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Wöchentliche Marktberichte

Nov 30, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Optimisten (Börsen) vs. Pessimisten (Anleihen)

DAILY

Globale Marktzusammenfassung

Im weltweiten Finanzgeschehen ist die Entwicklung einer Anlage oder Währung stets ein zweischneidiges Schwert, ein Kampf der Bären gegen die Bullen. Mit dieser Analogie kann unter normalen Bedingungen meisten das Sentiment an den Börsen beschrieben werden. Wird eine Expansion der Weltwirtschaft und des globalen Handels erwartet, trauen sich Unternehmer an neue Projekte und internationale Investoren bilden diesen Optimismus in die eigenen Portfolios ein, in dem sie sich Risiken überproportional aussetzen. Diese finanzielle Kapitalverlagerung, im Rahmen welcher Investoren von sicheren in riskantere und renditereichere Anlagen rotieren treibt eben genau diese „prozyklischen“ Anlagen (Aktien, Öl, Kupfer, Schwellenländerwährungen) nach oben. In einem zweiten Schritt fällt jedoch automatisch die Nachfrage nach sicheren Anlagen (Staatsanleihen und Gold) und sicheren Währungen (japanischen Yen und dem US-Dollar).

Genau diese Dynamik dominiert seit den ersten Lockerungen der Sperrmaßnahmen im dritten Quartal und den Nachrichten bezüglich der Impfstoffentwicklung die Märkte. Obwohl der erneute Infektionsanstieg in Europa und die Abkühlung der wirtschaftlichen Leitindikatoren ein kurzfristig negatives Bild skizzieren, blicken Investoren über die Unsicherheiten hinweg. Die Euphorie über die langsame aber durch die Impfstoffe beinahe garantierte Rückkehr zur Normalität macht Investoren Hoffnung. Dieser Optimismus, in Verbindung mit den Hilfsmaßnahmen der Regierungen und Notenbanken, hat Schwellenländerwährungen, globale Börsenindizes, Kupfer und Inflationserwartungen in die Höhe schießen lassen. Auch die impliziten Volatilitäten sind am Sinken und haben an den europäischen und US-amerikanischen Börsen das niedrigste Niveau seit März erreicht.

Eine Anomalie bleibt jedoch bestehen, welche den „Reflation trade“ – Kapitalrotation von sicheren in risikoreiche Anlagen und die Wette auf zukünftige Inflation – von vorherigen Krisen unterscheiden. Obwohl die Erwartungen eines starken Wirtschaftswachstums im nächsten Jahr die Inflationserwartungen anheben konnten, bleiben die Staatsanleihenrenditen nicht weit von den Tiefen im zweiten Quartal entfernt. Die Renditen haben somit nur schwach auf die Verbesserung der Weltkonjunktur reagiert. Sind Anleihenhändler einfach pessimistischer eingestellt die Finanzmärkte im Allgemeinen oder dominiert die lockere Geldpolitik der Notenbanken immer noch die Rentenmärkte? Diese Frage könnte in den nächsten Wochen eine Antwort bei den Zinsentscheidungen der europäischen- und US-amerikanischen Notenbank am 10. und 16. Dezember finden. Marktteilnehmer erwarten sich von beiden Notenbanken eine Ausweitung der Staatsanleihenkäufe, was ein Grund für die verhaltene Bewegungen der Renditen sein könnte. Fürs Erste bleibt der Reflationsgedanke bestehen und die dominante Macht an den Märkten.

Währungsüberblick

EUR – Das am Freitag von der Europäischen Kommission veröffentlichte Verbrauchervertrauen fällt von 91,1 auf 87,6 und spiegelt somit die Sorgen um die zweite Infektionswelle am Kontinent wider. Der vergangenheitsorientierte Indikator wurde von den Märkten jedoch kaum beachtet, da die jüngsten Sperrmaßnahmen erste Früchte zu tragen scheinen. Nach der vierten täglichen Aufwertung infolge stellt sich nun die Frage, ob der Euro stark genug sein wird, um das Niveau um EUR/USD 1,20 zu durchbrechen, oder ob Rücksetzer auf die Unterstützungsniveau um 1,1930 und 1,1860 folgen könnten.

USD – Der handelsgewichtete US-Dollar-Index ist am Freitag auf ein neues 30-Monats-Tief gefallen. Die Märkte scheinen den Anklagen des amtierenden Präsidenten Donald Trump noch keine große Beachtung zu schenken und somit profitieren prozyklische Anlagen auch weiterhin von den Impfstoffnachrichten. Die Höhepunkte der Woche finden alle in den USA statt. Neben der Rede des Präsidenten der Federal Reserve steht der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag an der Wochenordnung.

CHF – Die Verbesserung der wirtschaftlichen Datenlage und der Leitindikatoren hat kaum eine Reaktion bei den Renditen ausgelöst. Angesichts der Korrelation mit dem Franken konnte EUR/CHF somit noch nicht erheblich von der Euphorie an den Märkten profitieren. Investoren scheinen optimistisch bezüglich des zukünftigen Wirtschaftsausblicks. Franken-Händler sind von dieser Tatsache noch nicht ganz so überzeugt.

CNH – Nach einem sehr robusten November gibt der chinesische Renminbi zu Monatsende ein wenig nach. EUR/CNH kann sich am Freitag die fünfte Aufwertung infolge sichern und festigt sich auf ein 1-Monats-Hoch.

Globale Risikoereignisse des Tages

  • EZ: Videokonferenz der Eurogruppe (09:00)
  • PL: Bruttoinlandsprodukt (10:00) – Zinsentscheidung am Mittwoch!
  • EZ: Christine Lagarde spricht (11:00)
  • DE: Inflation (14:00) – Arbeitsmarktbericht am Freitag!


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