Globale Themen

Risikofreude kehrt langsam zurück

USD

EUR USD (1,1370)

Der gestrige Handelstag stand auch im Zeichen der Entspannung für den Euro. Zum einen, weil sich die Situation der türkischen Lira weiter gebessert hat. Nicht zuletzt wegen der von Katar versprochenen Hilfe in Form von Direktinvestitionen mit einem Volumen von 15 Milliarden USD in die Türkei. Eine Ankündigung, die sicherlich Händler überraschte, aber nicht ganz ungewöhnlich ist. Denn im vergangenen Jahr verstärkte die Türkei ihre Beziehungen mit Katar, als dessen Nachbarn unter der Führung Saudi-Arabiens ihre diplomatischen Beziehungen abbrachen. Auch kam die gestrige Telefonkonferenz des türkischen Finanzministers Berat Albayrak insofern bei den geschätzt 4000 Investoren aus aller Welt zunächst gut an, weil Albayrak betonte, Kapitalverkehrskontrollen infolge der Währungskrise würden niemals auf der Tagesordnung stehen. Und zur Bekräftigung kündigte der Finanzminister gleich noch Sparmaßnahmen seines Landes an. Damit mag zunächst einmal etwas Ruhe im türkischen Devisenmarkt eingekehrt sein, aber die Investoren machen Medien gegenüber immer wieder deutlich, dass für eine nachhaltige Stabilisierung der türkischen Währung eine kräftige Erhöhung der Leitzinsen vonnöten sei.
Die zweite gute Botschaft von gestern früh kam bekanntlich aus China, das offensichtlich eine Delegation zu Handelsgesprächen am 22./23. August in die USA schicken wird. Wie sich nun herausgestellt hat, finden diese Gespräche nicht auf höchster Ebene statt. Also handelt es sich sozusagen um Vorgespräche, um zu eruieren, ob Handelsgespräche zu einem späteren Zeitpunkt auf höchster Ebene dann auch wirklich stattfinden können. Und so war es gestern kein Wunder, dass sich der Euro im Zuge leicht zurückgekehrter Risikofreude gegenüber vielen Valuten erholen konnte.
Allerdings dürfte mancherorts übersehen worden sein, dass die Renditen italienischer Staatsanleihen mit Laufzeit von zwei bzw. zehn Jahren wieder angezogen und den höchsten Stand seit dem 8. Juni dieses Jahres erreicht haben. Ursächlich hierfür sollen Versprechen des stellvertretenden Premierministers Matteo Salvini sein, der als Reaktion auf den Brückeneinsturz von Genua nun zusätzlich Geld in Strukturmaßnahmen stecken möchte. Und zwar unbeachtlich der schwierigen fiskalischen Situation des Landes. Ins gleiche Horn stieß übrigens Finanzminister Giovanni Tria: Staatliche Investitionen in die Infrastruktur seien für die Regierung vorrangig, es solle keine Beschränkungen durch den Haushalt geben, tönte Tria. Statements, die zwar angesichts der Tragödie von Genua verständlich sein mögen, aber auch einer italienischen Regierung entgegenkommen, die einst in ihrem Wahlprogramm die Verschuldung des Landes drastisch erhöhen wollte. Zumindest stehen nun die Zusicherungen des Finanzministers, der noch Anfang des Monats zum wiederholten Male bestätigt hat, Italien werde die Defizit-Regeln der EU respektieren, in einem ganz anderen Licht dar. So reagierten Investoren auch prompt und sorgten durch ihre Anleiheverkäufe dafür, dass die Renditen nicht mehr allzu weit von ihrem Höhepunkt im Mai entfernt sind. Damals wurde gerade deutlich, dass eine Euro-kritische Koalitionsregierung unvermeidbar war. So gesehen sieht der Euro eigentlich noch recht gut gehalten aus, zumal die Unterseite im Rahmen des derzeitigen Abwärtstrends bis auf 1,1250/55 schlecht unterstützt ist. Immerhin liegt der Punkt für eine temporäre Stabilisierung mit 1,1460/65 nun etwas niedriger.

GBP

EUR GBP (0,8945)

Gestern gab es die Zahlen zu den britischen Einzelhandelsumsätzen für Juli zu begutachten, die auch in der Kernrate positiv überraschten. Kritiker merkten allerdings an, dass sich die guten Zahlen für den Einzelhandel der Fußballweltmeisterschaft und dem guten Wetter verdankten. Wobei wir uns einfach nicht vorstellen können, dass die Prognosen der Ökonomen diesen Umstand zuvor nicht berücksichtigt haben sollen. Unterdessen hat die Ratingagentur Fitch gestern zu verstehen gegeben, dass die Brexit-Unsicherheit gestiegen sei und man einen glatten Übergang – also eine Trennung von der EU im März 2019 mit einer Übergangsperiode bis zum Dezember 2020 – nun für weniger wahrscheinlich halte. Dazu hätte unter anderem die Verstärkung der politischen Gegensätze innerhalb des Vereinigten Königreichs beigetragen, wodurch mehrere Austritts-Szenarien entstanden seien; darunter auch ein "No deal"-Brexit. Übrigens: Alle Szenarien werden als gleich wahrscheinlich eingeschätzt. Der Euro hat sich unterdessen im Zuge seiner allgemeinen Erholung gegenüber Sterling etwas befestigt und hat immer noch die Möglichkeit, im Rahmen seines Aufwärtstrends 0,9060 zu erreichen. Das Ganze nun unter der Voraussetzung, dass an der Unterseite 0,8905 nicht mehr verletzt wird.

EUR

EUR CHF (1,1345)

Trotz der Entwicklung am italienischen Anleihemarkt scheint der Schweizer Franken gestern im Zuge zurückgekehrter Risikofreude der Akteure gefallen zu sein. Zumindest hat der Euro sich ein wenig erholen können, bleibt allerdings der Gefahr eines Abwärtsrisikos bis 1,1215 nach wie vor ausgesetzt. Zumindest solange der Punkt für eine Stabilisierung im Abwärtstrend bei 1,1365 (geringfügig modifiziert) nicht überwunden wird.

PLN

EUR PLN (4,3030)

Die polnische Netto-Inflationsrate ist im Juli mit +0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat wie von den meisten Ökonomen erwartet ausgefallen. Von der neu erwachten Risikofreude und der Stabilisierung in den Emerging Markets hat auch der Zloty etwas profitieren können. Dennoch ist derzeit kein neuer Trend feststellbar. Stattdessen versucht der Euro, eine Konsolidierung zu etablieren. Die Obergrenze eines solchen Feldes wäre bei 4,3420 am wahrscheinlichsten zu finden, während an der Unterseite die beste Unterstützung bei 4,2680 zur Verfügung steht.

Erhalten Sie aktuelle Nachrichten und Informationen über die weltweiten Devisenmärkte

Der Newsletter erscheint 5 mal pro Woche und berichtet von aktuellen Trends und Neuigkeiten in den Märkten.