negative Wachstumseffekte, die der starke Franken mit sich bringe. Sollte sich der Euro zum Jahresende nicht mehr erholen, werden die hohen Bewertungsniveaus der Vorjahresperiode in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2019 negativ zu Buche schlagen und sich entsprechend auf die Unternehmensergebnisse auswirken. Bislang sieht es noch nicht nach einem Euro-Comeback aus, denn dazu müsste erst der Stabilisierungspunkt bei 1,1325 in Angriff genommen werden. Aber selbst in diesem Fall bliebe die Gemeinschaftswährung zunächst noch innerhalb einer breiten Seitwärtszone zwischen 1,1180 und 1,1380 gefangen.

PLN

EUR PLN (4,3070)

Polen wird von stark steigenden Elektrizitätskosten (+70 Prozent im Jahresvergleich) belastet. Diese satte Preissteigerung ist für das Wirtschaftswachstum abträglich und könnte die Inflation befeuern. Für Notenbanker Kamil Zubelewicz war dies Grund genug, eine Warnung auszusprechen. Die Zinsen würde man 2019 zwar bestimmt noch auf dem Rekordtief von 1,5 Prozent belassen. Für 2020 gelte diese Aussage aber angesichts der zuvor genannten Entwicklung nicht mehr, ließ er am Freitag in einem Reuters-Interview durchblicken. Der Euro schloss die Woche fast da, wo er sie begonnen hatte: In der Mitte seiner breiten Konsolidierungszone, die nach wie vor zwischen 4,2600 und 4,3420 verläuft.
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