Wöchentliche Marktberichte

Jul 22, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

 Ein Fall für die Geschichtsbücher

Intro

Nun liegt das Ende des EU-Sondergipfels gerade einmal 24 Stunden hinter uns – und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nicht nur, weil es eine Riesenanstrengung bedeutete, 27 EU-Mitgliedsstaaten auf einen Nenner zu bringen und dem Sondergipfel nur einige Minuten fehlten, um als der längste Gipfel aller Zeiten in die Geschichtsbücher einzugehen. Kompromisse waren notwendig. Und wenn die Hauptkritik der Journalisten darin bestand, bis zur Verkündigung des Deals hätte es ja auch lange genug gedauert, dann ist dies eher der misslungene Versuch, das gute Ergebnis zu relativieren. „Nicht auszudenken, wenn das nicht geklappt hätte“, lautete ein Kommentar, den man nicht nur einmal zu hören bekam. Auch war zu vernehmen, das Wiederaufbau-Paket sei nicht groß genug.

Tatsächlich wird der Deal als Entscheidung von historischer Tragweite in die Annalen der EU eingehen, und diesen Erfolg können vor allem Frankreich und Deutschland für sich reklamieren. Denn nach ihrer gemeinsamen Geldpolitik hat die EU nun zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Grundstein für eine gemeinsame Fiskalpolitik gelegt: Die Union wird durch die gemeinsame Emission von Anleihen einen riesigen Geldbetrag einbringen und an diejenigen Mitglieder verteilen, die von der Corona-Pandemie am härtesten getroffen wurden.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 14.906.602

Weltweit bestätigte Todesfälle: 615.754

Weltweit bestätigte Genesungen: 8.434.666

EUR

Positionsabhängige Reaktionen

Nun ist die Reaktion der Finanzmärkte auf die Verkündigung des Deals recht unterschiedlich ausgefallen. Während die Aktienmärkte der Eurozone anfangs mit deutlichen Kursaufschlägen reagierten, zeigte sich der Euro im Verhältnis zum US-Dollar eher zurückhaltend. Nachdem die Gemeinschaftswährung nämlich im Vorfeld peu à peu an Wert gewonnen hatte, gab es nach Verkündigung des Deals erst einmal einen Rücksetzer, für den die Händler auch sofort eine Erklärung parat hatten: „Buy the rumour, sell the fact“. Euro-Positionen, die im Vorfeld des Gipfels in der Hoffnung auf dessen Erfolg kurzfristig aufgebaut worden waren, wurden offenbar umgehend glattgestellt. Allerdings richteten diese Glattstellungen keinen größeren Schaden an.

An den Aktienmärkten mag die Reaktion vor allen Dingen deswegen so positiv ausgefallen sein, weil die Ausgangspositionierung bereits seit Wochen short-lastig war und infolgedessen das eine oder andere Engagement in den steigenden Markt hinein zurückgekauft werden musste.

Risikoereignisse des Tages

  • EUR: Keine Wirtschaftsveröffentlichungen

EUR USD

Euro mit neuem Jahreshoch

Bis zum Nachmittag des gestrigen Handelstages verhielt sich der Euro so, als sei gar nichts geschehen, und trat auf der Stelle. Und interessanterweise nahm er erst Fahrt auf, als etwa der hiesige Aktienindex DAX erste Anzeichen der Schwäche offenbarte. Dabei markierte die Gemeinschaftswährung sogar ein neues Jahreshoch und gleichzeitig den höchsten Stand seit Januar 2019.

  • Im gleichen Zuge darf nun 1,1390 nicht mehr unterlaufen werden, um den Euro in seiner starken Position und seinem kurzfristigen Aufwärtstrend zu halten.

Der gestrige Handelstag war allerdings nicht nur ein Tag der Euro-Stärke, sondern auch durch einen schwachen Dollar gekennzeichnet. Dieser verlor nämlich nicht nur gegenüber der Gemeinschaftswährung, sondern auch gegenüber einem Korb an Währungen, gemessen am Dollar-Index, an Wert und markierte den dritten Tagesverlust in Folge.

Risikoereignisse des Tages

  • USD: Hauspreis-Index
  • USD: Verkäufe bestehender Häuser

CNH

Yuan und Aktienmarkt profitieren

Bemerkenswert ist die Entwicklung am chinesischen Aktienmarkt. Denn nach dem rund 8-prozentigen Kurseinbruch des Shanghai Composite in der vergangenen Woche profitierte der Index offenbar von Kapitalzuflüssen. Diese waren so stark, dass der Index bis heute früh in Fernost bereits über 60 Prozent der Kursverluste wieder wettmachen konnte. Im gleichen Zuge befestigte sich auch der Yuan, der gegenüber dem US-Dollar gestern den höchsten Kurs seit dem 11. März markierte. Im Verhältnis zum Euro präsentierte sich die chinesische Valuta aufgrund der inneren Stärke der Gemeinschaftswährung allerdings etwas schwächer.

Risikoereignisse des Tages

  • CNH: Keine Wirtschaftsveröffentlichungen

CEE

Ungarische Nationalbank senkt Leitzins

CEE-Valuten und -Aktienmärkte profitierten gestern vom positiven Ausgang des EU-Sondergipfels. Dies gilt insbesondere für die Tschechische Krone, aber auch für den Forint, der nur kurz mit einer leichten Schwäche auf das Ergebnis der geldpolitischen Sitzung der Ungarischen Nationalbank reagierte. Diese hatte nämlich den Leitzins, die Base Rate, um 15 Basispunkte auf nunmehr 0,6 Prozent gesenkt. Dieser zweite Zinsschritt, um die Folgen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft abzufedern, war allerdings weithin erwartet worden.

Die Serie positiver ökonomischer Daten aus Polen reißt unterdessen nicht ab. Nachdem tags zuvor bereits die Industrieproduktion für den Monat Juni positiv überrascht hatte, waren nun die Einzelhandelsumsätze an der Reihe. Diese sind im Juni mit -1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr nur halb so stark wie von den Ökonomen im Mittel befürchtet zurückgegangen.

Risikoereignisse des Tages

CEE: Keine Wirtschaftsveröffentlichungen


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