Wöchentliche Marktberichte

Sep 11, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EZB ohne Worte gegen den Euro

INTRO

Der Ausgang der gestrigen EZB-Ratssitzung dürfte einigen Marktteilnehmern und Analysten nicht ins Konzept gepasst haben. Das lassen zumindest die Reaktion des Euro im Verhältnis zum US-Dollar sowie verschiedene Kommentare vermuten. Dabei hatte die EZB erwartungsgemäß keine geldpolitischen Entscheidungen getroffen – das Anleihekaufprogramm PEPP bleibt unverändert bei 1,35 Billionen, die „regulären „Anleihekäufe“ bei monatlich 20 Mrd. Euro, und die Leitzinsen wurden ebenfalls nicht angerührt.

Was die gestern ebenfalls fälligen Wachstumsprojektionen angeht, ist der Ausblick der EZB-Entscheider nicht mehr ganz so pessimistisch wie im Juni: Man erwartet für dieses Jahr nur noch eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone um 8 Prozent (Juni: 8,7 Prozent)

Und so konzentrierte sich das Interesse der Akteure vornehmlich darauf, wie die EZB mit dem rund 10-prozentigen Anstieg des Euro seit Mitte Mai umgehen würde. Vor allem, nachdem EZB-Chefvolkswirt Philipp Lane erst vor einigen Tagen betont hatte, dass die Entwicklung der Währung [des Euro] für die EZB wichtig sei, obgleich die Zentralbank kein bestimmtes Wechselkursziel anpeile. Zwar betonte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass der Anstieg des Euro und sein negativer Einfluss auf den Preisauftrieb in der Eurozone eingehend diskutiert worden seien. Indes: Lagarde betonte, es gebe keinen Grund für Überreaktionen auf den Euro-Anstieg. Auch machte sie keine Anstalten, den Euro herunter zu reden. Andererseits äußerte sie sich auch nicht dazu, ob dessen Anstieg als gerechtfertigt zu bezeichnen sei. Kurzum: Der kurzfristige Sprung des Euro auf 1,1915 zeigt, dass die Händler offenbar mit einer stärkeren Positionierung der EZB gegen den Euro gerechnet hatten.

 

Weltweit bestätigte Coronafälle: 28.064.801

Weltweit bestätigte Todesfälle: 908.257

Weltweit bestätigte Genesungen: 18.921.120

 

 

 

USD

Fundamental nicht ungerechtfertigt

Ein Kommentator brachte diese Enttäuschung gewissermaßen auf den Punkt, als er äußerte, die EZB habe sich nicht rechtzeitig um den Euro gekümmert. Dabei ist es nun einmal nicht das Mandat der EZB, sich primär um den Wechselkurs zu kümmern. Zumal der Anstieg der Gemeinschaftswährung während der vergangenen Monate fundamental nicht ungerechtfertigt erscheint. Was nicht in erster Linie daran liegt, dass Europa mit der Corona-Krise besser umgegangen sein mag als die USA. Vielmehr ist mit dem Wiederaufbaufonds der EU der Grundstein für eine europäische Fiskalunion gelegt worden. Und im gleichen Zuge hat sich das Vertrauen in den Euro erhöht. Paradoxerweise trägt nun ausgerechnet die Anhebung der Wachstumsprojektion der EZB für die Eurozone – und eine geforderte stärkere Kommunikation dieser Verbesserung – zu einer weiteren Stärkung dieses Vertrauens bei. Und des Euro.

Risikoereignisse des Tages

  • EUR: Konsumentenpreisindex (D, endgültig)
  • EUR: Rede von Bundesbankpräsident Weidmann

USD

Auch eine Dollar-Story

Der Anstieg des Euro ist naturgemäß nicht nur eine Euro-, sondern auch eine Dollar-Story. Vielleicht letzteres noch viel mehr. Zumal sich die Anzeichen mehren, dass das Vertrauen der Investoren, insbesondere Chinas in den US-Dollar, zuletzt nicht gerade gestiegen ist. Nicht nur wegen einer stark erhöhten US-Staatsverschuldung. Nicht zum ersten Mal haben wir erst unlängst wieder einmal zur Kenntnis nehmen können, dass China womöglich erwägt, seinen Bestand in US-Staatsanleihen zu senken – zuletzt ging es dabei um eine Größenordnung von etwas mehr als 200 Mrd. USD (vgl. Global Times).

EUR

Verbalintervention vermieden

Eigentlich hat sich Christine Lagarde gestern ganz gut aus der Affäre gezogen. Sie hat sich nicht festgelegt und Verbalinterventionen aus gutem Grund vermieden. Zumal Verbalinterventionen erfahrungsgemäß verpuffen, wenn sie nicht in absehbarer Zeit von Taten, also tatsächlichen Interventionen, gefolgt werden. Letztlich können sie Trends, gegen die sie gerichtet sind, sogar verstärken. Allerdings ist an direkte Deviseninterventionen gegen den Euro nicht im Entferntesten zu denken, zumal diese ohne die Hilfe anderer Zentralbanken in der Vergangenheit meist zum Scheitern verurteilt waren. Der EZB bleibt letztlich nichts anderes übrig, als ihre ohnehin schon lockere Geldpolitik noch einmal zu lockern, aber nicht primär wegen eines zu stark erscheinenden Euros.

Von den interessanten Wirtschaftsdaten aus den USA stand gestern die Veröffentlichung der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zum 4. September an. Und die lagen zufällig mit 884.000 neuen Anträgen exakt auf dem Niveau der Vorwoche – die Konsensprognose lag etwas niedriger bei 850.000 Erstanträgen. Anders die fortgesetzten Anträge, die mit 13,39 Millionen (für die Woche, die am 29. August endete) schon deutlich über der Medianprognose von 12,9 Millionen lag. Vieles spricht dafür, dass die Erholung am Arbeitsmarkt langsam ins Stocken gerät.

  • Trotz des gestrigen Sprungs des Euro konnte dieser interessanterweise den Auslöser für eine Beendigung der derzeitigen Korrekturphase im Aufwärtstrend bei 1,1915 nicht überwinden. Solange dies nicht der Fall ist, bleibt die Gemeinschaftswährung anfällig für erneute Korrekturen in Richtung 1,1690.

Risikoereignisse des Tages

  • USD: Konsumentenpreisindex

GBP

GBP: Ein neues Ultimatum

Die Warnung einiger Kommentatoren, dass die Risikoprämie für das britische Pfund vor allem im Verhältnis zum Euro derzeit zu niedrig sei, zeigte sich gestern an der Reaktion des Wechselkurses. Als nämlich bekannt wurde, dass nach Meinung der EU der Gesetzentwurf zur sogenannten Internal Market Bill das Vertrauen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ernsthaft beschädigt hätte, musste Sterling einen weiteren Tagesverlust von rund 1,6 Prozent gegenüber dem Euro hinnehmen. Aber nicht nur wegen des Vertrauensverlustes, sondern auch wegen der Drohung, dass Großbritannien wegen des Vertragsbruchs mit rechtlichen Schritten seitens der EU zu rechnen hätte, sofern der Gesetzentwurf nicht bis Ende September zurückgezogen worden sei. Unterdessen wurde bekannt, dass die britische Regierung über den Gesetzentwurf am 14. September im Unterhaus debattieren möchte.

  • Sterling ist damit massiv unter Druck geraten, wobei der Euro durchaus das Hoch vom März bei 0,9500 in Angriff nehmen könnte.

Risikoereignisse des Tages

  • GBP: Bruttoinlandsprodukt (ggü. Vormonat)
  • GBP: Industrieproduktion


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