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Apr 08, 2021 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Exporte des Einen sind die Importe des Anderen

DAILY

Globale Marktzusammenfassung

Die Weltwirtschaft befindet sich seit einigen Monaten auf dem Erholungsweg zu den Vorkrisenniveaus. Insbesondere die Vereinigten Staaten und China konnten dem globalen Konjunkturzyklus neues Leben einhauen. Zusammen bilden die beiden Nationen den größten Importeur (USA) und Exporteur (China) der Welt ab. Eine Tatsache, welche sich jüngst auch in der Datenlage abbilden konnte.

Das Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten ist aufgrund der rapide gestiegenen Güternachfrage und hohen Einkommensniveaus auf ein Allzeithoch gestiegen. Das Defizit weitete sich im Februar auf 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und lag somit bei 71,1 Milliarden US-Dollar. Im Gegensatz dazu verzeichnete China in den ersten beiden Monaten des neuen Jahres die bis dato höchste Handelsbilanz mit einem Plus von 100 Milliarden US-Dollar. Die USA können es sich aufgrund der hohen internationalen Kapitalzuflüsse leisten eine Handelsbilanz aufrechtzuerhalten. Laut dem Internationalen Währungsfond wird die größte Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr die größte Expansion (7,4%) seit 1984 verzeichnen. Der Aufschwung folgt der Kontraktion in 2020, welche mit 3,5% die stärkste seit dem Zweiten Weltkrieg war.

Eine Kombination aus dieser Wirtschaftsexpansion und den anhaltend geringen Zinsen hat die Kauflaune an den Märkten auf Rekordhöhen getrieben und die Verlagerung in risikoreiche und prozyklische Anlagen gefördert. Schwellenländerwährungen konnten davon jedoch kaum profitieren. Insbesondere zumal die meisten im Rahmen der Krisenbekämpfung der jeweiligen Notenbank ihren Zinsvorteil gegenüber dem US-Dollar verloren haben. Vielmehr waren es prozyklische und rohstoffsensible Währungen wie AUD und CAD, welche von dem schwächeren US-Dollar profitieren konnten. Der chinesische Renminbi konnte sich aufgrund der rekordhohen internationalen Kapitalzuflüsse nach China festigen. Allein im ersten Quartal kauften ausländische Investoren chinesische Schuldscheine im Wert von 50 Milliarden US-Dollar und halten nun Anlagen in den chinesischen Finanzmärkten im Wert von einer Billion US-Dollar.

Doch nicht jeder Bereich der Weltwirtschaft konnte von dem Post-Krisen-Boom profitieren. Der Tourismussektor bleibt aufgrund anhaltender Restriktionen angeschlagen. Im Februar lag die Anzahl internationaler Flugpassagiere laut dem globalen Dachverband der Fluggesellschaften 89 Prozent unter den Vorkrisenniveaus.

Währungsüberblick

USD – Die reduzierten Abwärtsrisiken und das starke Wirtschaftswachstum werden die US-Notenbank vorerst nicht vom Weg der lockeren Geldpolitik abbringen. Dies ging aus den gestern veröffentlichten Protokollen der letzten Zinsentscheidung hervor. Die Märkte scheinen den bestätigenden Worten jedoch nicht ganz zu vertrauen und preisen bereits für das nächste Jahr Zinserhöhungen ein. Gegen Ende 2021 wird der erste Zinsschritt eingepreist, wobei bis 2024 laut den Geldmärkten drei weitere folgen könnten. Prognosen von den meisten Großbanken und dem Forschungsinstitut Oxford Economics sehen die erste Zinserhöhung erst im Jahr 2023.

CHF – Nach der im Mai 2020 vergangenen Jahres eingesetzten Aufwärtsbewegung hat EUR/CHF im März ein 19-Monats-Hoch gefunden. Seitdem konsolidiert das Währungspaar in der Seitwärtsbewegung zwischen der psychologischen Unterstützung 1,10 und dem lokalen Hoch bei 1,1150. Angesichts der Tatsache, dass die deutschen Staatsanleihenrenditen vorerst ein Plateau erreicht haben, könnte sich das kurzfristige Potenzial vom Euro gegenüber dem Franken in Grenzen halten. Insbesondere sollte das Urteil des deutschen Verfassungsgerichtshofs die gemeinsame Schuldenemission der EU verzögern und somit die italienische Risikoprämie nach oben ziehen.

PLN – Die polnische Notenbank beließ die Leitzinsen wie erwartet den elften Monat infolge am Rekordtief von 0,1 Prozent. Obwohl die jüngsten Preisanstiege die Währungshüter in Russland bereits zu Zinsstraffungen gezwungen hatten, bleibt die NBP der lockeren Geldpolitik treu. Der erwartete Anstieg der Inflation sollte laut den Prognosen der Notenbank von kurzer Dauer sein und dürfte die Geldpolitik somit nicht belasten. Marktteilnehmer warten nun auf weitere Neuigkeiten des Zentralbankpräsidenten, welcher am Freitag um 15:00 Uhr eine Pressekonferenz halten wird. Der Zloty verzeichnete im März die zweigrößte Abwertung weltweit, konnte sich jüngst jedoch vom 12-Jahres-Tief (EUR/PLN 4,66) entfernen (4,57).

Globale Risikoereignisse des Tages

  • EZ: Protokolle der letzten Zinsentscheidung (13:30)
  • US: Jerome Powell spricht (18:00)


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