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Viele Daten, keine Richtung

USD

EUR USD (1,1340)             

Es schien Ausdruck eines starken Kontrollbedürfnisses zu sein, als sich gestern einige Mitglieder des Offenmarktausschusses der US-Notenbank zu Wort meldeten. Die Rede ist von Raphael Bostic (Fed von Atlanta) und James Bullard (St. Louis), die mit entsprechenden Statements offenbar noch einmal sicherstellen wollten, dass die Marktteilnehmer das Protokoll der FOMC-Sitzung vom 29./30. Januar garantiert auch richtig verstanden haben. Dabei ergaben sich für die Händler keine neuen Erkenntnisse: Der US-Wirtschaft gehe es ziemlich gut, und die Inflation habe sich nicht beschleunigt, so der Tenor der Statements. Vor allem aber sei die Fed in einer sehr guten Position, da sie keinen Aktionismus an den Tag legen müsse, war zu hören. Und da es gestern gleichzeitig die Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten gab, konnten die Akteure zumindest einen gewissen Abgleich vornehmen, ob die US-Notenbank mit ihrer geldpolitischen Linie tatsächlich auf dem richtigen Weg ist.

Dieser Abgleich galt übrigens auch für die Europäische Zentralbank. Das Protokoll zu ihrer Januar-Sitzung wurde gestern Vormittag ebenfalls publiziert. Letzteres enthielt übrigens keine gravierenden Überraschungen. So ist die Wachstumsdynamik in der Eurozone kurzfristig wahrscheinlich schwächer als ursprünglich erwartet, wobei man sich innerhalb des EZB-Rates offenbar nicht sicher ist, wie lange die Verlangsamung des Wachstumstempos in diesem Jahr noch anhalten wird. Letztlich – und auch das wurde bereits bei der vergangenen EZB-Sitzung kommuniziert – liegen die Märkte sicherlich zurzeit nicht falsch, wenn sie in diesem Jahr keine Leitzinserhöhung mehr erwarten.

Und nun zu den Wirtschaftsdaten, von denen es gestern recht viele zu begutachten gab. Allen voran die vorläufigen Einkaufsmanagerindices (PMIs, Markit), die im Februar für die Eurozone gemischt ausfielen. So lag der PMI des verarbeitenden Gewerbes unter der Konsens-Erwartung der Ökonomen, während derjenige der Dienstleister positiv überraschte. Eine Mischung, mit der viele Händler nicht allzu viel anzufangen wussten, die allerdings auch nur wenig an der allgemeinen negativen Erwartungshaltung der Analysten für die Eurozone änderte.

Vorläufige PMI-Daten gab es auch für die USA, die ganz ähnlich wie die der Eurozone beim verarbeitenden Gewerbe enttäuschten, aber bei den Dienstleistern positiv hervorstachen. Allerdings wurde dieses unter dem Strich eher positive Bild durch weitere Wirtschaftsdaten überlagert. So enttäuschten die mit einem Monat Verspätung publizierten Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter in der Kernrate für den Monat Dezember genauso wie der Philly Fed Index, während es bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe Positives zu vermelden gab. Unter dem Strich sorgte die Komplexität all dieser Daten dafür, dass sich die meisten Marktteilnehmer mental mit der Datenlage nicht weiter auseinandersetzen wollten und auf der anderen Seite die Bestätigung erhielten, dass sowohl die Fed als auch die EZB mit der Einschätzung der ökonomischen Situation offenbar jeweils richtig liegen. Und so ist es auch kein Wunder, dass der Euro zum Ende der europäischen Handelssitzung gegenüber dem Vortag fast unverändert handelte. Damit bleibt die derzeitige Konsolidierungszone zwischen 1,1215 und 1,1585 natürlich erhalten, innerhalb derer sich nun ein engeres Handelsband zwischen 1,1285 und 1,1405/10 ausmachen lässt. Darüber hinaus scheint die Unterseite etwas durchlässiger zu sein.

GBP

EUR GBP (0,8700)             

Sterling lebt weiterhin größtenteils von der Hoffnung, dass sich Großbritannien und die EU doch noch irgendwie auf ein Brexit-Abkommen einigen können. Einem Medienbericht zufolge, der sich auf EU-Diplomaten beruft, wird der Text des bereits ausgehandelten Abkommens – dies ist überhaupt keine Überraschung – zwar nicht geändert. Allerdings könnte es einen Anhang geben, dessen Text allerdings nicht vor dem 28. Februar fertiggestellt wäre. Dies wäre wiederum ein Tag nach dem Termin, den das britische Unterhaus für weitere Abstimmungen zum Brexit vorgesehen hat. Tatsächlich muss die Premierministerin das Unterhaus bereits am 26. Februar davon überzeugt haben, dass sie eine greifbare Änderung für das Brexit Abkommen bei der EU durchgesetzt hat. Allerdings wurde gestern auch deutlich, dass Theresa May einer Verschiebung des Brexit wird zustimmen müssen, wenn sie bis dahin kein irgendwie geändertes Abkommen mit der EU zustande gebracht hat. Einem Bericht der britischen The Sun zufolge würden ansonsten führende Minister einen Antrag, das sogenannte Cooper Amendment, unterstützen, der wiederum einen Antrag bei der EU auf eine neunmonatige Verschiebung des Austrittsdatums vorsieht. Auch wenn völlig unklar wäre, wie es danach im Brexit-Prozess weitergehen soll, wären die Händler derzeit bereits froh, wenn es per 29. März zumindest nicht zu einem ungeregelten Brexit käme. Und so bleibt der Euro quasi in der Mitte einer gedachten neutralen Zone zwischen 0,8615 und 0,8800.

CHF

EUR CHF (1,1350)             

Wieder gab es für den Euro gegenüber dem Franken gestern nur eine Handelsspanne von rund 30 Stellen zu verbuchen, so dass der Kurs ziemlich genau in der Mitte seiner Konsolidierung zwischen 1,1255 und 1,1425/30 festzementiert scheint. Und dies jedoch mit einer etwas größeren Wahrscheinlichkeit, die Oberseite zu testen, solange 1,1325/30 gehalten werden kann.

CZK

EUR CZK (25,63)

Wie bei den anderen von uns analysierten Valuten gab es gestern bei der Krone nur wenig Bewegung. Auch mangels wichtiger neuer ökonomischer Daten. Auch wenn die kommende Sitzung der Tschechischen Nationalbank erst am 28. März stattfinden wird, scheint in den Hinterköpfen der Händler zumindest die Möglichkeit einer Zinserhöhung nicht ganz auszuräumen zu sein. Insbesondere, wenn sich die Krone nicht wie vielerorts erwartet befestigen sollte. Immerhin näherte sich der Euro gestern der Untergrenze seines neutralen Umfelds zwischen 25,61 und 25,82. Unterhalb davon würde sich ein schwacher Abwärtstrend, zunächst in Richtung 25,52, entwickeln.

PLN

EUR PLN (4,3325)             

Dass die polnischen Leitzinsen in den kommenden Quartalen auf ihrem niedrigen Niveau von 1,5 Prozent verharren werden, vermittelt das Protokoll der jüngsten Sitzung der Polnischen Nationalbank, das gestern publiziert wurde. Indes zeigen auch die polnischen Einzelhandelsumsätze, die wie zuvor schon die Industrieproduktion positiv überraschten, dass weiterhin ein Widerspruch dieser Daten zur Entwicklung des Einkaufsmanager-Index des verarbeitenden Gewerbes im Januar besteht. Allerdings hielten sich die temporären Kursgewinne des Zloty gestern in Grenzen, so dass der Euro sich am Ende des Tages per Saldo minimal befestigen konnte. Solange er sich allerdings nunmehr oberhalb von 4,3240 bewegt, bleibt die Perspektive für 4,3580 erhalten.

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