Wöchentliche Marktberichte

Nov 13, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Relativierung der dieswöchigen Euphorie

DAILY

Globale Marktzusammenfassung

Risikoreiche Währungen und Anlagen, welche von der Kapitalrotation aus sicheren Häfen profitieren konnten, gehen in dieser Woche als klare Sieger vom Platz. Die am Montag durch das vorzeitige Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl und die positive Impfstoff-Entwicklung entfachte Rally wird den europäischen Börsen voraussichtlich den zweiten wöchentlichen Zuwachs sichern können. Trotz der saftigen Gewinne und Gewinnmitnahmen scheinen Investoren jedoch kaum mit rosaroten Brillen durch die Welt zu laufen. Nach dem Verblassen der ersten Euphorie am Dienstag konnten sich die Märkte wieder fangen, was größtenteils schwächere Bewegungen an den Folgetagen mit sich brachte. Gestern notierten die Börsen in den meisten entwickelten Ländern sogar niedriger zum Vortag.

Das risikofreudige Verhalten, welches risikoreichen Anlagen in die Karten gespielt hat, bleibt zwar bestehen. Kurzfristig scheinen sich die Marktteilnehmer jedoch sehr wohl über die Unsicherheiten in Bezug auf die fortlaufend steigenden Infektionsraten und den bevorstehenden Winter bewusst zu sein. Und falls nicht bleibt da noch der Präsident der US-amerikanischen Notenbank. Jerome Powell scheint sich in dieser Woche die Aufgabe auferlegt zu haben, Investoren und Marktteilnehmer die bevorstehenden Unsicherheiten ins Gedächtnis zu rufen. Laut dem Notenbanker könnten die nächsten Monate für die Wirtschaft und die Märkte eine Herausforderung darstellen. In der Zwischenzeit untermauerte Christine Lagarde  in der Eurozone die Nachricht vom US-amerikanischen Kollegen, während der britische Zentralbankpräsident den Rausch der letzten Tage relativiert. Folgt man den jüngsten Meldungen der Währungshüter, scheint sich eine klare Kernbotschaft herauskristallisiert zu haben. Die Währungshüter rufen meist implizit – und vereinzelt explizit – zu neuen fiskalpolitischen Maßnahmen auf.

Die strategische Patt-Position zwischen den Demokraten und Republikanern in Washington könnte sich für die Märkte somit als problematisch erweisen. Der längerfristige Hoffnungsträger bleibt der Impfstoff. Kurzfristig dominiert jedoch die Angst, dass es in den nächsten Monaten zu keinen neuen Fiskalpaketen kommen könnte. Vor diesem Hintergrund ergibt sich eine Diskrepanz zwischen dem kurzen- und langen Zeithorizont. Nur wenige Marktteilnehmer sind bereit, ihre (langfristige) bullische / optimistische Prognose für das nächste Jahr zu verwerfen. Kurzfristig bleibt jedoch Raum für Neupositionierungen.

Währungsüberblick

EUR – Die Gemeinschaftswährung kann sich marginal zum Vortag festigen und schwankt nun um den Bereich EUR/USD 1,18. Das Niveau könnte sich kurzfristig als psychologisches Niveau herausstellen, da es die Mitte der derzeitigen Bewegungsspanne zwischen 1,16 und 1,20 darstellt.

USD – Die angedeutete Kapitalrotation in Richtung Schwellenländer – größtenteils FX-Asien und erstaunlicherweise auch FX-CEE – scheint weiterhin das Leitthema an den Märkten zu sein. Die Unsicherheiten bezüglich des Infektionsanstiegs in diversen Teilen der Welt könnten dem Dollar jedoch als eine Art Schutzschild gegen größere Rücksetzer dienen.

GBP – Die britische Ökonomie ist zwischen August und September um nur 1,1 Prozent gewachsen. Der schwächer als erwartete Datenpunkt deutet darauf hin, dass die Wirtschaft die Folgen des erneuten Infektionsanstiegs und der Sperrmaßnahmen zu spüren bekommt.  Währungshändler und Investoren zeigen sich enttäuscht und lassen EUR/GBP die größte Aufwertung seit dem 10. September verzeichnen. Im weiteren Verlauf könnte sich das Niveau um 0,90 als signifikant erweisen.

CNH – Ohne neue ökonomische Daten hat der Yuan gestern geringfügig abgewertet, ohne den derzeitigen Aufwärtstrend gegenüber dem Euro in Gefahr zu bringen. Sollte das Thema der „überdurchschnittlichen Wirtschaftserholung Chinas“ weiter Fahrt aufnehmen, bleibt sicherlich noch Spielraum für weitere Aufwärtsbewegungen. Insbesondere da der Yuan von einer Renditeperspektive seit dem rasanten Fall der Inflation eine der attraktivsten Währungen unter den Schwellenländern darstelle.

CEE – Alle drei zentraleuropäischen Währungen konnten das Momentum der vergangenen Tage in souveräne Aufwertungen gegenüber dem Euro verwandeln. Abschließen blicken Investoren heute auf die Veröffentlichung der Bruttoinlandsprodukte für Ungarn und Polen für das dritte Quartal.

Globale Risikoereignisse des Tages

  • HU: Bruttoinlandsprodukt (09:00)
  • PL: Bruttoinlandsprodukt (10:00)
  • EZ: Bruttoinlandsprodukt (11:00)
  • US: Michigan Verbrauchervertrauen (16:00)


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