Wöchentliche Marktberichte

Jun 05, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Deutschland und die EZB zeigen sich expansiv

INTRO

Nach einer zweitägigen Diskussion einigt sich die regierende Koalition in Deutschland auf ein breit angesetztes Fiskalpaket, um der Wirtschaft auch weiterhin unter die Arme zu greifen. Die 130-Milliarden Euro schwere konjunkturelle Stütze könnte das Budgetdefizit Deutschlands in diesem Jahr auf knapp sieben Prozent heben. Obwohl ein Großteil der neuen Schulden durch automatische Krisenstabilisatoren – wie die erhöhte Auszahlung von Arbeitslosengeldern – aufgebaut wird, bleibt in den Konjunkturpaketen ebenfalls genügend Raum für aktiv eingesetzte Hilfsmaßnahmen wie die temporäre Mehrwertsteuersenkung.

Indes hält sich die europäische Notenbank mehrheitlich an die Erwartungen der Marktteilnehmer und bestätigt eine Ausweitung des Krisenprogramms PEPP um weitere 600 Milliarden Euro. Trotz der deutlichen Revision des Wirtschafts- und Inflationswachstums für dieses Jahr scheint der Euro positiv auf die Liquiditätsstütze reagiert zu haben.

Auch in den Vereinigten Staaten haben die ersten Lockerungen der Sperrmaßnahmen und Eröffnungen von Geschäften begonnen. Diese Tatsache zeigt sich in der Verlangsamung der wöchentlichen Anträge für die Arbeitslosenunterstützung, welche historisch gesehen mit knapp zwei Millionen neuen Ansuchen in der vergangenen Woche jedoch weiterhin auf erhöhten Niveaus verharrt.

Die zyklische Kapitalverlagerung in risikoreichere Währungen scheint die europäischen Aktienmärkte – insbesondere den deutschen DAX – seit Mitte Mai beflügelt zu haben. Das positive Risikosentiment bekommt auch die europäische Gemeinschaftswährung zu spüren, welche gegenüber dem US-Dollar, Schweizer Franken und chinesischen Yuan lokale Höhen erreicht. Währungen in Zentraleuropa scheinen sich nach der Periode rasanter Aufwertungen wieder deutlich stabilisiert zu haben. Die Veröffentlichung des offiziellen US-amerikanischen Arbeitsmarktberichts könnte vor dem Wochenende möglicherweise für interessante Bewegungen an den Märkten sorgen.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 6,639,228

Weltweit bestätigte Todesfälle: 391,261

Weltweit bestätigte Genesungen: 2,872,815

EUR

Unterstützung durch die Notenbank

Die bestätigte Ausweitung des Anleihenkaufprogramms der europäischen Notenbank auf nun insgesamt 1,5 Billionen Euro scheint dem Euro deutlichen Rückenwind verschafft zu haben. Die Gemeinschaftswährung verzeichnet die achte tägliche Aufwertung infolge gegenüber dem US-Dollar und findet ein neues 11-Wochen-Hoch. Neben der an den Märkten erkennbaren erhöhten Risikobereitschaft kann die allgemeine Schwäche des US-Dollars in Verbindung mit den sinkenden Risikoprämien europäischer Staatsanleihen größtenteils für die jüngste 3,9-prozentige Aufwertung des EUR/USD verantwortlich gemacht werden.

Da auf der europäischen politischen und geldpolitischen Ebene wenig Spielraum für zusätzliche positive Überraschungen bleibt, hängt das weitere Potenzial für Aufwärtsbewegungen mehrheitlich von den beiden erstgenannten Faktoren – dem Risikosentiment und der Schwäche des US-Dollars – ab. Kurzfristig stehen sich somit das positive Momentum der Gemeinschaftswährung und die überzogene Positionierung des Währungspaares gegenüber.

Risikoereignisse des Tages

  • EZ: Keine Wirtschaftsveröffentlichung

USD

„Risk-on“ wirkt gegen den US-Dollar

Die Funktion der „sicheren Anlage“ scheint in vom Optimismus gesteuerten Zeiten nicht viel zu bringen. Diese Tatsache bekommen der US-Dollar, der japanische Yen und der Schweizer Franken deutlich zu spüren. Der gewichtete US-Dollar-Index führt seinen Abwärtstrend weiter fort und unterläuft die Unterstützung bei 97,20. Obwohl einige Unsicherheitsfaktoren insbesondere an der handelspolitischen Front bestehen bleiben, scheinen Investoren der Hoffnung auf eine deutliche Wirtschaftsverbesserung im dritten Quartal den Vorrang zu geben.

Den ersten wirklichen Test dieser Annahme könnte es bei der heutigen Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts geben. Ein besser als erwartetes Ergebnis – Konsens liegt bei einem Stellenabbau von acht Millionen Arbeitsplätzen im Mai – könnte die Risikobereitschaft an den Märkten weiter antreiben. Auf der anderen Seite könnte eine negative Überraschung die erneute Nachfrage nach sicheren Währungen aktivieren, angetrieben durch die Profit-Mitnahme vor dem Wochenende.

Risikoereignisse des Tages

  • USA: Arbeitsmarktbericht (14:30)

CEE

EUR/PLN stabilisiert sich bei 4,37

Die makroökonomische Datenlage hat in den vergangenen Wochen keine hohe Aufmerksamkeit in Zentraleuropa genossen. Unter anderem ist  diese Tatsache durch die fehlenden Reaktionen der Währungsmärkte auf die Wirtschaftsveröffentlichungen zu begründen. Die jüngste Aufwertung der drei Währungen kann durch das verbesserte Risikosentiment, ausgelöst durch die weltweite Lockerung der Sperrmaßnahmen, erklärt werden.

Vor diesem Hintergrund blieben auch die gestern veröffentlichten ungarischen Einzelhandelsumsätze (-10.2% im April) und das auf fünf Prozent gesunkene jährliche Lohnwachstum in Tschechischen ohne FX-Folgen. Sowohl die tschechische Krone, als auch der ungarische Forint stabilisieren sich um die Niveaus EUR/CZK 26,62 und EUR/HUF 345,00. Der polnische Zloty hatte zu Beginn der Woche zwar die Unterstützung EUR/PLN 4,40 durchbrochen, schafft es jedoch nicht, die seit dem 14. Januar anhaltende Aufwärtstrendlinie des Paares bei 4,37 zu beseitigen.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.