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Mai 15, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

US-China Handelsdisput vernachlässigt?

EUR

Drei Monate Zeit

Die juristische Position der Europäischen Notenbank und ihre Befugnis, in Krisenzeiten zu unkonventionellen Maßnahmen zu greifen, bleibt auch weiterhin das Gesprächsthema Nummer eins. Laut dem Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, Fabio Panetta, sei die EZB juristisch nur dem europäischen Gerichtshof unterstellt. Die Bundesbank sei derzeit mit den deutschen Behörden in Kontakt.

Zuvor hatte der Gouverneur der französischen Nationalbank bei einer Rede die Bereitschaft der EZB betont, ihr Mandat der Preisstabilität aufrecht zu halten. Jegliche Versuche, die Souveränität und Unabhängigkeit der Zentralbank zu hinterfragen, könnten in Konflikt mit diesem Ziel geraten. Noch bleibt Zeit sich der offenen Frage der Beziehung der europäischen Notenbank und den nationalen Gerichten zu widmen. Die Bundesbank hat der EZB eine dreimonatige Frist auferlegt, die unkonventionellen Maßnahmen seit dem Jahr 2015 zu rechtfertigen.

Vor der Veröffentlichung der Wachstumszahlen bleibt die Europäische Gemeinschaftswährung in der Defensive und hält sich knapp über dem Niveau 1,0770. Eine Überraschung bei den Bruttoinlandsprodukten und den Daten aus den Vereinigten Staaten könnte nochmals für Aufreger vor dem Wochenende sorgen.

Risikoereignisse des Tages

  • DE: Bruttoinlandsprodukt (10:00)
  • EZ: Bruttoinlandsprodukt (11:00)

INTRO

Die meisten Ökonomen und Analysten scheinen sich in den vergangenen Wochen die unmögliche Aufgabe auferlegt zu haben, die wirtschaftlichen Schäden des Coronavirus für die neuen Prognosen für dieses und das Folgejahr zu kalkulieren. In den meisten dieser leidenschaftlichen Berechnungen scheint der weiterhin anhaltende amerikanisch-chinesische Handelskrieg weitgehend verdrängt worden zu sein.

Dies zeigt sich ebenfalls bei der jüngsten Bloomberg-Befragung von 61 US-amerikanischen institutionellen Investoren und Tradern, welche die US-China Streitigkeiten nur als die neuntgrößte Sorge für die verbleibenden zwei Quartale sehen. Die größten Unsicherheitsfaktoren sind, wie nicht anders zu erwarten war, die Coronakrise, der angeschlagene Ausblick für die chinesische Wirtschaft und die möglichen Konsequenzen der Budgetdefizite einzelner Staaten.

Der Verdacht, dass das Beiseiteschieben der Handelsschwierigkeiten der beiden Länder womöglich eine Fehlkalkulation sein könnte, kam gestern erneut hoch. Der US-amerikanische Präsident verschärfte nochmals den Ton und äußerte sich über die fehlende Bereitschaft, sich mit dem chinesischen Parteiführer zu treffen. Laut Donald Trump wird es trotz der durch die Krise verursachten Schäden keine Neuverhandlungen über das unterzeichnete Handelsabkommen geben.  

Angesichts der erneut entfachten Skepsis bezüglich der anfangs geglaubten V-förmigen Wirtschaftserholung und den Stolpersteinen zwischen den USA und China zeigen sich Investoren wieder leicht pessimistisch.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 4.443.986

Weltweit bestätigte Todesfälle: 302.468

Weltweit bestätigte Genesungen: 1.588.502

USD

Stellenabbau hoch, Tendenz sinkend

In den vergangenen acht Wochen haben sich knapp 36,5 Millionen US-Amerikaner für die Arbeitslosenunterstützung angemeldet. Trotz des bestätigten Anstiegs der Arbeitslosenquote auf 14,7 Prozent – der höchste Wert seit der großen Depression in den 1930ern – scheint zumindest die Intensität der Entlassungen deutlich an Momentum verloren zu haben. In den vergangenen sechs Wochen hat sich die Anzahl neuer Anmeldungen für die Unterstützung ohne Ausnahme verringert. Laut ersten Prognosen könnte es noch dauern, bis die US-amerikanische Volkswirtschaft wieder anfängt, Arbeitsplätze zu schaffen. Die tendenzielle Abnahme der Entlassungen bietet jedoch Hoffnung.

Den datenseitigen Abschluss der Woche legt die Veröffentlichung der Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion fest. Von Reuters befragte Ökonomen gehen bei beiden Indikatoren von einem zweistelligen monatlichen Rückgang aus. In Verbindung mit den europäischen Wachstumsdaten könnte die „Safe-Haven-Funktion“ die Überhand gewinnen und leichte Vorteile für sichere Anlagen schaffen.

Risikoereignisse des Tages

  • US: Einzelhandelsumsätze (14:30)
  • US: Industrieproduktion (15:15)
  • US: Michigan Konsumenten-Vertrauen (16:00)

CHF

Verteidigung der EUR/CHF 1,05?

Schon vor dem Ausbruch der Coronakrise stand die Nachfrage nach der europäischen Gemeinschaftswährung auf relativ wackeligen Beinen. Trotz des unterzeichneten Handelsabkommens zwischen den USA und China blieb die Skepsis aufgrund ungelöster interner politischer Fragen und des im Januar entfachten Preiskriegs der OPEC erhöht. Im Laufe der momentanen Krise kamen neue Problemfelder hinzu, welche jedoch einen vergleichsweise geringen Einfluss auf das Paar genommen haben.

Ein Grund für diese Resistenz könnte in den vermuteten Interventionen der Schweizerischen Notenbank liegen, im Rahmen welcher die eigene Währung am Markt gegen den Euro verkauft wird, um den Aufwärtsdruck des Franken zu limitieren. Die Sichteinlagen kommerzieller Banken bei der SNB sind sechzehn Wochen infolge gestiegen, ein Zeichen erhöhter Intervention seitens der Notenbank.

Ungeachtet dessen drückten Investoren das Währungspaar unter die zuvor geglaubte „untere Grenze“ bei CHF 1,07. Nun richten sich die Blicke auf das Niveau um CHF 1,05, welches in Gefahr kommen könnte. In diesem Zusammenhang bleibt die Interventionsbereitschaft der Notenbank von durchaus großer Bedeutung. Wie weit diese Bereitschaft Letzen Endes gehen wird, bleibt jedoch offen.


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