Wöchentliche Marktberichte

Okt 05, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

America First – Die Staaten bleiben im Fokus

Intro

Die globale Konjunktur geht in das letzte Quartal eines der schwächsten Jahre der jüngsten Wirtschaftsgeschichte. Trotz der politischen Schlagzeilen der vergangenen Woche bezüglich der kontroversen TV-Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden, des positiven Corona-Tests beim amtierenden US-Präsidenten und dem schwächer als erwarteten US-Arbeitsmarktbericht blieben die Märkte ruhiger als man vermutet hätte. Trotzdem ist ein erneuter Anstieg der impliziten Volatilitäten in diversen Anlageklassen zu erkennen.

Aufgrund der Veröffentlichung der Protokolle der letzten US-amerikanischen Zinsentscheidung am Mittwoch und der Debatte der US-Vize-Präsidenten (Mike Pence vs. Kamala Harris) am Freitag bleiben die Märkte „Amerika-zentrisch“ ausgerichtet. Trotzdem bleibt es auch auf anderen Kontinenten spannend. In Europa steht heute die Videokonferenz der Eurogruppe an, während am Donnerstag die Protokolle der letzten EZB-Zinsentscheidung veröffentlicht werden. Einen Tag später tagt die polnische Notenbank. An der wirtschaftlichen Front machen die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor für Deutschland, Frankreich, die Eurozone und die Vereinigten Staaten den heutigen Anfang.

In China hat in der Zwischenzeit am Donnerstag die goldene Woche begonnen. In der bis Mittwoch anhaltenden Feier, welche die Gründung der Volksrepublik ehrt, könnten laut dem chinesischen Ministerium für Kultur und Tourismus mehr als 550 Millionen Reisen im eigenen Land stattfinden. Die Märkte bleiben in der Zeit geschlossen. Im frühmorgendlichen Handel in Asien scheint die Nachricht, Donald Trump könnte frühzeitig das Krankenhaus verlassen, für leichten Optimismus gesorgt zu haben.

Risikoereignisse des Tages

  • DE: Einkaufsmanagerindex – Dienstleistungssektor (09:55)
  • EU: Videokonferenz der Eurogruppe (10:00)
  • EZ: Einkaufsmanagerindex – Dienstleistungssektor (10:00)
  • US: Einkaufsmanagerindex – Dienstleistungssektor (16:00)

EUR

Deflation als Sorge für die EZB?

Im Laufe der Krisenbekämpfung gegen die Coronakrise hat die Europäische Notenbank Staats- und Unternehmensanleihenkäufen in Milliardenhöhe erworben, um der Binnenwirtschaft auf die Beine zu helfen und Insolvenzfälle zu minimieren. Das größere Ziel der expansiven Geldpolitik liegt aufgrund des Inflationsmandats jedoch auf der Preisstabilität. Die geldpolitische Unterstützung des Staatsapparats und der Privatwirtschaft wird durch die Annahme gerechtfertigt, dass eine massive und nachhaltige Abkühlung der Nachfrage und der Konsumausgaben zu einer deflationären Spirale führen könnten.

Genau dieses Phänomen ist derzeit in der Eurozone zu spüren. Die in der vergangenen Woche veröffentlichte aggregierte Inflation für die 19 Euroländer ist im September um 0,3 Prozent gesunken. Der Preisrückgang war für einige Ökonomen die endgültige Bestätigung, dass die EZB bis Ende des Jahres noch eine Ausweitung des eigenen Anleihenkaufprogramms durchführen wird. Die zeitlich beste Gelegenheit wäre dabei die Zinsentscheidung im Dezember, im Rahmen welcher die Notenbank neue Wirtschafts- Inflations- und Zinsprognosen abgibt.

USD

Abschwächendes Jobwachstum

Die Arbeitslosenquote ist im September von 8,4 auf 7,9 Prozent gefallen. Die besser als erwartete Beschäftigung lässt sich jedoch durch die Tatsache erklären, dass weniger Menschen in den Vereinigten Staaten aktiv nach Arbeit suchen. Nach einem Stellenzuwachs von 1,5 Millionen im August werden im September „nur“ 661 Tausend neue Arbeitsplätze geschaffen. In der Zwischenzeit ist die Zahl der permanent verlorener Jobs den siebten Monat infolge auf 3,76 Millionen gestiegen.

CEE

Kapitalabflüsse aus Schwellenländern

Internationale Investoren sind die primären Treiber der meisten stattfindenden Kapitalrotationen von sicheren in risikoreiche Anlagen. Obwohl Schwellenländer im September mit einem Nettokapitalzufluss von 2,1 Milliarden US-Dollar rechnen konnten, waren die letzten zwei Wochen des Monats durch einen Rückzug von Geldern charakterisiert. Anleger bekamen angesichts der diversen Risikofaktoren kalte Füße und entfernten sich von risikobehafteten Anlagen. Die tschechische Krone musste vor diesem Hintergrund und den heute in Kraft tretenden Sperrmaßnahmen die sechste wöchentliche Abwertung infolge verzeichnen.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.