Wöchentliche Marktberichte

Nov 10, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Märkte im Höhenflug

DAILY

Globale Marktzusammenfassung

Den gestrigen Bewegungen an den Finanzmärkten zufolge scheinen internationale Investoren einen starken Optimismus zu verspüren, welcher sich durch steigende Börsenbewertungen und aufwertete Schwellenländerwährungen Ausdruck verschafft. Die jüngste Kapitalverlagerung von sicheren in risikoreiche Anlagen und Währungen kommt jedoch vor dem Hintergrund weiterhin steigender Infektionsraten und Rufen einer erneuten Restriktion des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens. Die Fähigkeit der Marktteilnehmer, über diese beiden Tatsachen hinwegzusehen, kann durch vier leitende Faktoren erklärt werden.

  1. Politische Akteure und internationale Investoren außerhalb der Vereinigten Staaten begrüßen Joe Biden an der globalen Bühne mit offenen Armen. Die erwartete Stabilisierung des geopolitisches Umfelds sehen die Märkte als eine willkommene Abwechslung gegenüber der turbulenten Periode der vergangenen Jahre, welche durch diverse handelspolitische Streitigkeiten geprägt war.
  2. In der Zwischenzeit bejubelten die Märkte die gestern von Pfizer und Biontech veröffentlichten Teststudien bezüglich ihres Coronavirus-Impfstoffs. Laut den Berichten der beiden Biotechunternehmen soll ein Durchbruch in der Forschung gelungen sein, der einen 90-prozentigen Schutz vor dem Virus bieten könnte. Noch in diesem Monat soll eine Notfallgenehmigung in den Vereinigten Staaten angemeldet werden, welche den Prozess um einiges beschleunigen würde. Die Nachrichten wurden deshalb so positiv von den Märkten wahrgenommen, da keine schweren Nebenwirkungen im Testdurchlauf mit mehr als 43 Tausend Menschen registriert wurden. Obwohl die Schlagzeilen die kurzfristigen Sorgen über die Entwicklung des Coronavirus im Winter nicht entfernen werden, scheinen die Prognosen für das nächste Jahr, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte, nun deutlichen Spielraum für Revisionen nach oben zu bieten.
  3. Die Aussichten auf einen demokratischen Präsidenten, welcher durch einen republikanisch dominierten Senat in Zaun gehalten wird, scheint den Märkten zu gefallen. Mit dieser Konstellation erhalten sie nämlich zwei positive Faktoren. Zum einen scheint sich Wahrscheinlichkeit drastischer Steuererhöhungen – welche von dem Senat bestätigt werden müssen – deutlich gesunken zu sein.
  4. Zum anderen muss die zweite Infektionswelle und die damit verbundenen Einkommensverluste auf privater und staatlicher Ebene durch irgendeine Quelle kompensiert werden. Hier tritt die US-amerikanische Notenbank ins Spiel. Aufgrund der Erwartungen eines schwächeren Fiskalpakets könnte sich die Federal Reserve zu weiteren geldpolitischen Maßnahmen gezwungen sehen. Eine Tatsache, welche die globale Risikobereitschaft am Leben halten würde.

Währungsüberblick

EUR – Die europäische Gemeinschaftswährung war am gestrigen Handelstag ein Außenseiter am Währungsmarkt. Die meisten Valuten haben die Schwäche des US-Dollars genützt, um sich zu festigen. Aufgrund der sprunghaft gestiegenen Rendite US-amerikanischer Staatsanleihen flossen einige Investoren jedoch zurück vom Euro in den Dollar. Eine Tatsache, die bei anderen USD-Paaren nicht ersichtlich war. EUR/USD notiert knapp 0,5% schwächer zum Vortag.

USD – Die globale Leitwährung dominiert auch weiterhin das Geschehen an den Währungsmärkten. Die breit angelegte Schwäche des US-Dollars im europäischen Handel hat risikoreicheren Valuten in Schwellenländern den Spielraum für Aufwertungen geboten. Dass der handelsgewichtete Dollar-Index auf den Tag gesehen trotzdem höher notiert, kann durch die überproportionale Gewichtung des Währungspaares EUR/USD erklärt werden, welches im späten Handel doch noch in den negativen Bereich schwingt.

CHF – Der Schweizer Franke hatte nur marginal auf den proklamierten Sieg des Demokraten Joe Biden reagiert. Im Laufe der gestrigen Impfstoff-Ankündigung verzeichnet die Währung jedoch die größte Abwertung gegenüber dem Euro seit Ende Mai. EUR/CHF ist in den nächsten Tagen im Auge zu halten, zumal beurteilt werden muss, ob das Währungspaar den Ausbruch aus dem Abwärtstrend bestätigen kann.

CNH – Der Yuan kann sich gegenüber dem US-Dollar auf ein neues 28-Monats-Hoch festigen. Die chinesische Währung kann von einer starken heimischen Wirtschaftserholung profitieren. Und auch wenn der amerikanisch-chinesische Handelskrieg auch in der Biden-Administration nicht zum Stillstand kommen wird, scheint die sanftere Diplomatie des Demokraten Hoffnungen auf eine bessere Beziehung der beiden Nationen zu wecken. Diese Erwartung wird derzeit bei den CNH-Paaren eingepreist.

CEE – Vor den US-Wahlen waren Analysten und Ökonomen bei der Frage gespalten, ob sich eine Biden-Präsidentschaft negativ auf den russischen Rubel auswirken würde. Kurzfristig entscheiden sich Investoren und Währungshändler vor dem Hintergrund der positiven Impfstoff-Entwicklung jedoch dazu, die politischen Fragen beiseitezulegen. Der Rubel kann sich im Rahmen der Kapitalverlagerung hin zu Schwellenländerwährungen erheblich festigen. EUR/PLN und EUR/CZK unterlaufen sogar die mehrmonatigen Aufwärtstrendlinien, während EUR/RUB nur knapp über dem psychologischen Niveau 90,00 notiert.

Globale Risikoereignisse des Tages

  • PL: Inflation (09:00)
  • HU: Inflation (09:00)
  • DE: ZEW Konjunkturerwartungen (11:00)


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