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Wöchentliche Marktberichte

Jun 23, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Zwei Risikofaktoren im Unternehmenssektor

INTRO

Die Veröffentlichungen von weiteren Wirtschaftsdaten für den Monat Mai untermauern die breit gehaltene Annahme einer Bodenbildung der Weltwirtschaft. Der größte Unsicherheitsfaktor bleibt in dieser Hinsicht die Gefahr einer zweiten Infektionswelle. Erste Anzeichen dieser potenziellen Erscheinung kamen in den vergangenen Tagen in den USA, China, Südkorea und der Türkei zum Vorschein. Der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Larry Kudlow, sprach sich gegen die Vermutung aus, es komme in den Staaten derzeit zu einer zweiten Welle.

Der wirtschaftliche Effekt steigender Infektionszahlen zeigt sich dabei nicht nur in einer erhöhten Wahrscheinlichkeit erneuter Sperrmaßnahmen. Sorgen unter den Konsumenten könnten zur freiwilligen Distanzierung und zum Vermeiden größerer Ausgaben führen. Dies würde in weiterer Folge direkt konsumabhängige Unternehmen unter Druck setzen, welche in Europa und den USA ohnehin bereits angeschlagen sind.

Im Laufe der Coronakrise hat die Kreditaktivität von Unternehmen deutlich zugenommen, da Firmen versuchen, die kurzfristigen Unsicherheiten durch erhöhte Liquidität zu überbrücken. Dies stellt eine rationale Entwicklung dar, muss mittelfristig jedoch trotzdem – insbesondere im Kontext einer möglichen zweiten Infektionswelle – als Risiko genannt werden. Die Quote aller Unternehmensschulden zum Bruttoinlandsprodukt wird laut dem Forschungsinstitut Oxford Economics in diesem Jahr auf knapp 95 Prozent ansteigen.

Solange die Liquidität bereitgestellt werden kann, scheint ein Anstieg der Insolvenzen nicht die unmittelbare Konsequenz steigender Kredite und Kreditabstufungen zu sein. In diesem Sinne stellt eine unerwartete Reduktion der lockeren Geldpolitik seitens der Notenbanken einen unwahrscheinlichen, aber doch vorhandenen zweiten Risikofaktor dar.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 9,098,855

Weltweit bestätigte Todesfälle: 472,172

Weltweit bestätigte Genesungen: 4,526,407

USD

Nachfrage der Zentralbanken sinkt

Die globale Nachfrage nach dem US-Dollar scheint sich seit den Liquiditätssorgen im März wieder deutlich vermindert zu haben. Laut den am Donnerstag veröffentlichten Daten der Federal Reserve haben sich die globalen Zentralbanken in der vergangenen Woche die wenigsten Dollar in den letzten drei Monaten von der Fed geholt. Diese gesunkene globale Nachfrage scheint den größten Treiber hinter der ersten wöchentlichen Reduktion der Fed-Bilanz seit Februar darzustellen. Die Abkühlung der Anspannungen an den Geldmärkten zeigt sich ebenfalls bei den Repo-Geschäften der Notenbank und der Risikoprämien auf Unternehmensanleihen.

EUR/USD verzeichnet einen positiven Start in die Woche und markiert die erste Aufwertung der letzten fünf Tage. Die Wende verhindert ein Unterlaufen des seit dem 18. Mai anhaltenden Aufwärtstrends. EUR/CHF hält sich ebenfalls über dem Unterstützungsniveau bei 1,06 und sieht sich der ersten Barriere bei 1,0750 entgegen.

Risikoereignisse des Tages

  • DE: Einkaufsmanagerindex (09:30)
  • EZ: Einkaufsmanagerindex (10:00)
  • US: Einkaufsmanagerindex (15:45)

GBP

Licht am Ende des Tunnels?

Der Präsident der britischen Notenbank scheint sich nicht so ganz mit der lockeren Geldpolitik anfreunden zu können. Obwohl die Währungshüter am vergangenen Donnerstag wie erwartet das Programm der Staatsanleihenkäufe um 100 Milliarden Pfund erweitert haben, signalisiert Andrew Bailey nun einen baldigen Richtungswechsel. Laut dem Notenbanker würde es deutlich mehr Sinn machen die Bilanz der Notenbank zu reduzieren, bevor die Zinsen erhöht werden. Implizit deutet die Aussage jedoch ebenfalls darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer Einführung der Negativzinspolitik in Großbritannien erneut gefallen ist. Vielmehr soll die Bilanz als primäres geldpolitisches Instrument verwendet werden.

Neben den globalen Markttreibern wird das britische Pfund ebenfalls durch regionale Faktoren getrieben. Die größten Risikofaktoren – negative Brexitverhandlungen und die Einführung negativer Zinsen – scheinen neuerlich wieder leicht an Bedeutung verloren zu haben. Gegenüber dem US-Dollar kann das Pfund vor diesem Hintergrund aufwerten. Die europäische Gemeinschaftswährung hält an den jüngsten Gewinnen fest.

Risikoereignisse des Tages

  • GB: Einkaufsmanagerindex (10:30)

CNH

PBoC lässt Zins unverändert

Die chinesische Zentralbank hält sich wie auch in den vergangenen Monaten mit den Stimulusmaßnahmen zurück und lässt den einjährigen Leitzins unverändert bei 3,85 Prozent. Die Währungshüter versuchen über Lockerungen der Mindestreserve und über den kommerziellen Bankensektor für Erleichterung an den Märkten zu sorgen. Dies zeigt sich insbesondere in den Vorhaben chinesischer Geschäftsbanken, kurzzeitig auf Tilgungszahlungen von Unternehmen im Wert von 1,44 Billionen Yuan zu verzichten.

Aufgrund der derzeit hohen Korrelation zwischen den Währungspaaren EUR/USD und EUR/CNH ist eine isolierte Betrachtung des chinesischen Yuan nicht möglich. Kurzfristig könnten die Schlagzeilen rund um die erneute Schließung einiger Schulen in Peking die negativen Tendenzen im Yuan verstärken. Mittelfristig könnte die Thematik des US-China Handelsdisputs in den Vordergrund geraten.


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