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Wöchentliche Marktberichte

Sep 07, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Dollar nicht wirklich gesucht

INTRO

Auch am Freitag standen vor allem die US-Aktienmärkte erneut im Brennpunkt. Zumal es zunächst danach aussah, als ob sich die scharfe Korrektur des Vortages fortsetzen sollte. So zeitigte der breit gestreute S&P 500 Index zwischenzeitlich einen Rücksetzer,der seit Mittwoch vorübergehend immerhin rd. 6,6 Prozent betrug. Indes: Zum Wochenschluss konnte der Index wieder einiges wettmachen, so dass am Freitag nur noch ein Verlust von weniger als einem Prozent übrigblieb.

Im gleichen Zuge ist es bemerkenswert, dass der Dollar per Saldo nicht wie sonst in Zeiten allgemeiner Risikoaversion üblich davon profitieren konnte: Er wartet seit Mitte vergangener Woche gegenüber einem Korb an Währungen, gemessen am Dollar-Index, sogar mit einem kleinen Verlust auf. Tatsächlich ist es dem Greenback während der deutlichen Korrektur an den globalen Aktienmärkten noch nicht einmal zeitweise gelungen, im Rahmen seines kurzfristigen Abwärtstrends einen sehenswerten Sprung zu vollführen.

Offensichtlich ist der Dollar momentan als Fluchtwährung nicht gefragt. Mehr noch, scheinen zurzeit – und dies nicht erst seit vergangenem Freitag – jahrelang gültige Korrelationen ihre Gültigkeit zu verlieren. Vor allem hat der Dollar als Barometer für Risikoaversion bzw. Risikofreude anscheinend ausgedient. Nach gängiger Interpretation sollte er sich im ersten Fall befestigen bzw. bei steigender Risikofreude abschwächen.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 27.003.973

Weltweit bestätigte Todesfälle: 882.062

Weltweit bestätigte Genesungen: 18.056.984

 

 

USD

US-Arbeitsmarktbericht überrascht positiv

Dabei hatte es am Freitag nach Publizierung des US-Arbeitsmarktberichts des Statistikamts (BLS) zunächst danach ausgesehen, als ob die US-Valuta darauf mit einem Plus reagieren würde. Zwar entsprach der Zuwachs der Stellen im Nicht-Agrarbereich (Nonfarm Payrolls) mit einem Zuwachs von 1,371 Mio. Jobs immerhin fast der Median-Schätzung der Ökonomen. Aber im gleichen Zuge wurden somit immerhin rund 48 Prozent der Jobverluste der Monate März und April infolge der Corona-Pandemie wettgemacht!

Die eigentliche Überraschung im positiven Sinne gab es jedoch bei der Arbeitslosenquote zu vermelden, die im August gegenüber dem Vormonat um fast 2 Prozent auf 8,4 Prozent gefallen war. Ökonomen hatten im Mittel eine Quote von 9,8 Prozent prognostiziert.

EUR

Powell bestätigt neue Fed-Strategie

Stunden später relativierte Fed-Chef Jerome Powell allerdings die überraschend gute Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. So erklärte er in einem Interview, die Wirtschaft würde nach wie vor für eine lange Zeit niedrige Zinsen benötigen. Wobei Powell hinzufügte, dass der Begriff „lange Zeit“ in Jahren zu bemessen sei.

Gut möglich, dass Wall Street von diesem Statement profitierte. Der Dollar gab seine Gewinne jedenfalls kurzerhand wieder ab, wodurch der Euro seinen Rücksetzer auf temporär 1,1780 fast vollumfänglich ausgleichen konnte. Denn Jerome Powell bestätigte ein weiteres Mal, dass die Fed in Zukunft asymmetrisch an den Arbeitsmarkt herangehen und die Geldpolitik selbst bei Erreichen der maximalen Beschäftigung nur bei gleichzeitig bedrohlicher Inflation straffen wird.

Risikoereignis des Tages

  • USD: Feiertag (Labor Day)

RMB

China droht durch die Blume

Vielleicht ließen sich die Devisenhändler am Freitag aber auch durch einen Medienbericht der Global Times – die chinesische Tageszeitung gilt als Sprachrohr der Regierung – beeinflussen. Folgt man nämlich den Experten, die in diesem Blatt zitiert werden, wird China seine Bestände an US-Staatsanleihen unter normalen Umständen von derzeit mehr als 1 Billion USD schrittweise um etwas mehr als 20 Prozent auf rund 800 Mrd. USD zurückfahren. Nicht zuletzt, weil man sich bezüglich der zuletzt stark gestiegenen US-Staatsverschuldung Sorgen mache.

Natürlich könnte China im Extremfall sogar seine kompletten Bestände veräußern, sollte es etwa zu einem Militärkonflikt kommen, wird ein Experte zitiert – eine Drohung, die allerdings schon seit über einem Jahr im Raum steht. Auch wenn eine derartige Maßnahme selbst in China umstritten sein dürfte, wird zumindest eine Tendenz deutlich: Andere Staaten und Investoren könnten diesem Vorbild folgen und zumindest einen kleinen Prozentsatz ihrer US-Währungsreserven peu à peu – etwa in Euro – umschichten. Es gibt nicht wenige Analysten, die bezweifeln, dass die EZB eines derartigen Kapitalstroms Herr werden könnte.

  • Der Euro hat trotz seiner stabilen Performance vom Freitag seine Korrekturphase – Rücktest von 1,1735 bzw. 1,1690 bleibt möglich – noch nicht abgeschlossen. Aber mit Überschreiten von 1,1930 würden sich die Vorzeichen für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends deutlich vermehren.

Risikoereignisse des Tages

  • EUR: Industrieproduktion (D)
  • CNY: Handelsbilanz

CEE

CEE: Fünf Tage Schwäche

Die CEE-Valuten haben während der vergangenen Woche (manche an fünf Handelstagen in Folge) gegenüber dem Euro zum Teil deutlich an Wert verloren. Nicht zuletzt haben die Korrekturen an den globalen Aktienmärkten am Donnerstag und am vergangenen Freitag zu den Kursverlusten beigetragen. An den Tagen zuvor war es eher der korrektiv wiedererstarkte US-Dollar, der den CEE-Valuten zugesetzt hatte. Seit der Kursrallye, die im August ihren Höhepunkt fand, haben vor allen Dingen die Währungen Polens und Ungarns deutliche Verluste hinnehmen müssen.

Unterdessen gab es am Freitag noch ökonomische Daten zu begutachten, wobei die Einzelhandelsumsätze in Tschechien (+3,0 Prozent gegenüber Vorjahr) im Juli zwar gegenüber dem Vormonat zugelegt hatten, aber hinter der Konsenserwartung der Ökonomen geblieben sind. In Ungarn ist die Industrieproduktion gegenüber dem Vorjahr mit -8,1 Prozent etwas weniger stark als von den Ökonomen im Mittel erwartet gesunken, gegenüber dem Vormonat gab es eine leichte Verschlechterung. Beide Publikationen könnten möglicherweise den Abwärtsimpuls von Zloty und Forint noch zusätzlich verstärkt haben.

Risikoereignisse des Tages

  • CZK: Industrieproduktion und Handelsbilanz


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