Wöchentliche Marktberichte

Sep 14, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Neun Zinsentscheidungen und neue Prognosen

Intro

Nach einer aufregenden und mit hochkarätigen geldpolitischen und wirtschaftlichen Schlagzeilen gefüllten Woche stürzen sich Marktteilnehmer wieder ins Geschehen. Die Folgen der Vorkommnisse der vergangenen paar Tage sind jedoch auch weiterhin an den Finanzmärkten zu spüren. Im Zentrum standen die geldpolitische Neuausrichtung der US-amerikanischen Notenbank, die Kommentare der europäischen Währungshüter bezüglich der Stärke des Euro, die Machtspiele Boris Johnsons bei den Brexit-Gesprächen und der jüngste Abverkauf US-amerikanischen Technologieaktien. Trotz dieser spektakulären Woche, deren Implikationen von den Märkten verarbeitet werden, bleiben uns die Volatilität und die schlagzeilenbasierten Bewegungen an den Währungsmärkten auch in den kommenden Tagen erhalten. 

Neben der Veröffentlichung neuer Wirtschafts- und Rohstoffprognosen seitens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Internationalen Energieagentur stehen neun Zinsentscheidungen rund um den Globus an der Wochenordnung. Die größte Aufmerksamkeit werden sicherlich den geldpolitischen Treffen in Polen (DI), den Vereinigten Staaten (MI), Großbritannien (DO), Japan (DO) und Russland (FR) zugesprochen. Der Marktkonsensus verweist zwar in keinem der Nationen auf eine Änderung der Leitzinsen. Nichtsdestotrotz erwarten sich Marktteilnehmer vor dem Hintergrund der anhaltenden, aber abschwächenden Erholung der Weltkonjunktur neue Erkenntnisse und Lagebeurteilungen der Währungshüter.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 28.773.855

Weltweit bestätigte Todesfälle: 920.467

Weltweit bestätigte Genesungen: 19.466.006

EUR

EZB steht dem Euro noch nicht im Weg

Am alten Kontinent sah die EZB noch keinen unmittelbaren Handlungsbedarf in Sachen Wechselkurs. Obwohl die europäische Notenbank somit fürs Erste aus dem Katalog der Wechselkurstreiber ausscheidet, bleiben Kommentare von Zentralbankern für die langfristige Bewertung der Währung von Bedeutung. Den größten Risikofaktor stellt jedoch die derzeitige zweite Infektionswelle in Europa dar, auch wenn diese glücklicherweise noch von keinem rasanten Anstieg der Todesfälle gefolgt wurde. Auf der politischen Ebene könnten die neu entfachten Anspannungen zwischen der Eurozone und Großbritannien für eine bereichsgebundene Bewegung der Währungspaare EUR/USD und EUR/CHF sorgen.

In der Zwischenzeit deutet die Datenlage auf einen positiven Auftakt der europäischen Binnenwirtschaft in das dritte Quartal, trotz erster Anzeichen einer Verlangsamung der anfänglichen Krisenerholung. Deutsche Einzelhandelsumsätze befindet sich nach dem 0,9-prozentigen Anstieg im Juli wieder auf Vorkrisenniveaus. Anmeldungen neuer Kraftfahrzeuge konnten sich bislang ebenfalls um 70 Prozent festigen, angeführt durch Wiedereröffnungen von Fabriken und staatlichen Anreizen bei dem Kauf von Elektrofahrzeugen. Die Inflation in der größten Volkswirtschaft der Eurozone bleibt mit einem Nullwachstum im August weiterhin auf Stagnationskurs.

Risikoereignisse

  • EZ: Industrieproduktion (11:0)

USD

2011-Aufwärtstrendlinie noch intakt

Die US-Notenbank wird neue Wirtschafts- und Zinsprognosen veröffentlichen und wohl ihr neues symmetrisches (Average-Inflation-Targeting) formalisieren. Angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahl im November und der Unsicherheit über den langfristigen Verlauf der Fiskalpolitik wird die Fed vorsichtiger agieren als sonst. Am Wirtschaftskalender stehen die Veröffentlichungen der Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze und des US-Verbrauchervertrauens vor der Tür. Die jüngste negative Fed-Dynamik dominiert die Bewegungen des US-Dollars. Nichtsdestotrotz konnte sich die Leitwährung nun die zweite Woche infolge nach oben kämpfen. Auf der Unterseite scheint somit die seit 2011 anhaltende Aufwärtstrendlinie bei DXY 92,00 gehalten zu haben. Ein Unterlaufen des Niveaus könnte Potenzial für Bewegungen bis 88,00 schaffen (Hoch 2010, Tief 2018).

Risikoereignisse

  • Keine Wirtschaftsveröffentlichungen

PLN

Kreditbeurteilung und Zinsentscheidung

Die vergangene Woche endete in Zentraleuropa mit der Bestätigung der polnischen Kreditwürdigkeit (A2) seitens der Rating-Agentur Moody's. Noch sehen die Analysten der Institution limitierte Implikationen der Krisenbekämpfungsmaßnahmen auf die Stabilität des Landes. Die nächste Neubeurteilung findet in zwei Wochen am 25. September statt, gefolgt von dem Review der Agentur S&P am 02. Oktober. An der geldpolitischen Front erwarten sich Marktteilnehmer keinen Kurswechsel bei der morgigen Zinsentscheidung in Polen. Interessant wird sein, wie sich die Notenbank zu den jüngsten Bewegungen des Zloty äußern wird. Zuletzt sind die Währungshüter mit dem polnischen Finanzminister in einen verbalen Konflikt geraten. Die Regierung scheint eine stärkere Währung deutlich mehr zu bevorzugen, als die Notenbank. EUR/PLN konnte sich bei 4,37 eine solide Unterstützung erkämpfen und durchbrach zu Beginn des Monats den seit  März anhaltenden Abwärtstrend. Nun könnte sich das Währungspaar eine bereichsgebundene Spanne zwischen 4,37 und 4,50 definieren.

Risikoereignisse

  • CEE: Keine Wirtschaftsveröffentlichungen


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