Globale Themen

Jeder braucht einen Deal

USD

EUR USD (1,1475)

Mehr denn je brauchen beide einen Deal. Die Rede ist von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping, die vermutlich beide insgeheim lieber früher als später ihren Handelskonflikt beilegen würden. Donald Trump, weil er dringend ein politisches Erfolgserlebnis benötigt. Denn der partielle Government Shutdown dürfte ihm, je länger dieser Zustand andauert, zu Hause nicht gerade Sympathien einbringen. Zumal die Teilschließung der öffentlichen Behörden dem Vernehmen nach die US-Wirtschaft mittlerweile 3,5 Milliarden USD gekostet haben soll. Ganz zu schweigen von der aufgeheizten Debatte in den USA, ob der US-Präsident womöglich ein russischer Agent war oder ist. Und so ist es kein Wunder, dass Trump glaubt, dass China im Zollstreit verhandeln und die USA einen „Deal“ bekommen werden.
Dass sich der Handelskonflikt mit den USA mittlerweile auch auf den chinesischen Außenhandel negativ auswirkt, zeigen die gestern publizierten Zahlen zur chinesischen Handelsbilanz. Danach gingen die Exporte Chinas im Dezember so stark zurück wie zuletzt vor zwei Jahren (-4,4 Prozent ggü. Vorjahr). Aber auch die Importe waren während des gleichen Zeitraums gefallen, und zwar noch stärker: um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damit wurden die Erwartungen der Ökonomen deutlich enttäuscht, die sowohl für Ex- als auch die Importe immer noch mit einem kleinen Plus gerechnet hatten. Es wäre jedoch verfehlt, die enttäuschenden chinesischen Außenhandelszahlen allein auf die US-Strafzölle zurückzuführen. Denn auch die Ausfuhren in den Rest der Welt haben sich aufgrund schwächerer globaler Nachfrage im letzten Monat des Jahres 2018 verringert. Und was die Importe angeht, deutet deren deutlicher Rückgang darauf hin, dass sich das heimische Wachstum Chinas weiter abgeschwächt haben dürfte. Indes: Im Handel mit den USA hat der Überschuss laut offiziellen chinesischen Zahlen im ganzen vergangenen Jahr um 11,3 Prozent zugelegt, während die Importe aus den Vereinigten Staaten nur mit einem Plus von 0,7 Prozent zu Buche schlugen – Donald Trump wird es jedenfalls nicht erfreuen.
Unterdessen gab es auch Wirtschaftsdaten aus der Eurozone zu begutachten. So ist die Industrieproduktion mit einem Minus von 1,7 Prozent im November gegenüber dem Vormonat stärker als von den Ökonomen im Mittel erwartet zurückgegangen. Allerdings hatten bereits die diesbezüglich in der vergangenen Woche für Deutschland, Italien und Frankreich publizierten Zahlen ohnehin nichts Gutes für die Eurozone erwarten lassen. Daher stellt es auch keineswegs eine Überraschung dar, dass der stellvertretende Präsident der Banca d‘Italia, Salvatore Rossi, gestern erklärte, er erwarte eine Verlangsamung des globalen Wachstums, insbesondere für Italien. Der Euro hat sich gestern allerdings bestenfalls kurzzeitig von diesen ökonomischen Entwicklungen beeinflussen lassen und schwächte sich vorübergehend etwas ab. Unsere Sorge, dass der derzeit leichte Aufwärtstrend mit Potenzial bis 1,1585/1,1625 in eine Fehlentwicklung münden könnte, hat sich dabei nicht verringert. Gravierendere Folgen sind aber erst unterhalb von 1,1380 zu erwarten.

GBP

EUR GBP (0,8895)

Alle 40 Ökonomen, die gestern von der Nachrichtenagentur Reuters befragt wurden, gehen davon aus, dass Theresa May bei der heute Abend stattfindenden Abstimmung über das Brexit-Abkommen (möglicherweise zwischen 20 und 22 Uhr) eine Niederlage erleben wird. Und glaubt man den Auguren, wird es sich um eine deftige Niederlage handeln. Die Frage ist also nur, wie hoch Theresa May verlieren wird. Nach einem Bericht der Financial Times hofft die Premierministerin, die Abstimmungsniederlage auf weniger als 100 Stimmen zu begrenzen, um sich die Möglichkeit zu erhalten, noch einmal nach Brüssel zu gehen und dem Unterhaus zu einem späteren Zeitpunkt einen verbesserten Deal vorlegen zu können. Einige konservative Abgeordnete gehen indes davon aus, dass Theresa May womöglich mehr als 200 Stimmen für einen Sieg fehlen könnten. Im historischen Kontext wäre dies erst die vierte Niederlage während der vergangenen 100 Jahre, die sich in einer derartigen Größenordnung (200 Stimmen) abgespielt hätte.
Allerdings machte ein Kommentator deutlich, dass es bei der heutigen Abstimmung nicht nur um eine einfache Ablehnung oder Zustimmung zum Brexit-Abkommen gehe. Vielmehr liegen bereits jetzt mindestens zwölf Änderungsanträge von Regierung und Opposition vor, über deren (vorgelagerte) Abstimmung und – dies ist besonders wichtig – Reihenfolge der Sprecher des Unterhauses entscheidet. Dabei scheint ein Antrag des konservativen Abgeordneten Andrew Murrison besonders interessant. Sein Antrag, über den separat abgestimmt würde, sieht vor, dem Brexit-Abkommen einen Gesetzesanhang hinzuzufügen, der eine etwaige Notfalllösung, den sogenannten Backstop, auf den 31. Dezember 2022 begrenzen soll. So ist es durchaus vorstellbar, dass eine größere Gruppe von Brexiteers unter den Torys Murrisons Vorschlag unterstützen könnte. Mit der Folge, dass der Gesetzesanhang auch Bestandteil des Brexit-Abkommens („as amended“) in der Schlussabstimmung („meaningful vote“) werden könnte und sich damit die Niederlage der Premierministerin in Grenzen halten würde. Immerhin reagierte das britische Pfund auf diesen möglichen Antrag zeitweise mit einem kleinen Sprung, so dass der Euro innerhalb seiner Konsolidierung zwischen 0,8825/30 und 0,9090 bis zum Ende der europäischen Handelssitzung etwas an Boden verlor.

USD

USD CHF (0,9810)

Die gestrige leichte Franken-Stärke machte sich auch gegenüber dem US-Dollar bemerkbar, der im Rahmen seines Abwärtstrends an Boden verlor. Damit bleibt das Risiko für erneute Kursrückgänge bis nunmehr 0,9695 bestehen. Zumindest, solange unser Stabilitätspunkt bei jetzt 0,9855 nicht überwunden wurde.

PLN

EUR PLN (4,2900)

Das polnische Leistungsbilanzdefizit ist im November gegenüber dem Vormonat, aber auch gegenüber der Konsens-Erwartung der Ökonomen weniger als halb so groß ausgefallen wie befürchtet. Deswegen konnte sich der Zloty vermutlich zeitweise etwas befestigen, was den Euro aber nicht wirklich in Verlegenheit brachte. Dieser beschloss auch die gestrige Handelssitzung innerhalb seiner Konsolidierung zwischen 4,2770 und 4,3080.

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