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Wöchentliche Marktberichte

Aug 31, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Divergenzen an den Märkten

INTRO

Das Versprechen der nachhaltig niedrigen Leitzinsen und die stetige Erholung der Weltwirtschaft treiben die globalen Börsen den fünften Monat infolge nach oben. Der kurzzeitig mehr als dreißigprozentige Fall des weltweiten Aktienleitindizes (iShares MSCI Welt) wurde im Laufe der Börsenrally seit April vollständig wettgemacht. Divergenzen bleiben trotz der neuen Allzeithöhen bestehen. Vor allem aufgrund der relativ schwach ausgefallenen Erholung des Konsumenten, welcher insbesondere in den Vereinigten Staaten eine historisch starke Beziehung mit den Bewegungen der Börsen aufweisen. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gab es noch nie so eine große Differenz zwischen dem Index des US-amerikanischen Verbrauchervertrauens und der Positionierung des US-Aktienleitindizes S&P500. Für das Herstellen eines neuen Gleichgewichtes muss somit entweder eine deutliche Stärkung der Realwirtschaft her, oder eine Korrektur an den Börsen. Das tatsächliche Szenario wird dabei erheblich von der US-Präsidentschaftswahl und den Fortschritten in der Impfstoffforschung beeinflusst sein.

In der Zwischenzeit geht mit der gesundheitsbedingten Rücktrittsankündigung des japanischen Premierministers Shinzō Abe eine Ära zu Ende. Der Abgang des liberaldemokratischen Politikers, welcher 2012 durch seine konjunkturelle 3-Säulen-Strategie (lockere Geldpolitik, Kreditfinanzierte Konjunkturpakete, Deregulierung) für Aufsehen sorgte, bleibt noch ohne unmittelbare Nachfolge. Eine nationale Neuwahl ist erst für den nächsten Oktober vorgesehen. In Deutschland warnt Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einer Verschärfung der gesundheitlichen Lage am europäischen Kontinent. Insbesondere mit dem langsamen Ende der Sommermonate bleibt die zweite Infektionswelle ein zu beachtendes Risiko.

Den datenseitigen Höhepunkt der Woche wird die Veröffentlichung des US-amerikanischen Arbeitsmarktberichts am Freitag definieren. Ökonomen scheinen von einem Stellenzuwachs von 1,4 Millionen im August auszugehen, nachdem im Juli 1,8 Millionen Jobs geschaffen worden waren. In Europa blicken Investoren auf die Veröffentlichungen der Einkaufsmanagerindizes (verarbeitendes Gewerbe) für die Eurozone, Deutschland und Frankreich am Dienstag. Den heutigen Anfang machen das italienische und polnische  Bruttoinlandsprodukt (10:00) und die deutsche Inflationsrate (14:00).

Weltweit bestätigte Coronafälle: 25.029.791

Weltweit bestätigte Todesfälle: 843.238

Weltweit bestätigte Genesungen: 16.448.009

EUR

Aufwertung noch ohne breitere Implikation

EUR/USD konnte sich erneut über das Niveau $1,19 kämpfen und verzeichnet die vierte monatliche Aufwertung infolge. Der wirkliche Test der Aufwärtsstärke könnte jedoch erst bei der Barriere $1,20 kommen, ein Niveau, welches den 12-jährigen Abwärtstrend des Währungspaares definiert. In der Zwischenzeit zeigen ökonomische Indikatoren auf ein Abflachen der jüngsten Erholung der europäischen Binnenwirtschaft. Der von der Europäischen Kommission veröffentlichte Sentimentindikator steigt zwar um 5,2 Zähler auf einen Wert von 87,7. Das deutsche Verbrauchervertrauen verzeichnet im September jedoch Rücksetzer und fällt auf einen Wert von minus 1,8.

Mit der jüngsten Aufwertung der Gemeinschaftswährung rückt die Frage in den Vordergrund, welche negativen Implikationen die stärkere Währung auf den europäischen Exportsektor und den Aktienmarkt haben könnte. Insbesondere in der Erholungsphase nach einer Krise scheint die Aufwertung des Euro als eine „de-facto“ straffende Geldpolitik zu wirken, was exportierende Unternehmen unter Druck setzen könnte. Noch bleiben Zeichen eines negativen Effektes aus, da makroökonomische Faktoren eine übergeordnete Rolle spielen. Ab einem gewissen Wechselkurs werden sich die europäischen Währungshüter jedoch Gedanken machen müssen.

Risikoereignisse

  • IT: Bruttoinlandsprodukt (10:00)
  • PL: Bruttoinlandsprodukt (10:00)
  • DE: Inflation (14:00)

USD

Fed – Mehr Fragen als Antworten

Das Ergebnis der monatelangen Strategiebeurteilung der US-amerikanischen Notenbank, welches in ein neues modifiziertes Inflationsziel gemündet ist, scheint insbesondere Schwellenländerwährungen zugunsten gekommen zu sein. Die implizite Bestätigung eines nachhaltig niedrigen Zinsumfelds in der größten Volkswirtschaft der Welt konnte Investoren vorerst glücklich stimmen. Doch abgesehen von der Bereitschaft, das Inflationsziel über die bekannte 2-Prozent-Marke ansteigen zu lassen, scheint es keine konkreten Informationen über die neue Strategie oder die Instrumente zu geben, mit welchen dieses Ziel erreicht werden sollte. Die sonst präzise Wortwahl der US-Notenbank lässt am Donnerstag viele Fragen offen, welche voraussichtlich erst bei der nächsten Zinsentscheidung eine Antwort finden werden. Der US-Dollar bleibt mit einer negativen Tendenz behaftet. Die hohen spekulativen Positionierungen erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit eines raschen Trendwechsels, welcher kurzfristig durch politische Katalysatoren entfacht werden könnte.

Risikoereignisse

  • US: Rede des Zentralbankers Richard H. Clarida (15:00)
  • US: Rede des Zentralbankers Raphael Bostic (16:30)

RUB

Eine Ende der Abwertung in Sicht?

Trotz der externen und heimischen Risikofaktoren bleibt der russische Rubel aufgrund der überverkauften Positionierung in einer günstigen Lage, um von einem potenziell positiven Risikosentiment zu profitieren. Den größten Teil der Risikoprämie, welche dem Rubel auferlegt worden ist, kann durch die politischen Unsicherheiten in Weißrussland und den privaten Kapitalabflüssen erklärt werden. Hinzu kamen geopolitische Anspannungen, nachdem ein vermeintlicher Giftangriff auf den Führer der russischen Opposition, Alexei Navalny, ausgeführt worden war. Kremlin ist dem internationalen Aufschrei nach einer unabhängigen Untersuchung des Verbrechens noch nicht entgegengekommen.

EUR/RUB befindet sich Juni in einem Aufwärtstrend, welcher das Währungspaar bis in die Nähe des Allzeithochs, welches am Höhepunkt der russischen Finanzkrise 2014 gesetzt worden war, gezogen hat. Die relativ hohe Inflation und die Tendenz zur weiteren Lockerung der Geldpolitik machen den Rubel anfällig für Schwächeanfälle, sollte die Teuerungsrate an Fahrt aufnehmen. Nichtsdestotrotz hat die Währung noch nicht von dem fast 30-prozentigen Anstieg der Ölpreise seit März profitiert. In Verbindung mit einer möglichen Entspannung der politischen Anspannungen in Weißrussland bleibt Potenzial für Rücksetzer des Währungspaares EUR/RUB. Die eiserne Barriere bei 90,00 scheint bislang gehalten zu haben.


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