Wöchentliche Marktberichte

Jan 04, 2021 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Die Annahme des Jahres

DAILY

Globale Marktzusammenfassung

Internationale Investoren blicken optimistisch auf das nächste Jahr. Doch auch, wenn die Nachrichten über die Entwicklung und den Vertrieb der ersten Impfstoffe von den Märkten bejubelt wurden, könnten die Folgeeffekte der Covid-Krise eine reibungslose Rückkehr zur Normalität erschweren. Nach einem der ereignisreichsten Jahre des jungen 21. Jahrhunderts ist der Wunsch, den Blick nach vorne zu richten, sicherlich nachvollziehbar.

Dies wird, zumindest für Ökonomen und Markstrategen, jedoch kaum möglich sein, zumal Sekundär- und Tertiäreffekte allesamt die Prognosen für 2021 und 2022 fundamental prägen. Gestiegene Notenbankbilanzen und Schuldenquoten, neue Innovationen in der Geldpolitik und eine Beschleunigung der Digitalisierung im Unternehmensbereich sind nur ein Bruchteil der strukturellen und nachhaltigen Veränderungen, die in den nächsten Jahren zum Tragen kommen werden. Die Annahme eines starken Wirtschafts- und Handelswachstums, das von einer Kapitalrotation in renditereiche Anlagen und Währungen begleitet werden würde, wird in den nächsten Monaten auf die Probe gestellt werden. Eine koordinierte Expansion der Fiskal- und Geldpolitik hat einen Großteil der ersten- und zweiten Schockwelle abgedämpft und Volatilitäten nach unten gedrückt. Mit der langsamen Normalisierung der Wirtschaftspolitik wird die Weltwirtschaft erneut versuchen, auf eigenen Beinen zu stehen. Sollte der Motor der Weltwirtschaft wie geplant anspringen, könnten die während der Pandemie entstandenen regionalen Divergenzen neue Investitionsmöglichkeiten eröffnen.

Die Märkte arbeiten derzeit mit der Annahme, dass die Stimulusmaßnahmen der Regierungen und Notenbanken ausgereicht haben, um einen Teil der negativen Folgeeffekte zu minimieren und stärkere Wachstumsraten einzuleiten. Jegliche Abweichungen von dieser Annahme, sei es durch Mängel in der Verteilung des Impfstoffs oder einer Abkühlung der Weltwirtschaftserholung, würden sich in den neuen Prognosen niederschlagen und den Optimismus dämpfen. Das Szenario der souveränen Erholung der Weltwirtschaft und Kapitalverlagerung in die Peripherie spiegelt zwar den Marktkonsens wider, ist jedoch an viele Nebenbedingungen geknüpft.

Währungsüberblick

EUR Die europäische Gemeinschaftswährung beginnt das Jahr 2021 über der $1,22-Marke. Der Optimismus an den Märkten über die erste Verteilung der Impfstoffe und die anhaltend lockere Geldpolitik hat ein risikofreudiges Umfeld geschaffen, welches den US-Dollar auf ein 32-Monats-Tief gedrückt hat. An den Währungsmärkten werden vor somit allem die Globalisierungs-, Inflations- und Dollarfrage in den Vordergrund rücken. Das größte Potenzial, die Volatilität im nächsten Jahr erheblich zu beeinflussen, besitzen die Vereinigten Staaten. Eine Fortsetzung der protektionistischen Handelspolitik, ein unerwartet starker Dollar oder ein rasanter Anstieg der Inflation oder Staatsanleihenrenditen würde die reibungslose Kapitalrotation sicherlich in Frage stellen.

CHF – Mit der Veröffentlichung der Zahlen für das Dritte Quartal seitens der Schweizerischen Notenbank kann ein erstes Jahresfazit gezogen werden. Die Interventionen der Währungshüter haben in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres (100 Milliarden Franken) das höchste Niveau seit 2012 erreicht. Obwohl das Land offiziell von dem US-Finanzministerium als Währungsmanipulator klassifiziert wurde, wird es laut dem Notenbankpräsidenten Thomas Jordan keinen geldpolitischen Kurswechsel geben.

CNH Die Beziehung zwischen China und der globalen Konjunktur wird die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im neuen Jahr in den Vordergrund rücken lassen. Die Korrelation zwischen dem chinesischen Kreditimpuls (Kombination zwischen der Kreditvergabe und der Lockerheit der Geldpolitik) und risikoreichen Anlagen im Allgemeinen macht das Land unumgänglich für die Analyse der Schwellenländerwährungen. Der seit März 2017 anhaltende EUR/CNH-Aufwärtstrendkanal, derzeit zwischen 7,64 und 8,36 zu finden, bleibt weiterhin intakt.

EM – Die Annahmen des starken Wirtschaftswachstums und der überdurchschnittlichen Entwicklung risikoreicherer Währungen wird sich im ersten Halbjahr sicherlich unter Beweis stellen müssen. Die meisten Leitindikatoren zeigen trotz diverser Gegenwinde (Höhere Schuldenstände und ein möglicher Anstieg der Insolvenzfälle) weiterhin nach oben, insbesondere da die Risiken eine längerfristige Natur aufweisen und womöglich erst in späteren Quartalen zum Tragen kommen könnten. Nationen mit unterbewerteten Währungen und relativ niedrigen Schuldenquoten könnten am stärksten von einem globalen Konjunkturaufschwung profitieren. Rohstoffabhängige Währungen wie der russische Rubel, der brasilianische Real, der kanadische Dollar und der mexikanische Peso werden wegen ihres prozyklischen Charakters ebenfalls stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängen.

Globale Risikoereignisse des Tages

  • HU, PL, CZ, DE, EZ, US: Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe (09:00 – 15:45)


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