Wöchentliche Marktberichte

Sep 03, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Verbalen Intervention eine Option für die EZB?

INTRO

Der Euro-Dollar Wechselkurs spielt für die europäischen Währungshüter eine Rolle. Zum ersten Mal seit der Aufwertung des Währungspaares auf ein 2-Jahres-Hoch knapp über $1,20 meldet sich der Chefökonom der Notenbank zu Wort. Ein positiver Tagesauftakt wurde nach den Kommentaren von Phillip Lane durch einen leichten Abverkauf gefolgt. Marktteilnehmer spekulieren auf eine Ausweitung des Staatsanleihenkaufprogramms und sehen jegliche Kommentare bezüglich des aufwertenden Euro als erstes Zeichen einer „verbalen Intervention“ seitens der EZB. Großen Spielraum haben die Währungshüter keinen. Mit dem Leitzins auf Rekordtiefen und einer aufgeblähten Bilanz könnte die EZB relativ wenig tun, um dem Euro entgegenzuwirken. Nichtsdestotrotz scheinen verbale Mittel, wie gestern ersichtlich war, zumindest kurzfristig Einfluss auf die Währung zu nehmen. Ein Wechselkurs besteht jedoch immer aus zwei Gegenpaaren, was ebenfalls eine Limitation für die Notenbank darstellt. Ohne eine nachhaltige Verbesserung der Datenlage und einer Stabilisierung der Inflation wird es der US-Dollar schwierig haben, sich nachhaltig festigen zu können. Vor diesem Hintergrund werden die Zinsentscheidungen der europäischen und US-amerikanischen Notenbanken in den nächsten beiden Wochen hohe Aufmerksamkeit genießen.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 25.516.378

Weltweit bestätigte Todesfälle: 851.352

Weltweit bestätigte Genesungen: 16.863.597

EUR

Alle Augen auf der EZB

Die europäische Gemeinschaftswährung legt die erste Verschnaufpause nach der jüngsten Rally auf das 2-Jahres-Hoch ein und wertet den zweiten Tag infolge ab. An der Unterseite fällt der Fokus auf die erste Aufwärtstrendlinie ($1,1820), wobei ein Unterlaufen das Niveau um $1,1700 ins Zentrum rücken könnte. Trotz der gestreckten und für Rücksetzer anfälligen EUR/USD Positionierung darf das positive Momentum und die Narrative rund um den „starken Euro“ nicht unterschätzt werden. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird sich die europäische Notenbank jedoch die Frage stellen müssen, mit welchen Implikationen weitere Aufwertungen einhergehen könnten.

Die mögliche Reduktion der Konkurrenzfähigkeit der Binnenwirtschaft scheint angesichts des schwachen Handelsvolumens noch keine Rolle zu spielen. Die zweite an dieser Stelle zu beobachtende Beziehung ist die zwischen dem Euro und der Inflation. Ein stärkerer Wechselkurs könnte aus theoretischer Sicht zu billigeren Importen führen und somit deflationär auf die Preise innerhalb der Eurozone wirken. Dieser Zusammenhang wird zunehmend hinterfragt, wie an den jüngsten Kommentaren von Isabel Schnabel zu erkennen ist (Mitglieds des EZB-Direktoriums). Vor diesen offenen Fragen blicken Investoren und Marktteilnehmer gespannt auf die nächste Zinsentscheidung der europäischen Zentralbank am 10. September.

USD

Erste Lebenszeichen

Der US-Dollar gibt erste Lebenszeichen von sich, angeführt durch eine leichte Erholung der Anspannungen am Arbeitsmarkt. Laut dem ADP Forschungsinstitut hat die US-Wirtschaft im August 428 Tausend Arbeitsplätze geschaffen. Obwohl insbesondere in der momentanen Erholungsphase jedes Zeichen einer Wirtschaftsverbesserung positiv gewertet wird, enttäuscht die gestrige Veröffentlichung die Erwartungen. Ökonomen von Bloomberg befragt hatten mit einem Anstieg von knapp einer Million Stellen gerechnet. Anhaltende Unsicherheiten scheinen den US-amerikanischen Konsumenten, das wichtigste Glied der Weltwirtschaft, Nachts wach zu halten. Ohne eine nachhaltige Verbesserung der Datenlage und einer Stabilisierung der Inflation wird es der US-Dollar schwierig haben, sich nachhaltig festigen zu können. Diese Annahme gilt jedoch nur, so lange der Rest der Welt am Erholungspfad bleibt.

VWL

Inflationsdebatte nimmt Fahrt auf

Erhöhte Arbeitslosen- und Sparquoten, eine rekordniedrige Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und ungenützte Kapazitäten sprechen allesamt gegen einen unmittelbaren Anstieg der Inflation.  Mit der Ausdehnung des Analysebereichs von der kurzen auf die lange Sichtweise wachsen jedoch die Prognoseunsicherheiten und der Bedarf einer Absicherung gegen einen potenziellen Preisanstieg. Auch die allgemein erkennbare und jüngst in den Vereinigten Staaten verbal ausformulierte Präferenz, die Teuerungsrate über die 2-Prozent-Marke laufen zu lassen, lässt die verloren geglaubte Inflationsdebatte wieder aufkochen. Der Bedeutungsgewinn der Thematik außerhalb der Akademie spiegelt sich bei den jüngsten Kapitalbewegungen an den Märkten wider. Die Nachfrage nach inflationsgeschützten Staatsanleihen erlebt eine Rückkehr und lässt die fünf- und zehnjährigen Inflationserwartungen in den meisten Teilen der entwickelten Welt nach oben treiben.


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