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Dez 11, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EZB-Stimulus mindestens bis 2022

DAILY

Globale Marktzusammenfassung

Zum ersten Mal in der Wirtschaftsgeschichte Spaniens ist die zehnjährige Staatsanleihenrendite unter die Nullgrenze gefallen. In Verbindung mit der jüngsten Anleihen-Auktion in Australien, im Rahmen welcher sich Investoren ebenfalls mit einem negativen Zins zufriedengeben mussten, scheinen renditereiche Anleihen immer seltener zu werden. Weltweit werfen Anleihen im Wert von 18 Billionen US-Dollar bereit eine negative Rendite ab, ein Allzeithoch. Aufgrund der lockeren Geldpolitik der globalen Währungshüter scheint jedoch weiterhin eine Nachfrage nach Niedrigzinsanleihen zu bestehen, insbesondere da sich Marktteilnehmer keine rasante Rückkehr von Zinsstraffungen erwarten.

In einem erneuten Versuch sich den Abkühlungserscheinungen entgegenzustellen und die Wirtschaftserholung auf den Beinen zu halten hat sich die europäische Notenbank dazu entschieden, das bereits bestehende Anleihenkaufprogramm zu erweitern. Das Pandemieprogramm soll um 500 Milliarden Euro auf insgesamt 1,85 Billionen Euro erhöht werden. Auf eine erneute Zinssenkung wollten sich die Währungshüter wie erwartet nicht einlassen. Das im Rahmen der Krisenbekämpfung neu eingesetzte Stimuluspaket wurde ebenfalls bis März 2022 verlängert, um dem Impfstoff die Zeit zu geben, in der Öffentlichkeit anzukommen. Für den jüngsten Fall der Teuerungsraten in den deflationären Bereich macht die EZB-Präsidentin Christine Lagarde neben der Wirtschaftsabkühlung auch den starken Euro verantwortlich.

Die Aufwertung des Währungspaares EUR/USD auf ein mehr als zweijähriges Hoch halten die Zentralbanker im Auge. Allzu viel Spielraum für Interventionen bleibt der EZB jedoch nicht. Insbesondere wenn man sich die Tatsache vor Augen hält, dass die jüngste Aufwertung größtenteils von einer Dollar-Schwäche getrieben wurde und nicht von einer inhärenten Stärke der Gemeinschaftswährung. Nichtsdestotrotz muss das Währungspaar, in Verbindung mit ökonomischen Leitindikatoren und der Inflation, in den nächsten Monaten beobachtet werden. In der Zwischenzeit stagnierte die Inflationsrate (November) auf einer jährlichen Wachstumsrate von 1,2 Prozent, unverändert zum Vormonat.

Währungsüberblick

EUR – Die Ausweitung der Anleihenkäufe seitens der Europäischen Notenbank blieb den Erwartungen gerecht und sorgte an den Währungsmärkten somit für kaum Aufsehen. Diese Tatsache lässt sich an der Gemeinschaftswährung erkennen, welche sich im Laufe des gestrigen Handelstages sogar nochmals festigen konnte. Die EZB wird weiteren Aufwertungen fürs Erste nicht im Weg stehen und somit fällt die Aufmerksamkeit erneut auf die realwirtschaftliche Entwicklung, welche die Wechselkursbewegungen dominieren wird.

CHF – Es sieht wohl so aus, als würde die Schweiz alle Kriterien erfüllen, um erneut auf die Liste der Währungsmanipulatoren des US-amerikanischen Finanzministeriums gesetzt zu werden. Massive Interventionen seitens der Schweizer Notenbank mit dem Ziel die Aufwärtstendenzen des Franken unter Kontrolle zu halten, könnten nun negative politische Implikationen mit sich ziehen. Notenbankpräsident Thomas Jordan könnte sich auf das Preisstabilitätsmandat berufen, um die Währungseingriffe zu begründen. An der derzeitigen lockeren Geldpolitik in der Schweiz sollte die Entscheidung der US-Behörden jedoch nichts ändern.

GBP – Eine verbale Vorbereitung auf ein No-Deal Brexit seitens des britischen Premierministers ließ erneut die Bären aus den Höhlen kriechen und verpasste dem Pfund Sterling den größten täglichen Rücksetzer seit Mitte September. Das geschäftliche Mittagessen zwischen Boris Johnson und Ursula von der Leyen ging somit enttäuschend aus. Nun soll bis Ende des Wochenendes eine Entscheidung fallen. Es steht viel auf dem Spiel. Laut dem Präsidenten der britischen Notenbank könnte ein No-Deal Brexit nachhaltig mehr Schaden anrichten, als die Coronakrise.

CEE – Nach einigen über die letzten Wochen geführten Debatten scheint sich im Streit um das EU-Haushalt zwischen Brüssel und dem Polen-Ungarn-Block nun eine Lösung anzubahnen. Beide Länder hatten bei dem letzten regulären EU-Gipfel des Jahren ein Veto gegen das vorgeschlagene Finanzpaket – aufgrund der Knüpfung der Hilfen auf einen Rechtsstaatsmechanismus – eingelegt. Nun scheinen sich die Meinungsverschiedenheiten aufgrund einer Kompromissklausel doch noch zu legen. Die zentraleuropäischen Währungen nehmen die relativ positiven Nachrichten dankend an. Der polnische Zloty und der ungarische Forint werden jeweils den dritten Tag infolge auf. Sollte EUR/HUF die Unterstützung bei 353,90 unterlaufen, könnte Potenzial für Bewegungen bis 351,30 entstehen.

Globale Risikoereignisse des Tages

  • DE: Inflation (08:00)
  • US: Verbrauchervertrauen (16:00)
  • RU: Bruttoinlandsprodukt (17:00)


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