Wöchentliche Marktberichte

Mai 18, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ungewissheit bleibt vorhanden

INTRO

Börsianer legen die schwachen Datenveröffentlichungen am Freitag größtenteils beiseite und treiben die Aktienmärkte in Europa und den Vereinigten Staaten nach oben. Für einen positiven Wochenabschluss reichte es letzten Endes jedoch nicht. Der Antagonismus zwischen den Bullen und Bären dehnt sich somit in die neue Woche, in welcher neben geldpolitischen Neuigkeiten auch hochwertige Wirtschaftsveröffentlichungen mögliche Katalysatoren darstellen. Insbesondere die Einkaufsmanagerindizes für die USA (Donnerstag) und die Eurozone (Freitag) werden hohe Aufmerksamkeit genießen, insbesondere da es sich um die ersten Schätzwerte für den Mai handelt.

Im Gegensatz zu den Aktienmärkten beenden Marktteilnehmer an den globalen Devisenmärkten die Woche größtenteils defensiv . Die am Freitag veröffentlichte US-amerikanische Industrieproduktion, welche den größten monatlichen Fall aller Zeiten verzeichnet hatte, untermauerte die Nachfrage nach sicheren Anlagen. Die Eurozone verzeichnet in den ersten drei Monaten des Jahres einen 3,8-prozentigen Fall der Wirtschaftsaktivität, während Deutschland offiziell in die Rezession fällt. Vor diesem Hintergrund werten die meisten risikobehafteten Währungen ab, während Gold ein knapp siebeneinhalbjähriges Hoch findet. Nun rückt erneut die Lockerung der Sperrmaßnahmen rund um den Globus in den Vordergrund. Eine reibungslose Rückkehr zur Normalität würde die Wirtschaftserholung im dritten Quartal stützen, wobei ein Anstieg der Infektionszahlen grundsätzlich negativ für risikobehaftete Anlagen wäre.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 4.716.931

Weltweit bestätigte Todesfälle: 315.244

Weltweit bestätigte Genesungen: 1.734.631

USD

Bewegt Powell erneut die Märkte?

Inmitten der staatlichen Eindämmungsmaßnahmen verzeichnet die US-amerikanische Industrieproduktion den größten monatlichen Fall seit Anfang der Datenlage nach dem Ersten Weltkrieg. Saison-bereinigt fällt die Industrieproduktion im April um 11,2 Prozent, marginal stärker als der erwartete Fall um 11,1 Prozent. Den größten Rücksetzer verzeichnete das verarbeitende Gewerbe, welches einen 13,7-prozentigen Fall hinnehmen muss. Konsumdaten bleiben vor dem „Lock-down“ Maßnahmen auch nicht verschont. Die Einzelhandelsumsätze fallen im April um 16,4 Prozent.  

In dieser Woche verlagert sich die Aufmerksamkeit mit der für den Dienstag angesetzten Rede des Fed-Präsidenten vor dem Parlament erneut hin zur Geldpolitik. Am Mittwoch werden die Protokolle des vergangenen geldpolitischen Treffens der US-Notenbank veröffentlicht. In der vergangenen Woche versetzte Jerome Powell den Märkten mit der expliziten Warnung vor einer möglichen längerfristigen Wirtschaftsschwäche einen Rücksetzer. Zuletzt hatte sich der Zentralbanker angesichts der nach unten geneigten Risiken für eine Ausweitung der fiskalischen Hilfspakete eingesetzt.

Noch in der gleichen Woche bestätigte das US-amerikanische Repräsentantenhaus das von den Demokraten zusätzlich ausgearbeitete Drei-Billionen-US-Dollar schwere Hilfspaket. Eine große Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Inkrafttretens hat das Paket jedoch nicht, zumal der US-Präsident seine Bereitschaft geäußert hat, ein Veto gegen den Gesetztesvorschlag einzulösen. Zuvor hatte sich der Präsident für eine Einführung der in Europa und Japan praktizierten Nullzinspolitik eingesetzt. Eine Maßnahme, welcher sich die Mehrheit des Offenmarktausschusses entgegensetzt.

Risikoereignisse des Tages

  • US: Keine Wirtschaftsveröffentlichungen

EUR

Deutschland in einer Rezession

Das am Freitag veröffentlichte Bruttoinlandsprodukt bestätigte die im Vorhinein von Ökonomen vermutete Kontraktion der europäischen Binnenwirtschaft. Die Wirtschaft der Eurozone fällt im ersten Quartal um 3,8 Prozent. Deutschland verzeichnet mit einem Fall von 2,2 Prozent den größten vierteljährlichen Abschwung seit der Finanzkrise 2009. Obwohl das zweite Quartal aufgrund der Sperrmaßnahmen laut ökonomischen Prognosen und Leitindikatoren deutlich schlimmer werden könnte, befindet sich Deutschland aufgrund der Kontraktion im vierten Quartal 2019 bereits offiziell in einer Rezession.

Andere Länder in der Eurozone hat es jedoch deutlich schlimmer getroffen. Frankreich verzeichnete laut dem Statistikinstitut Eurostat die größte vierteljährliche Kontraktion mit 5,8 Prozent. Die jüngsten Lockerungsmaßnahmen und positiven Zeichen aus China scheinen jedoch darauf schließen zu lassen, dass das dritte Quartal bessere Zahlen mit sich bringen wird.

Die europäische Handelswoche fängt aufgrund fehlender Wirtschaftsdaten relativ ruhig an und gewinnt zunehmend an Fahrt. Den datenseitigen Höhepunkt gibt es vor dem Wochenende mit den Veröffentlichungen der Flash-Einkaufsmanagerindizes und der Protokolle des vergangenen geldpolitischen Treffens der europäischen Zentralbank am Freitag. Davor könnten das deutsche ZEW Stimmungsbarometer (Dienstag) und die europäische Inflation (Mittwoch) neue Impulse schaffen.

Die europäische Gemeinschaftswährung befindet sich derzeit in einer enger werdenden Bewegungsspanne zwischen EUR/USD 1,0770 (dreiwöchiges Tief) und 1,0880 (4h-wöchentlicher Durchschnitt).

Risikoereignisse des Tages

  • EZ: Keine Wirtschaftsveröffentlichungen

CEE

BIP-Zahlen besser als erwartet

Schwache Wirtschaftsdaten aus der Eurozone und den Vereinigten Staaten trüben vor dem Wochenende den Ausblick für Zentraleuropa und drücken die Währungen erneut nach unten. Der ungarische Forint verzeichnet die fünfte tägliche Abwertung infolge, während die tschechische Krone nach einer schwachen Woche erneut nur 1,2 Prozent von dem fünfjährigen Tief notiert.

Die am Freitag veröffentlichten Wachstumsdaten für die zentraleuropäischen Volkswirtschaft fielen besser aus als erwartet. Die tschechische Wirtschaftsaktivität verzeichnet einen 3,6-prozentigen Rücksetzer in den ersten drei Monaten des Jahres. Ungarns Bruttoinlandsprodukt fällt 0,5 Prozent zum Vormonat. Eine allzu große Reaktion gab es an den Märkten infolge der Veröffentlichungen nicht. Ökonomen erwarten sich in den meisten Industriestaaten deutlich schwächere Zahlen im zweiten Quartal, was die Aussagekraft der Wachstumsdaten vom Freitag relativiert. Die zentraleuropäischen Währungen könnten somit weiterhin durch globale Entwicklungen dominiert werden, wobei in der Tschechischen Republik weiterhin Unklarheit über den geldpolitischen Pfad herrscht.

An der geldpolitischen Front äußerte sich der tschechische Zentralbank-Präsident über die derzeit fehlende Bereitschaft einer Währungsintervention. Über das Wochenende meldete sich ein weiteres Mitglied des geldpolitischen Rates zu Wort, welches sich gegen die Einführung einer Negativzinspolitik ausgesprochen hatte.

Risikoereignisse des Tages

  • PL: Netto-Inflation (14:00)


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