Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Mai 14, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wechselspiel zwischen Skepsis und Zuversicht

INTRO

Die Zuversicht über die schrittweise Lockerung der Sperrmaßnahmen erlitt gestern erneut einen Rücksetzer. Zwar deuten einige Leitindikatoren darauf hin, dass das Schlimmste im wirtschaftlichen Sinne in vielen Ländern überstanden sei. Eine Annahme, welcher sich der Vizepräsident der europäischen Notenbank gestern angeschlossen hatte. Eine anfangs gedachte V-förmige Erholung sehen jedoch wenige Prognosen voraus.

Die am Anfang der Krise ausgelöste Liquiditätskrise wurde durch die schnelle Reaktion der Notenbanken und Regierungen im Keim erstickt, was ein Blick auf diverse Finanzstress-Indikatoren verrät. Ein nachhaltiger Arbeitsstellenabbau, Kreditausfälle und der Wechsel vom Konsum hin zu einem erhöhten Sparverhalten seitens der europäischen Verbraucher könnte jedoch eine Kette von Insolvenzfällen auslösen und den Aufschwung der Wirtschaft zeitlich nach hinten schieben.

All diese offenen Fragen scheinen das Sentiment in dieser Woche gedämpft zu haben und so verzeichnen die meisten Börsen in Europa und den USA nun den zweiten Verlusttag infolge. Marktteilnehmer hoffen auf weitere geldpolitische und fiskalische Unterstützung der Zentralbanken und Regierungen und auf eine Erholung der Leitindikatoren. Dies könnte die unmittelbare Skepsis dämpfen und die Blicke wieder nach vorne verlagern.

In diesem Zusammenhang könnte das wirtschaftliche Bulletin der Europäischen Zentralbank(10:00) neue Erkenntnisse liefern. Für Investoren auf den Rohstoffmärkten stellt die heutige Veröffentlichung des  Ölmarktausblicks der internationalen Energieagentur den Höhepunkt dar (10:00).

Weltweit bestätigte Coronafälle: 4.348.246

Weltweit bestätigte Todesfälle: 297.226

Weltweit bestätigte Genesungen: 1.549.425

EUR

Offene Fragen noch ohne Antwort

Die Rede des US-amerikanischen Fed-Präsidenten drängte gestern jegliche anderen geldpolitischen Diskussionen in den Hintergrund. Nichtsdestotrotz bot die Ansprache des EZB-Vizepräsidenten neue Erkenntnisse und Perspektiven. Wie Jerome Powell (Fed) scheint Luis de Guindos (EZB) zwar eine Erholung der Wirtschaft zu erwarten. Die Rückkehr zu soliden Wachstumszahlen könnte jedoch deutlich länger dauern, als noch vor wenigen Wochen gedacht.

Das allerschlimmste habe die Eurozone laut dem Vizepräsidenten hinter sich gelassen. Wie der Chefökonom der EZB in dieser Woche jedoch angedeutet hat, scheinen ökonomische Prognosen aufgrund der momentanen Unsicherheit ihre Gültigkeit teilweise verloren zu haben. Wie auch in den Vereinigten Staaten dominiert in Europa die Korrelation zwischen einem Anstieg der Unsicherheit und der Sparquote. Wann die europäischen Haushalte wieder in den Konsummodus wechseln, kann zu diesem Zeitpunkt nicht hervorgesagt werden.

Ein Blick auf diverse Leitindikatoren der europäischen Institutionen verrät: Die Unsicherheit ist noch nicht im Finanzsektor angekommen und ist primär auf den Stellenabbau im privaten Sektor fokussiert. Somit rückt die Frage in den Vordergrund, ob die Hilfspakete der individuellen Regierungen, der europäischen Exekutive und der EZB genug sein werden, um die Realwirtschaft erneut auf die Beine zu bringen.

Bevor am Freitag die im Vorhinein antizipierte Veröffentlichung der Bruttoinlandsprodukte für die Eurozone, Deutschland und die zentraleuropäischen Länder veröffentlicht wird, stehen heute noch eine Reihe wichtiger Daten an.

Risikoereignisse des Tages

  • FR: Arbeitslosenquote (07:30)
  • DE: Inflation (08:00)
  • EZ: Wirtschaftsausblick I Bulletin (10:00)
  • FR: Ölmarktausblick der IEA (10:00)

USD

Powell untermauert lockere Geldpolitik

In einer von dem Peterson Institut arrangierten Veranstaltung untermauert der Präsident der US-amerikanischen Zentralbank die derzeitige geldpolitische Expansion. Neben den kurzfristigen Risiken warnt Jerome Powell ebenfalls vor den Folgen eines längerfristigen Wirtschaftsrückgangs, welcher die derzeitigen „Liquiditätsprobleme“ rasch in „Insolvenzprobleme“ verwandeln könnte. Insbesondere aufgrund der historisch positiven Korrelation zwischen der Arbeitslosenquote und Kreditausfällen von Unternehmen und Hypotheken. Vor diesem Hintergrund seien weitere Hilfspakete nicht auszuschließen, wobei eine effektive Bekämpfung der Wirtschaftsabkühlung weitere Maßnahmen des Parlaments beinhalten müsste.

Der schwache Wirtschaftsausblick hat Spekulationen über eine weitere Lockerung der Notenbank entfacht, welche das Zinsniveau nominell in den negativen Bereich drücken würde. Jerome Powell sei sich der jüngsten Bewegungen an den Geldmärkten bewusst und untermauert nochmals die fehlende Bereitschaftsich den europäischen, japanischen und schweizerischen Währungshütern im Negativzinsumfeld anzuschließen.

Einen Abverkauf der Geldmarkt-Instrumente, mit welchen Investoren auf eine Senkung der Leitzinsen wetten, war nach der Rede des Präsidenten jedoch nicht zu erkennen. Marktteilnehmer werden die Spekulationen womöglich erst wieder fallen lassen, wenn sich die Datenlage – insbesondere am Arbeitsmarkt – wieder deutlich verbessert hat. Marktteilnehmer scheinen die Annahme einer raschen V-förmigen Erholung immer mehr in Frage zu stellen. Diese Skepsis wurde durch den pessimistischen Unterton des Fed-Präsidenten teilweise bestätigt, was die US-amerikanischen Börsen ansteigen und die Staatsanleihenrenditen sinken ließ.

Risikoereignisse des Tages

  • US: Wöchentliche Anmeldungen für die Arbeitslosenunterstützung (14:30)

PLN

Bereichsgebundene Bewegungen

Die Gemütslage an den globalen Finanzmärkten hat auch die zentraleuropäischen Währungen fest im Griff und bestimmt größtenteils die tägliche Tendenz der Bewegungen. Nichtsdestotrotz scheinen regionale Unterschiede weiterhin einen gewissen Teil der Varianz erklären zu können.

Der ungarische Forint und polnische Zloty werten den dritten Tag infolge ab. Die tschechische Krone hält dem gestrigen Schwächeanfall stand, befindet sich jedoch weiterhin nur knapp 1,2 Prozent vom fünfjährigen Tief entfernt. Signifikante Neuentwicklungen wird es in dieser Hinsicht nur geben, wenn der momentane Bewegungsbereich zwischen EUR/CZK 27,10 und 27,80 verlassen wird. EUR/HUF notiert derzeit in der Spanne zwischen 350,00 und 360,00, wobei EUR/PLN weiterhin eine Aufwärtstendenz aufweist, solange das Niveau um 4,51 nicht unterlaufen wurde.

Der größte kurzfristige Katalysator für die zentraleuropäischen Währungen wird voraussichtlich die morgige Veröffentlichung der Bruttoinlandsprodukten sein. Heute stehen die Sentiment-Indikatoren für Polen (13:00) und Ungarn (13:00) an der Tagesordnung.

Risikoereignisse des Tages

  • PL: Sentiment-Indikator (13:00)
  • HU: Sentiment-Indikator (13:00)


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.