Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Okt 29, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Lockdown-Überlegungen lassen die Börsen einbrechen

DAILY

Globale Marktzusammenfassung

In einem Versuch, die steigenden Corona-Infektionszahlen einzudämmen, wird in Deutschland das öffentliche Leben wieder heruntergefahren. Im Rahmen des „Lockdown-Light“ sollen ab dem 02. November Restaurants geschlossen und Veranstaltungen und Hotelübernachtungen verboten werden. Schulen bleiben auch weiterhin geöffnet. Auch Frankreich bewegt sich in den zweiten Lockdown und verhängt die strengsten Auflagen seit der ersten Welle im April.

Die Annahme der Märkte, dass die derzeitige und zukünftige Infektionswellen durch gezielte und regionale Sperrmaßnahmen bekämpft werden können, scheint sich somit in Luft aufzulösen. Dies stellt Investoren und Marktteilnehmer vor neue Herausforderungen, zumal die meisten Banken- und Unternehmensprognosen eine stetige Verbesserung der wirtschaftlichen und gesundheitlichen Bedingungen als Grundlage hatten. Die rasante Erholung der zyklischen Faktoren (Inflationserwartungen, Rohstoffpreise, risikoreichere Unternehmensanleihen) hat einen klaren Optimismus bezüglich des Wirtschaftsausblicks seitens der Märkte widergespiegelt. Nun wird die Realität, dass uns das Coronavirus auch ins nächste Jahr begleiten könnte, zunehmend in diverse Anlageklassen eingepreist.

Der Volatilitätsindex für den US-amerikanischen Aktienmarkt (VIX) steigt den dritten Tag infolge auf das höchste Niveau seit Juni, während 40 der 45 europäischen Aktienleitindizes schwächer aus dem Handel gehen. Der deutsche DAX verliert am gestrigen Handelstag sogar knapp 4,5 Prozent seines Wertes und fällt im Rahmen des Rücksetzers auf ein 5-Monats-Tief.

Währungsüberblick

EUR – Der Infektionsanstieg am europäischen Kontinent und die angekündigten Sperrmaßnahmen stellen die Notenbank vor erhebliche Herausforderungen. Befürworter einer weiteren Expansion der europäischen Geldpolitik weisen auf die derzeitige Deflation und fordern zumindest eine Ausweitung des Staatsanleihenkaufprogramms der EZB. Laut dem Marktkonsensus scheinen Ökonomen und Analysten jedoch davon auszugehen, dass dieses Szenario erst bei der Zinsentscheidung im Dezember in die Tat umgesetzt werden wird. Nach drei täglichen Abwertungen steht EUR/USD vor dem ersten wichtigen Unterstützungsniveau. Ein Bruch der seit Mai anhaltenden Aufwärtstrendlinie bei 1,1720/1,1700 könnte die Gemeinschaftswährung in Bedrängnis bringen.

USD – Die jüngste Verschärfung der Coronakrise scheint sich an den Währungs- und Optionsmärkten Ausdruck in einer höheren Volatilität zu verschaffen. Die einmonatige implizite Volatilität bei EUR/USD ist seit dem Tief am 18. September um mehr als 40 Prozent gestiegen und befindet sich nun auf dem höchsten Niveau seit April. Die Nachfrage nach Absicherungen (Optionen) hat sich bei den Währungspaaren EUR/USD und EUR/JPY in einem Tag beinahe verdoppelt. Neben der Wahlunsicherheit scheint nun auch die Möglichkeit eines erneuten Lockdown in Europa die Anspannungen anzutreiben.

GBP – Obwohl es bei den Brexit-Gesprächen keine größeren Durchbrüche gab, scheint die allgemeine Richtung der Verhandlungen eine positive Tendenz aufzuweisen. Insbesondere in den vergangenen Tagen scheinen sich einige Meinungsverschiedenheiten aufgelöst haben, was dem Pfund zumindest gestern leichten Schutz vor dem „Risk-off“ Sentiment bot. Solange sich EUR/GBP innerhalb der Spanne zwischen 0,90 und 0,91 befindet, bleibt die Tendenz des Währungspaares neutral.

CHF – Sichere Valuten wie der US-Dollar, japanische Yen und Schweizer Franken genossen eine erhöhte Nachfrage, während Schwellenländerwährungen deutlich abwerteten. Im Zentrum der Verluste standen die norwegische Krone (-1,49%), russische Rubel (-1,35%) und die schwedische Krone (-1,12%). EUR/CHF findet vorerst bei 1,0670 eine verstärkte Nachfrage, welche das Währungspaar vor einem Unterlaufen des täglichen gleitenden Durchschnitts rettet.

CNH – Die chinesische Notenbank hat dem eigenen Finanzsystem gestern mittels der siebentägigen Reverse-Repo-Rate (2,2%) knapp 120 Milliarden Yuan zugeführt.  EUR/CNH folgt dem Währungspaar EUR/USD nach unten und wertet zum ersten Mal in acht Tagen ab. Bei weiteren Verlusten vor dem Wochenende ist auf die seit Februar anhaltende Aufwärtstrendlinie bei 7,8450 zu achten.

CEE – Die russische Vize-Ministerpräsidentin schlug gestern einen pessimistischen Ton an und äußerte sich kritisch über die gesundheitliche Lage des Landes. Laut Tatiana Golikova wäre die Kapazität der Krankenhausbetten zu 90 Prozent ausgelastet. Der Engpass scheint in 16 russischen Regionen zu bestehen und könnte mit einer schwierigeren Krisenbekämpfung begleitet werden. In der Zwischenzeit nehmen die Währungsabwertungen in Zentraleuropa Fahrt auf. EUR/PLN durchbricht im zweiten Versuch die Barriere 4,60 und notiert nun erneut auf einem 11-Jahres-Hoch. EUR/HUF könnte ebenfalls ein Allzeittief finden, sollte sich das Währungspaar noch 0,40 Prozent festigen.

Globale Risikoereignisse des Tages

  • JP: Zinsentscheidung (04:00) !
  • EZ: Videokonferenz des Europäischen Rats (09:00)
  • DE: Arbeitslosenquote (09:55)
  • EZ: Verbrauchersentiment (11:00)
  • US: Bruttoinlandsprodukt (13:30) !
  • EZ: Zinsentscheidung (13:45) !
  • EZ: Pressekonferenz (14:30)


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.