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Wöchentliche Marktberichte

Sep 02, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Welchen Preis hat die lockere Geldpolitik?

INTRO

Vor mehr als acht Jahren demonstrierte der damalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, am Höhepunkt der Schuldenkrise, die Macht der Sprache. Mit der Bereitschaft, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Union beisammen zu halten, komme was wolle, ging der Notenbanker in die Annalen ein. Mit dem Führungswechsel an der Spitze der EZB und der Übernahme Christine Lagards im vergangenen Jahr kam zwar ein neues Gesicht an die geldpolitische Bühne. An der lockeren Geldpolitik wurde jedoch nicht geschraubt. Insbesondere im Rahmen der Krise zeigten sich die Währungshüter so expansiv wie noch nie zuvor. Der sonst zurückhaltende Mario Draghi hat sich in dieser Woche jedoch zu Wort gemeldet.

Laut dem Ex-Zentralbanker seien die Stimulusmaßnahmen nur hilfreich, wenn die Liquidität auch den produktiven Teil der Realwirtschaft erreicht. Hilfspakete und gegenzyklische staatliche Maßnahmen müssen mit dem Aufbau von Arbeitsplätzen verbunden sein. Mit einem Anteil von knapp 10 Prozent bilden Zombie-Unternehmen – Unternehmen, welche ihre Schulden bei einer nachhaltigen Zinsstraffung nicht mehr tilgen könnten – einen größer werdenden Teil der Ökonomie am europäischen Kontinent ab. Die Diskussion um eine Periode steigender Zinsniveaus und einem Austritt aus der Negativzinspolitik bleibt jedoch rein akademisch, zumal jegliche Anzeichen einer Straffungsperiode Turbulenzen an den Märkten zur Folge hätten.

In der Zwischenzeit nehmen die Wiedereröffnungen von Fabriken am europäischen und asiatischen Kontinent an Fahrt auf. China scheint die industrielle Erholung anzuführen, wie die gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes aufzeigen konnten. Das Stimmungsbarometer für das chinesische verarbeitende Gewerbe konnte sich von 52,8 auf einen Wert von 53,1 festigen, die größte Expansion seit Januar 2011. Auf der anderen Seite stehen Länder wie Spanien und Vietnam, welche nach einer kurzen Verschnaufpause erneut in die Kontraktion fallen. Die deutsche Industrie kann sich den vierten Monat infolge festigen, trotz der Revision der ersten Schätzung des Indikators nach unten.

Die Märkte bleiben wie auch am Montag von uneinheitlichen Bewegungen geprägt. EUR/USD notiert auf den Tag gesehen schwächer, nachdem kurzzeitig am 2-Jahres-Hoch bei $1,20 geschnuppert worden war. Zentraleuropäische Währungen und der chinesische Renminbi können sich festigen.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 25.516.378

Weltweit bestätigte Todesfälle: 851.352

Weltweit bestätigte Genesungen: 16.863.597

EUR

EZB unter Zugzwang

Die jüngsten preislichen Entwicklungen in den meisten Industriestaaten haben den deflationären Charakter der Pandemie und der Sperrmaßnahmen im zweiten Quartal aufgezeigt. Die deutschen Verbraucherpreise sind in den letzten zwei Monaten nicht vom Platz gekommen und bleiben im August ohne Wachstum, nachdem im Juli ein 0,1-prozentiger Rückgang verzeichnet worden war. Auf europäische Ebene fällt die Inflation zum Vorjahr um 0,2 Prozent, während sich die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozent auf 7,2 Prozent im Juli festigt.

Fabriken am Kontinent haben ihre Preise laut dem IHS Markit Institut den 14. Monat infolge gesenkt. Die negative Preis-Tendenz und die schwache Nachfrage, in Verbindung mit den Lockerungsmaßnahmen der US-Notenbank, bringen die europäischen Währungshüter in Zugzwang. Unter Berücksichtigung der jüngsten Aufwertung der Gemeinschaftswährung scheinen Marktteilnehmer auf eine Erweiterung der Anleihenkäufe der Notenbank zu spekulieren.

Risikoereignisse

  • DE: Einzelhandelsumsätze (08:00)

USD

Problematischer Arbeitsmarkt?

Das US-amerikanische verarbeitende Gewerbe verzeichnet nach einer erneuten Festigung die stärkste Expansion seit 2018. Angetrieben von Verbesserungen der Neuaufträge bleibt der Sub-Indikator, welcher die Gesundheit des Arbeitsmarkts abbildet, angeschlagen. Vor diesem Hintergrund rücken die heutigen Veröffentlichungen des ADP Arbeitsmarktberichts und des Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor in den Vordergrund. Beide Datenpunkte könnten Investoren als Schätzung für den Höhepunkt der Woche, den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag, dienen. Trotz der negativen Dynamik, welche die Bewegungen des US-Dollar steuert, ist die globale Leitwährung weiterhin datenabhängig. Die gestrige positive Überraschung des Einkaufsmanagerindizes trieb den handelsgewichteten Dollar-Index im späten Handel doch noch in den positiven Bereich.

Risikoereignisse

  • US: ADP Arbeitsmarktbericht (14:15)
  • US: Werkaufträge (16:00)
  • US: Fed Konjunkturbeurteilung (20:00)

CEE

Das zweite Quartal liegt nun hinter uns

Die ökonomische Erholung nimmt auch in Zentraleuropa ihren Lauf, wenn auch deutlich langsamer als Anfangs angenommen. Nichtsdestotrotz zeigen die Einkaufsmanagerindizes (EMI) für August auf einen vorsichtigen Optimismus. Das Stimmungsbarometer für das russische verarbeitende Gewerbe steigt zum ersten Mal seit April 2019 erneut in den Expansionsbereich (51,1), während sich die Industrie in Tschechien nur marginal von 49,0 auf einen Wert von 49,1 festigen konnte. In der Zwischenzeit haben Tschechien und Ungarn die endgültigen Bruttoinlandsprodukte für das zweite Quartal veröffentlicht. Mit jährlichen Kontraktionen von 11 Prozent (CZK) und 13,6 Prozent (HUF) fallen beide Rücksetzer stärker aus, als erwartet.

Risikoereignisse

  • Keine Wirtschaftsveröffentlichungen


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