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Wöchentliche Marktberichte

Mai 11, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Versuch der vorsichtigen Wirtschaftsöffnung

Intro

In den vergangenen Wochen wurden die diversen regionalen Finanz- und Währungsmärkte von einem gemeinsamen Thema geleitet, welches auch zu den Zeiten der amerikanisch-chinesischen Handelsstreitigkeiten präsent war. Dabei handelt es sich um die fehlende Aufmerksamkeit, die makroökonomischen Veröffentlichungen geschenkt wird. Denn obwohl jede Woche neue Daten für die großen Volkswirtschaften die Folgen der derzeitigen Krise offenlegen, bleiben negative Reaktionen an den Aktienmärkten in den vergangenen Wochen aus.

Sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten und Asien haben sich die Börsen deutlich von den jüngst vergessenen Tiefen erholt. Marktteilnehmer haben somit aufgehört, die vergangenheitsorientierte Datenlage als für die Zukunft relevant zu erachten. Es scheint, als würden zum derzeitigen Zeitpunkt nur noch die Infektionszahlen und Neuigkeiten bezüglich eines Impfstoffs signifikante Reaktionen an den Märkten auslösen.

An den Währungsmärkten haben sich die durch Wirtschaftsveröffentlichungen ausgelösten Schwankungen zwar ebenfalls deutlich reduziert. Diverse Währungen in Zentraleuropa, Lateinamerika und Asien handeln ungeachtet dessen immer noch mit einer deutlichen Risikoprämie (5-10%) im Vergleich zu der Vorkrisen-Periode. Jüngst konnten einige Währungen angesichts der Erholung der Ölpreise und der massiven Hilfspakete der Regierungen und Zentralbanken wieder Fuß fassen. Eine nachhaltige Erholung dieser Währungen und eine Kapitalverlagerung in Schwellenländer hängt jedoch von der Annahme ab, dass sich die Datenschwäche nicht in das dritte Quartal ziehen wird. Jegliche Abweichungen von dieser Annahmen könnten neue Volatilitäten mit sich bringen.

 

Weltweit bestätigte Coronafälle: 4.103.136

Weltweit bestätigte Todesfälle: 282.727

Weltweit bestätigte Genesungen: 1.411.691

 

EUR

Wie stark war der Rückgang im ersten Quartal?

Diverse in der vergangenen Woche aufgetretene Unsicherheitsfaktoren setzten dem Euro zu und bescheren der Gemeinschaftswährung eine wöchentliche Abwertung. Die schwache wirtschaftliche Datenlage für die Eurozone spielte in diesem Zusammenhang jedoch keine allzu große Rolle. Zwar verzeichnen die Einzelhandelsumsätze im vergangenen Monat einen Rückgang von 9,2 Prozent. Und auch die Industrieproduktion erleidet in Deutschland und Frankreich mit einem monatlichen Verlust von 9,2 und 16,2 Prozent erhebliche Rücksetzer.

Der größte negative Wechselkurstreiber war jedoch politischer Natur.  Der deutsche Bundesverfassungsgerichtshoferklärte die im Jahr 2015 eingeführten Staatsanleihenkäufe der europäischen Notenbank als teilweise rechtswidrig an. In der mehrheitlichen Entscheidung wurden diverse Meinungsverschiedenheiten mit den Währungshütern und dem europäischen Gerichtshof festgestellt, wobei weiterhin offen bleibt, welche nachhaltigen Implikationen der Rechtsspruch für die Zentralbank haben könnte. Insbesondere da sich sowohl die Präsidentin der Zentralbank, als auch einige Repräsentanten des EuGH kritisch über das deutsche Urteil geäußert haben.

In diesem Zusammenhang bleiben die politischen Meinungsverschiedenheiten und die möglichen Implikationen dessen im Fokus der Marktteilnehmer. Aufseiten neuer Wirtschaftsdaten wird wohl die Veröffentlichung der Bruttoinlandsprodukte für die Eurozone und Deutschland am Freitag den datenseitigen Höhepunkt der Woche definieren.

Risikoereignisse des Tages

  • IT: Industrieproduktion (10:00)

USD

Historischer Arbeitslosenabbau

Der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht bestätigte den im Vorhinein gehegten und von Leitindikatoren prognostizierten Verdacht eines erheblichen Arbeitsstellenabbaus. Im April wurden in den Vereinigten Staaten ganze 20,5 Millionen neue Arbeitslose verzeichnet, was die Arbeitslosenquote auf 14,7 Prozent angehoben hat. Dies stellt den größten monatlichen Stellenabbau und die zweithöchste Arbeitslosenquote aller Zeiten dar.

Trotz der historischen Datenschwäche hielten sich die drei wichtigsten US-amerikanischen Aktienleitindizes über Wasser und beenden die Woche sogar deutlich im Plus. Ein Grund für die Indifferenz zur Datenlage liegt darin, dass sich einige Ökonomen angesichts der Zahlen diverser Leitindikatoren einen deutlich höheren Arbeitsabbau erwartet hatten. Ein weiterer positiver Faktor liegt in dem prozentuellen Anstieg der Personen, welche als „kurzzeitig arbeitslos“ vermeldet worden waren. Dieser Abteil ist innerhalb von zwei Monaten von 29 auf 88 Prozent gestiegen. Sollten diese Personen nach der Krise zurück in den Arbeitsmarkt gelangen, würde die Arbeitslosenquote auf knapp neun Prozent sinken.

Risikoereignisse des Tages

  • US: Keine Wirtschaftsveröffentlichung

CEE

Forint als Outperformer

Der ungarische Forint legt eine sonst in Krisenzeiten ungewöhnliche Stabilität an den Tag und wertet gegenüber der tschechischen Krone und dem polnischen Zloty auf ein siebenwöchiges Hoch auf. EUR/HUF durchbricht am Freitag sogar die psychologische Barriere bei 350,00, nachdem die ungarische Inflation den viertgrößten monatlichen Verfall seit 1995 verzeichnet hatte. Die Inflation sinkt auf Monatsbasis von 3,9 auf 2,4 Prozent.

Die ungarischen Währungshüter hatten sich im März aufgrund der hohen Teuerungsrate noch gegen eine Zinssenkung ausgesprochen und waren somit die einzige Notenbank in Zentraleuropa, welche keine geldpolitischen Lockerungen durchgeführt hat. Dies kommt dem Forint zugunsten, obwohl die Wirtschaftsabkühlung auch in Ungarn Fuß gefasst hat.

Der datenseitige Höhepunkt der Woche wird am Freitag durch die Veröffentlichung der Bruttoinlandsprodukte für die drei zentraleuropäischen Länder definiert. In allen drei Volkswirtschaften ist mit einem starken Rückgang im ersten Quartal zu rechnen. Das tatsächliche Ausmaß der Sperrmaßnahmen wird wohl erst im zweiten Quartal sichtbar werden. Regionale Unterschiede in der Datenlage könnten individuelle Währungsvorteile schaffen und stehen somit im Vordergrund.


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