Wöchentliche Marktberichte

Mai 12, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ruhiger Wochenauftakt

INTRO

Ohne fundamentale Neuigkeiten von der politischen Front gestaltete sich der Wochenauftakt angenehm ruhig. Eine unter den Marktteilnehmern anhaltende rationale Skepsis gegenüber der reibungslosen Öffnung der Volkswirtschaften limitiert jedoch größere Aufwärtsbewegungen. Die meisten europäischen Börsen beenden den gestrigen Tag im Minus, wobei Währungen in Schwellenländern im Durchschnitt einen ebenfalls durchwachsenen Wochenauftakt verzeichnen. Dies, obwohl sich China zu weiteren geldpolitischen Stimulusmaßnahmen bekannt hat. Wenige Tage vor der Veröffentlichung der Einzelhandelsumsätze und der Industrieproduktion (Freitag) untermauert die chinesische Zentralbank nochmals ihre Bereitschaft, der Wirtschaft expansiv unter die Arme zu greifen.

In den vergangenen Tagen sind erneut Anzeichen einer Anspannung zwischen Washington und Peking aufgetaucht, nachdem sich Donald Trump über die Herkunft des Coronavirus geäußert hatte. Eine erneute Konfrontation zwischen den beiden Staaten könnte die ersehnte Kapitalverlagerung in risikoreichere Währungen nach der Coronakrise in die Länge zögern, insbesondere da die protektionistische Rhetorik vor der Präsidentschaftswahl im November an Fahrt gewinnen könnte. An den Märkten ist von dieser vermeidlichen Anspannung jedoch noch nichts zu sehen. Die Volatilitätsindizes (VIX) für den europäischen und US-amerikanischen Aktienmarkt sind synchron mit der Abflachung der Infektionskurve gefallen.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 4.177.687

Weltweit bestätigte Todesfälle: 286.336

Weltweit bestätigte Genesungen: 1.456.318

EUR

EU droht mit Verfahren

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den höchsten legislativen  Institutionen Deutschlands und der europäischen Union gehen in die zweite Runde. Wenige Tage nachdem der deutsche Verfassungsgerichtshof den Anleihenkauf der europäischen Notenbank als teilweise rechtswidrig anerkannt hatte, erwägt die Kommissionschefin Ursula von der Leyen Deutschland einem Vertragsverletzungsverfahren zu unterziehen. Der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki nannte das deutsche Urteil eines der wichtigsten in der Geschichte der Europäischen Union. Die Reaktionen aus Italien fielen auf der anderen Seite alles andere als positiv aus, zumal das Urteil im schlimmsten Fall den Kauf italienischer Staatsanleihen seitens der EZB gefährden könnte.

Neben den natürlichen Unsicherheiten, welche mit einer Wiedereröffnung der europäischen Wirtschaft verbunden sind, könnte sich der politische Disput als die größte Gefahr für den Euro herausstellen. Ob dieser Risikofaktor einen kurz- oder längerfristigen Charakter annimmt, wird sich erst mit der Zeit zeigen.

Zum Wochenauftakt hielt sich die Volatilität, insbesondere aufgrund fehlender Datenveröffentlichungen in Grenzen. EUR/USD wertet marginal ab, befindet sich jedoch weiterhin innerhalb der knapp zweimonatigen Dreiecksformation mit der derzeitigen Bewegungsspanne zwischen 1,0770 und 1,0900.

Risikoereignisse des Tages

  • EZ: Keine Wirtschaftsveröffentlichung

USD

Fed gegen die Geldmärkte

Das Brechen von (meist negativen) Rekorden ist nichts Neues für die derzeitige Krise. Zum ersten Mal in der US-amerikanischen Geschichte preisen Termingeschäfte auf die „federal funds rate“ einen negativen Zinssatz für Juni 2021 ein. Dieses Signal der Geldmärkte trieb Investoren erneut in US-amerikanische Staatsanleihen, wobei die Kapitalverlagerung die Rendite zweijähriger Staatsanleihen auf ein Rekordtief von knapp unter 0,13 Prozent gedrückt hat. Unmittelbare Implikationen für die Leitwährung US-Dollar hatte das ganze jedoch nicht.

Das politische Stigma in den Vereinigten Staaten würde eine Implementierung der Negativzinspolitik deutlich erschweren, insbesondere da es laut einigen Ökonomen weiterhin an handfesten Beweisen der Effektivität der Maßnahme fehlt. Zweitens deuten die jüngsten Aussagen diverser Zentralbanker auf eine deutliche Präferenz, den Leitzins nicht unter die psychologische Barriere fallen zu lassen. Dies wurde zuletzt von Boston Fed-Präsident Eric Rosengren am 06. März bestätigt. Der Zentralbanker hatte sich klar gegen die Maßnahme ausgesprochen und betonte die möglichen verzerrenden Effekte auf das Bankensystem. In diesem Zusammenhang werden die sonst nur passiv wahrgenommenen Reden einzelner Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses deutliche Aufmerksamkeit genießen.

Risikoereignisse des Tages

  • US: Inflation (14:30)
  • US: Fed spricht – James Bullard (15:00)
  • US: Fed spricht – Randal Quarles (16:00)
  • US: Fed spricht – Patrick Harker (18:00)
  • US: Fed spricht – Loretta Mester (23:00)

CZK

Holub: QE nicht auszuschließen?

Inmitten des ungewöhnlich ruhigen Wochenauftakts sticht die tschechische Krone als Verlierer des gestrigen Tages heraus. Denn obwohl die Währungshüter des zentraleuropäischen Landes den Leitzins seit Februar bereits um 200 Basispunkte gesenkt haben, scheint eine weitere Lockerung nicht außer Frage zu stehen. Laut dem tschechischen Zentralbanker Tomáš Holub kann auch der bislang noch nicht zum Einsatz gekommene Staatsanleihenkauf – welcher sich seit der jüngsten parlamentarischen Bestätigung im geldpolitischen Repertoire der CNB befindet – nicht ausgeschlossen werden.

Die gestrige Aufwertung des Währungspaares EUR/CZK scheint den Einpreisungsprozess dieser neuen Information darzustellen. Ein tatsächlicher Einsatz der Maßnahme scheint zu diesem Zeitpunkt jedoch weiterhin unwahrscheinlich zu sein. Die seit Februar anhaltende Aufwärtstrendlinie  hat in der vergangenen Woche bei EUR/CZK 27,00 gehalten. An der Oberseite definiert das Niveau um 27,60 – 27,80 die erste Barriere für den Euro.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.