Wöchentliche Marktberichte

Aug 26, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

US-China Floskeln und die Inflationsdebatte

Intro

Zumindest verbal scheinen sich die Vereinigten Staaten und China über die Bereitschaft zur Kooperation einig zu sein. Trotz der jüngsten Stolpersteine in der Beziehung der beiden Großmächte und offenen Fragen bezüglich der Autonomie Hongkongs bestätigen die Nationen bei der halbjährigen Beurteilung des Teilabkommens den Willen zur Kompromissfindung. Auf die bestätigenden Worte müssen jedoch Taten folgen, welche angesichts der durch die Coronakrise ausgelösten Probleme schwierig zu verwirklichen sind. Laut den Bedingungen des ersten Handelsabkommens müsste China bis Ende des Jahres US-Waren im Wert von 130 Milliarden US-Dollar erwerben. Dass die „relativ“ schwache Kaufbereitschaft Chinas im ersten Halbjahr von Washington unter die Lupe genommen werden könnte, ließ Donald Trump die chinesischen Handelsoffiziellen schon im Mai wissen. Damals hatte der amtierende Präsident mit der Annullierung des Abkommens gedroht, sollte China von den Ankäufen US-amerikanischer Waren absehen.

In der Zwischenzeit scheint an den Finanzmärkten die Inflationsdebatte an Fahrt aufzunehmen. Ein mehr als zweieinhalbjähriger Handelskrieg, politische Anspannungen in Europa und die Brexit-Saga haben die Notenbanken schon vor der Coronakrise erschöpft. Unkonventionelle Instrumente wie der Kauf von Staatsanleihen seitens der Währungshüter sahen einen Beliebtheitsanstieg. Eine Politik, welche vor wenigen Jahren noch Zentralbanken in entwickelten Ländern vorbehalten war, erhielt nun einen zunehmend globalen Charakter und fing an, eine Runde um die Welt zu machen. Der dadurch induzierte Anstieg der Geldmenge entfachte die vor der Krise in den Hintergrund gerückte Diskussion über eine mögliche Rückkehr der Inflation. Diese Sorge spiegelt sich auch an den Kapitalflüssen an den Märkten wider. Die Nachfrage nach inflationsgesicherte Staatsanleihen und dem deflationären Gold erleben eine Wiedergeburt und lassen die langfristigen Inflationserwartungen steigen. Kurzfristig besteht wenig Ungewissheit über den deflationären Charakter der Krise. Mittel- bis langfristig scheint die Prognoseunsicherheit jedoch drastisch anzusteigen. Insbesondere da sich bekannte Zentralbanker immer mehr für ein Überschießen der Teuerungsrate über die 2-Prozent-Marke aussprechen, um die kurzfristige Deflation zu kompensieren.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 23.690.270

Weltweit bestätigte Todesfälle: 814.008

Weltweit bestätigte Genesungen: 15.380.619

EUR

Risikoprämien als Euro-Treiber

Das deutsche Geschäftsklima schafft es auch im August sich marginal zu verbessern. Dies trotz der jüngsten Schwächung des Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe, welches insbesondere auf der Ebene der Eurozone Rücksetzer einstecken musste. Das vom Ifo Institut veröffentlichte Geschäftsklima kann sich von 90,4 im Juli auf einen Wert von 92,6 hoch kämpfen. Der Sub-Indikator, welcher die zukünftig erwartete Konjunkturentwicklung widerspiegelt, steigt von 96,7 auf einen Zähler von 97,5. Auch wenn einige Echtzeitindikatoren auf eine Verlangsamung der Wirtschaftserholung deuten, scheinen sich die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze noch relativ stabil zu halten.

Im Laufe der nächsten Monaten könnten deutsche Daten zumindest für die Betrachtung der Gemeinschaftswährung an Bedeutung verlieren. Als größte Volkswirtschaft der Eurozone bietet Deutschlands potenzielle Stärke nach der Krise zwar ganz klar einen gewissen Vorteil für den Euro. Investoren scheinen ihr Augenmerk jedoch insbesondere nach der europäischen Schuldenkrise vielmehr auf die Divergenzen innerhalb der Union geworfen zu haben.

Risikoprämien, abgebildet durch die Differenz der Staatsanleihenrenditen Deutschlands und Italiens/Spaniens/Griechenlands könnten als Wechselkurstreiber fungieren. Ein großer Teil der jüngsten Euro-Stärke kann auf die Reduktion dieser Risikoprämien zurückgeführt werden, nachdem sich die Mitgliedsstaaten auf das europäische Hilfspaket geeinigt haben.

EM

Chancen und Risiken bei Schwellenländern

Regierungen und Zentralbanken in entwickelten Ländern haben deutlich stärker mit gegenzyklischen Maßnahmen auf die Krise reagiert als politische Entscheidungsträger in Schwellenländern. Dies erklärt auch die Tatsache, dass G10 Währungen deutlich mehr von der jüngsten Dollar-Schwäche profitiert haben, als Währungen in Schwellenländern. Länder wie Brasilien, Indien, Russland, Südafrika, Ägypten sind größtenteils stärker vom Tourismus/Exportsektor abhängig und haben Fremdwährungsschulden, abgesehen von Russland, aber hier kommen die Ölabhängigkeit und die Unsicherheiten in Weißrussland zum Tragen kommen. In Anbetracht der Risiken scheinen Investoren fürs Erste noch unsicher bei der Frage zu sein, ob sich eine unmittelbare Investition in diese Länder auszahlt. Im Falle einer tatsächlichen Verbesserung der Wirtschaft im nächsten Jahr birgt die fehlende Aufwertung dieser Währungen jedoch Chancen. Die größten drei Risiken stellen dabei eine Abnahme der Schnelligkeit der Wirtschaftserholung, eine potenzielle Stärkephase des US-Dollars und ein globaler Anstieg der Inflation dar.

CEE

Leichte Korrekturansätze zu erkennen

An den Währungsmärkten bleibt es am gestrigen Handelstag ruhig, wobei die zentral- und osteuropäische Region in den Vordergrund gerückt ist. Der polnische Zloty, der ungarische Forint und die tschechische Krone scheinen nach einer wochenlangen Aufwärtsbewegung zumindest kurzfristig an ihre Barrieren gestoßen zu sein. Leichte Korrekturen nach oben sind derzeit wahrscheinlicher, als eine komplette Wende des derzeitigen Trends. Nichtsdestotrotz bleiben die Währungen wie auch alle anderen Schwellen- und Entwicklungskurse abhängig von dem Momentum des US-Dollars. Der russische Rubel wertet angesichts einiger heimischer und externer Faktoren auf ein mehrmonatiges Tief ab und könnte bei einem Tagesschlusskurs von über 90,20 (derzeit bei 89,00) ein neues Allzeittief markieren.


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