Wöchentliche Marktberichte

Mrz 23, 2021 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Vertrauensverlust in die türkische Notenbank?

DAILY

Globale Marktzusammenfassung

In Zeiten der globalen Finanzmarktliberalisierung ist das internationale Vertrauen in die Zentralbank eines Landes einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die heimische Währung. Diese Annahme wird nirgendwo besser dargestellt als in der Türkei. Seit der Verschmelzung der Rollen des Präsidenten und des Ministerpräsidenten als Ergebnis der Wahlen im Jahr 2018 stehen internationale Investoren der türkischen Geldpolitik kritisch gegenüber. Diplomatische Anspannungen mit den Vereinigten Staaten, die umstrittene Zinspolitik des Staatsoberhauptes und das fehlende Vertrauen in die Unabhängigkeit der Zentralbank mündeten im gleichen Jahr in die dritte türkische Währungskrise des 21. Jahrhundert. Viereinhalb Jahre später bleibt das Thema auch weiterhin brisant. Insbesondere aufgrund der am Wochenende bestätigten Kündigung eines weiteren Notenbankpräsidenten seitens Erdogans.

Die Entscheidung kam nur zwei Tage nach der Sitzung der Notenbank, im Rahmen welcher die Währungshüter den Leitzins um 200 Basispunkte angehoben hatten, um der steigenden Inflation entgegenzuwirken. Der neue Mann an der Spitze der Geldpolitik, Sahap Kavcioglu, untermauerte bei seiner ersten Äußerung zwar sofort die Preisstabilität als oberstes Mandat. Ein Blick auf die unmittelbaren Marktreaktionen zeigt jedoch, dass das Vertrauen in eine Rückkehr zur orthodoxen Politikgestaltung deutlich angeschlagen wurde. In Dollar denominierte türkische Staatsanleihen verzeichneten den größten täglichen Fall aller Zeiten, während die Lira kurzzeitig gegenüber dem Euro 16 Prozent an Wert verlor. Das länderspezifische Risiko der Türkei verzeichnete ebenfalls einen rasanten Sprung. Die fünfjährige Kreditausfallprämie des Landes schoss um 155 Basispunkte auf ein Allzeithoch von 460 Basispunkten. Der breitere Index für die Entwicklung der Schwellenländerwährungen konnte sich im Tagesverlauf leicht festigen, nachdem dieser kurzzeitig um 3,2 Prozent gefallen war.

In Deutschland wurde in der Zwischenzeit ein Kompromiss zwischen Bund und Ländern gefunden, welcher eine Ausweitung des Lockdowns bis zum 18 April vorsieht. Nicht-essenzielle Geschäfte bleiben teilweise geschlossen, während Hotels und Restaurants vollständig zugesperrt bleiben. Das Krisenmanagement der Regierung kommt bei der Bevölkerung zunehmend schlechter an. Laut der jüngsten Forsa-Umfrage verlieren die Unionsparteien zunehmend an Zustimmung und müssen sich nun mit einem Trendwert von nur 29 Prozent zufrieden geben. Die 7-Tages-Inzidenz ist gestern den zweiten Tag infolge über 100 Infektionen je 100 Tausend Einwohner gestiegen und befindet sich somit auf dem höchsten Niveau seit Ende Januar. Auf den jüngsten Infektionsanstieg am alten Kontinent hat die europäische Notenbank bereits mit einer Beschleunigung der Staatsanleihenankäufe reagiert. Die wöchentlichen Ankäufe in den fünf Tagen bis vergangenen Freitag waren die größten seit Anfang Dezember (21,1 Milliarden Euro). Die kurzfristige Skepsis über den Wirtschaftsausblick wurde von der EZB-Chefin Christine Lagarde am Montag bestätigt.

Währungsüberblick

EUR – Die europäische Gemeinschaftswährung geht marginal stärker in die neue Woche und festigt sich gegenüber dem Dollar auf 1,1940.  Der 200-tägige gleitende Durchschnitt bei 1,1840 bleibt somit intakt, während an der Oberseite das Niveau um 1,20 weiterhin die größte Barriere weiterer Aufwärtsbewegungen definiert.

USD – Der US-Dollar bleibt kurzfristig an die Zinsentwicklung gekoppelt. Diese Tatsache erklärte die gestrige Schwäche der Leitwährung, zumal US-Renditen eine Verschnaufpause einlegten. Die Währungsturbulenzen in der Türkei scheinen keinen allzu großen Einfluss auf andere Schwellenländerwährungen gehabt zu haben.

CHF – Die Schweizerische Notenbank hat im vergangenen Jahr Devisen im Wert von 110 Milliarden Franken erworben. Die Währungsinterventionen haben sich somit zum Vorjahr verachtfacht und spiegeln die turbulente Periode während der Coronakrise wider. Die Bilanz der Notenbank stieg in der gleichen Periode auf 998 Milliarden Franken. Laut den Berichten der SNB habe die Schweiz im vierten Quartal 2020 zum ersten Mal seit 2009 keinen Leistungsbilanzüberschuss verzeichnet. Kurz vor dem geldpolitischen Treffen der Notenbank am Donnerstag notiert EUR/CHF um die 1,10-Marke.

Globale Risikoereignisse des Tages

  • GB: Arbeitsmarktbericht (08:00)
  • US: Jerome Powell spricht (17:00)
  • AU: Einkaufsmanagerindex (23:00)


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