Wöchentliche Marktberichte

Mai 29, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Positiver Wochenausklang trotz politischer Konflikte?

EUR

Wichtige Barrieren im Fokus

EUR/USD verzeichnet die dritte tägliche Aufwertung infolge und findet trotz der amerikanisch-chinesischen Anspannungen ein zweimonatiges Hoch. Das Währungspaar notiert nun deutlich über dem 200-tägigen und marginal über dem 50-wöchigen gleitenden Durchschnitt. Nachhaltige Bewegungen jenseits dieser Niveaus könnten Potenzial bis 1,1140 (Hoch 31. März) entfalten. Rücksetzer bis 1,0850 wären chart-technisch möglich, ohne die seit dem März gebildete Aufwärtstrendlinie zu gefährden. Erst ein Unterlaufen dieser Unterstützung würde Bewegungen bis 1,0770 rechtfertigen.

EUR/CHF ist auf einem guten Weg, die zweite wöchentliche Aufwertung zu verzeichnen. Die erste wirkliche Herausforderung weiterer Aufwärtsbewegungen liegt in dem Überwinden der Barriere um 1,0770, ein Niveau, welches den 200-tägigen gleitenden Durchschnitt und die seit April 2018 anhaltende Abwärtstrendlinie definiert. Ein fehlgeschlagener Ausbruch könnte Rücksetzer für die Gemeinschaftswährung mit sich ziehen. In diesem Sinne bleibt eine unwiderrufliche Eskalation zwischen China und den USA das größte Abwärtsrisiko. Dieser Unsicherheitsfaktor wurde in den vergangenen Wochen größtenteils durch die signalisierte Bodenbildung der europäischen Wirtschaft überschattet.

Risikoereignisse des Tages

  • DE: Einzelhandelsumsätze (08:00)
  • IT: Bruttoinlandsprodukt Q1 (10:00)
  • EZ: Inflationsniveau (11:00)

Intro

Die ohnehin angespannte Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und China scheint sich in den vergangenen Tagen nochmals verschärft zu haben. Das gestern von dem chinesischen Volkskongress bestätigte Sicherheitsgesetz für Hongkong könnte das Ende der Sonderrechte und der Autonomie des asiatischen Kleinstaates bedeutet. Schon am Mittwoch hatte das Weiße Haus die Autonomie Hongkongs angezweifelt und eine Sondersitzung der Vereinten Nationen beantragt. Zur gleichen Zeit bestätigte der amerikanische Kongress die Ausarbeitung eines Gesetztesvorschlags, welcher chinesische Regierungsmitglieder aufgrund der Verfolgung der muslimischen Minderheit in China sanktionieren könnte.

Die Märkte wollen kurzfristig nichts von den politischen Anspannungen wissen und lassen sich von den ersten Zeichen einer wirtschaftlichen Bodenbildung nach oben treiben. Der US-amerikanische Aktienleitindex SP500 führt die seit dem 23. März angefangene Rally (+40%) fort. Der deutsche Dax findet nach einem 43-prozentigen Anstieg seit dem Boden am 16. März ein 11-Wochen-Hoch.

Neben den weiteren politischen Entwicklungen findet die Woche ein ungewöhnlich datenlastiges Ende. Unter anderem veröffentlichen Italien, Polen und Ungarn die endgültigen Bruttoinlandsprodukte für das erste Quartal. In den Vereinigten Staaten stehen die Inflation, das Konsumentenvertrauen und die Rede des Fed-Präsidenten Jerome Powell an der Tagesordnung.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 5.813.997

Weltweit bestätigte Todesfälle: 360.389

Weltweit bestätigte Genesungen: 2.418.788

USD

Schwache Daten mit verbessernder Tendenz

Die zweite Schätzung des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukts zeigte auf einen marginal stärkeren Fall als ursprünglich angenommen. Die Wirtschaft sinkt im ersten Quartal auf Jahresbasis um 5,0 Prozent, getrieben durch einen 6,8-prozentigen und 7,6-prozentigen Rückgang der Konsumausgaben und Geschäftsinvestitionen. Die seit der Coronakrise in den Fokus gerückten wöchentlichen Anmeldungen für die Arbeitslosenunterstützung wurden gestern ebenfalls veröffentlicht. In der Woche bis zum 22. Mai sind die Ansuchen auf Beihilfe um 2,1 Millionen gestiegen. Die Kündigungen bleiben weiterhin hoch, scheinen jedoch  langsam einen Boden zu signalisieren, zumal diese die achte Woche infolge gesunken sind.

Die Märkte bleiben aufgrund der datenseitigen Bodenbildung weiterhin im risikounterstützenden Umfeld, was den US-Dollar in den vergangenen drei Tagen nach unten gedrückt hat. Investoren scheinen die derzeitigen Anspannungen zwischen China und den USA vorübergehend beiseitegelegt zu haben. Das Risiko einer diplomatischen Eskalation bleibt jedoch bestehen. Der chinesische Volkskongress hat das Hongkong Sicherheitsgesetz trotz der internationalen Kritik verabschiedet. Der US-Außenminister hinterfragte indes die Unabhängigkeit des asiatischen Kleinstaates und scheint den Status der Autonomie nicht mehr für gerechtfertigt zu halten.

Risikoereignisse des Tages

  • US: Inflationsniveau (14:30)
  • US: Michigan Verbrauchervertrauen (16:00)
  • US: Fed-Präsident Jerome Powell (17:00)

PLN

Unerwartete Zinssenkung auf 0,1%

In einer überraschenden Entscheidung senkt die polnische Notenbank zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins auf 0,1 Prozent. Das offizielle Zinsniveau befindet sich nach der gestrigen Lockerung um 40 Basispunkte auf einem neuen Allzeittief. Keiner der 24 von Bloomberg befragten Ökonomen scheint den geldpolitischen Zug antizipiert zu haben.

Die polnische Notenbank ergreift somit raffiniert die Gunst der Stunde und senkt den Leitzins vor dem Hintergrund einer verbesserten globalen Gemütslage und eines aufwertenden Zlotys. Das positive Risikosentiment verhinderte am gestrigen Handelstag somit größere Schwankungen der polnischen Währung, welche nun jedoch die niedrigste reale Rendite aller zentraleuropäischen Währungen abwirft.

Die tschechische Krone festigt sich in der Zwischenzeit auf ein 5-Wochen-Hoch gegenüber dem Euro. In diesem Sinne ist genauestens das Niveau um EUR/CZK 27,00 zu beobachten, welches die Gemeinschaftswährung bislang vor größeren Abwertungen geschützt hat. Ein Abprallen an der Unterstützung könnte die Bereichsgebundenheit des Paares bestätigen, wobei ein Unterlaufen zu Abwärtspotenzial bis 26,60 führen könnte.

Risikoereignisse des Tages

  • HU: Bruttoinlandsprodukt Q1 (09:00)
  • PL: Bruttoinlandsprodukt Q1 (10:00)


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