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Wöchentliche Marktberichte

Jun 16, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Marginales Risk-off Umfeld

INTRO

Der Handel an den globalen Finanzmärkten verzeichnet zu Wochenbeginn einen pessimistischen Auftakt. Insbesondere die momentane Diskrepanz zwischen den Anlagenbewertungen und der Lage der Weltwirtschaft macht risikoreichere Anlagen und Währungen anfällig für Verluste. Der gestrige Katalysator für den leichten Abverkauf an den Börsen kann in den jüngst entfachten Ängsten einer zweiten Infektionswelle gefunden werden.

Angesichts des gestrigen Risk-off Sentiments festigen sich deutsche Staatsanleihen den vierten Tag infolge. Aktienmärkte in Deutschland, China, Großbritannien und den Schwellenländern notieren schwächer zum Vorteil. Der Schweizer Aktienleitindex rettet sich in den positiven Bereich. Wirtschaftliche und politische Unruhen in Großbritannien schwächen das britische Pfund den fünften Tag infolge ab. EUR/USD hält sich trotz des Rücksetzers über dem Unterstützungsniveau bei 1,1220.

Aufseiten neuer Wirtschaftsdaten wechselt der Fokus erneut in die Vereinigten Staaten. Auf der Tagesordnung steht die Veröffentlichung der Einzelhandelsumsätze und der Industrieproduktion.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 7.963.453

Weltweit bestätigte Todesfälle: 434.432

Weltweit bestätigte Genesungen: 3.809.030

EUR

Deutschlands Krisenbekämpfung

Die deutsche Regierung versucht der größten Wirtschaftsabkühlung seit dem Zweiten Weltkrieg mit mehreren Hilfspaketen entgegenzuwirken. Im Zentrum der jüngsten Krisenbekämpfungsmaßnahmen steht dabei die temporäre Steuerreduktion, welche die Mehrwertsteuer von Juli bis Dezember um 300 Basispunkte auf 16 Prozent senken wird.

Laut dem Finanzministerium könnte die Maßnahme den Staat 20 Milliarden Euro, umgerechnet knapp 0,6 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts kosten. Wie sehr die erste Reduktion der Mehrwertsteuer in mehr als 50 Jahren zu einem verbesserten Verbrauchervertrauen beitragen wird, bleibt derzeit noch offen.

Ein großer Teil der Ausgaben wird jedoch durch eine verstärkte Schuldenemission des Staates finanziert. In dieser Woche soll noch die Aufnahme von weiteren 62,5 Milliarden Euro von dem Parlament bestätigt werden. Mit einem erwarteten Budgetdefizit von 7,25 Prozent geht das Finanzministerium davon aus, dass die Schuldenquote in diesem Jahr von 60 Prozent (2019) auf 75 Prozent ansteigen könnte.

Risikoereignisse des Tages

  • DE: Inflationsniveau (08:00)
  • EZ: ZEW Konjunkturerwartungen (11:00)

GBP

20 Jahre Wachstum ausgelöscht

In wenigen anderen europäischen Ländern kommen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise so sehr zum Vorschein wie in Großbritannien. Im Laufe der Krisenbekämpfung und dem Inkrafttreten der staatlichen Sperrmaßnahmen ist die britische Ökonomie im April um 20 Prozent gesunken. Nimmt man den Fall im März hinzu, befindet sich die Wirtschaft Großbritanniens in absoluten Zahlen nun auf dem Niveau des Jahres 2002. Somit wurden 20 Jahre des wirtschaftlichen Wachstums in weniger als zwei Monaten ausgelöscht.

In solch prekären Situationen ist es nicht verwunderlich, dass die Toleranz gegenüber der Negativzinspolitik in Großbritannien erneut am Steigen ist. Zwar sieht nur einer der 43 von Bloomberg befragten Ökonomen den tatsächlichen Zug in den negativen Zinsbereich als wahrscheinliches Szenario an. Der britische Notenbankpräsident Andrew Bailey scheint sich jedoch jede Option offenzulassen. Bei dem geldpolitischen Treffen am Donnerstag wird das Zinsniveau mit hoher Wahrscheinlichkeit unverändert bleiben. Eine Ausweitung des ohnehin beachtlichen Staatsanleihenkaufprogramms sehen Marktbeobachter jedoch als Basisszenario an.

In Verbindung mit den erneut entfachten Ängsten einer Gesprächszusammenbruchs zwischen der Europäischen Union und Großbritannien könnte die defensive Haltung gegenüber dem britischen Pfund noch eine Weile anhalten.

Risikoereignisse des Tages

  • GB: Arbeitsmarktbericht (08:00)

CNH

Verbesserung mit Schwierigkeiten

Die chinesische Wirtschaftsentwicklung nach den Lockerungen der Sperrmaßnahmen zeigt, dass der Weg zur Normalität kein reibungsloser Prozess sein wird. Auch nach der gestrigen Datenwelle aus China scheint die Fragilität der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bestehen zu bleiben. Zwar konnten sich alle gestern veröffentlichten Datenpunkte festigen. Die im Vorhinein gehaltenen Erwartungen werden jedoch enttäuscht. So stärkt sich die Industrieproduktion im Mai um 4,4 Prozent, die Einzelhandelsumsätze fallen um 2,8 Prozent und die Anlageinvestitionen sinken um 6,3 Prozent. Die heimische Nachfrage bleibt somit unterdrückt, wobei der Immobilienmarkt weiterhin einen wichtigen Treiber der Ökonomie darstellt.

Bislang sind in China die aggressiven geldpolitischen Maßnahmen ausgeblieben, insbesondere da die Währungshüter voraussichtlich auch den Trend steigender Schulden in den Hinterköpfen behalten. Gestern hatte die Notenbank den Märkten jedoch umgerechnet knapp 30 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. EUR/CNH bleibt in Nähe des Niveaus 8,00.

Risikoereignisse des Tages

  • CN: Ausländische Direktinvestitionen (10:00)


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