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Wöchentliche Marktberichte

Mai 07, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Zurück zur Normalität?

Intro

Aufgrund der seit einigen Wochen sinkenden Rate der Neuinfektionen schrauben die Regierungen in Europa ihre auferlegten Sperrmaßnahmen erheblich zurück und versuchen nun in der Lockerungspolitik ihr Glück zu finden. In den meisten Ländern am alten Kontinent sollen wie schon in Deutschland, Österreich und der Schweiz erste Geschäftsöffnungen durchgeführt werden. Die ersten Versuche zur Normalität zurückzufinden, begrenzen sich bislang auf kleinere Lokale und Geschäfte wie Tabaktrafiken und Friseure. Restaurants und größere Hotelketten sollen in den meisten Ländern Ende Mai eröffnen, wobei auch hier bundesstaatliche Unterschiede zu beachten sind.

In Spanien wurde in der Zwischenzeit der nationale Notstand zum zweiten Mal verlängert. Positive Nachrichten gab es aus Italien, nachdem nach 60 Tagen der absoluten Abriegelung wieder Produktionsaufnahmen bestätigt wurden und knapp 4,5 Millionen Menschen in ihre Büros zurückkehrten. Die Situation bleibt trotz der jüngst positiven Entwicklung angespannt, zumal die Zahl der weltweit an dem Coronavirus verstorbenen Menschen auf 260.000 angestiegen ist.

In der Zwischenzeit lehnt der Oberste Gerichtshof in den USA den Antrag zur Aufhebung der Sperrmaßnahmen im Bundesstaat Pennsylvania ab. Die Aufforderung wurde auf die Bitte diverser Unternehmen im Rahmen einer politischen Kampagne vor das Gericht mit dem Argument gelegt, dass die Sperrmaßnahmen die verfassungsmäßigen Rechte der Bürger verletzen würden.

Die in Folge der Coronakrise entstandenen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen spalten immer stärker die politischen Gemüter. Im April wurden laut dem privaten ADP Arbeitsmarktbericht knapp 20 Millionen Arbeitsstellen in den Vereinigten Staaten abgebaut. Am Mittwoch bestätigte Donald Trump, dass sich das Ziel der im Rahmen der Krise gebildeten Corona-Spezialeinheit (Coronvirus task-force) nun auf die Hilfestellung bei der Wiedereröffnung der Wirtschaft fokussieren wird. Der US-amerikanische Präsident forderte mehr Bundesstaaten zur Öffnung auf, unter Einhaltung der bestehenden Distanzierungsmaßnahmen.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 3.753.112

Weltweit bestätigte Todesfälle: 263.841

Weltweit bestätigte Genesungen: 1.245.544

EUR

Dienstleistungssektor bricht ein

Mit den privaten Konsumausgaben steht und fällt in entwickelten Ländern das Wirtschaftswachstum. Insbesondere in der Europäischen Union, in welcher der Privatkonsum fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, scheinen die Sperrmaßnahmen und somit die verlorenen Erträge schwerwiegende Folgen zu haben. Ersichtlich wurde dies an den gestern veröffentlichten Einzelhandelsumsätzen, welche mit einem Rückgang von 9,2 Prozent den größten monatlichen Rücksetzer aller Zeiten verzeichnen mussten.

Bestätigt wurde die Datenschwäche im Dienstleistungssektor durch die gestrigen Einkaufsmanagerindizes. Dieser fällt in den meisten Mitgliedern der Eurozone ebenfalls auf neue Tiefen, wobei Spanien mit einem Stimmungsbarometer von 7,1 (Unter 50 deutet auf eine Kontraktion des Sektors) besondere Schwäche zeigt.

Die gestrige negative Reaktion der Gemeinschaftswährung deutet darauf hin, dass trotz der größtenteils eingepreisten Datenschwäche erhebliches Überraschungspotenzial besteht. In diesem Sinne rücken am heutigen Handelstag die französische Industrieproduktion und die italienischen Einzelhandelsumsätze in den Vordergrund. Ebenfalls veröffentlicht die europäische Zentralbank ihren jährlichen Bericht des vergangenen Jahres, welchem angesichts der momentanen Situation wohl geringere Aufmerksamkeit geschenkt werden wird.

Die dritte tägliche Abwertung infolge bringt nun das Niveau um 1,0770 in den Fokus, wobei ein Unterlaufen Potenzial bis 1,0690 wecken könnte. An der Oberseite bleibt 1,10 die zu überwindende Barriere.

Risikoereignisse des Tages

  • FR: Industrieproduktion (08:45)
  • IT: Einzelhandelsumsätze (10:00)

USD

Wie schlecht wird der Arbeitsmarktbericht?

Eine von der US-amerikanischen Personalvereinigung (Society for Human Resource Management) veröffentlichte Studie scheint neues Licht auf den derzeitigen Stand der Klein- und Mittelunternehmen in der größten Volkswirtschaft der Welt zu werfen. Laut dem Institut erwarten sich knapp die Hälfte der US-amerikanischen Kleinunternehmen in den nächsten sechs Monaten schließen zu müssen. In New York könnte sich die Arbeitslosigkeit auf 12 Prozent verdreifachen. Die Umfrage unter 375 Unternehmen wurde zwischen dem 15. Und 21. April durchgeführt und berücksichtigt nicht die verbesserten Geschäftsbedingungen der vergangenen Wochen. Obwohl die Aussagekraft der Prognose somit limitiert ist, zeigt sie die Wichtigkeit einer raschen und reibungslosen Lockerung der Sperrmaßnahmen.

In der Zwischenzeit bestätigt der private ADP Arbeitsmarktbericht den Abbau von 20,2 Millionen Arbeitsstellen im April. Die Reaktionen auf die Datenherausgabe hielten sich in Grenzen, insbesondere da die wöchentliche Veröffentlichung der Anmeldungen für die Arbeitslosenunterstützung ohnehin einen starken Fall angedeutet hat. Ebenfalls warten Marktteilnehmer auf die offizielle Veröffentlichung der staatlichen Zahlen zum Arbeitsrückgang und der neuen Arbeitslosenquote, welche laut den Markterwartungen zwischen 16 und 22 Prozent liegen könnte.

Risikoereignisse des Tages

  • US: Wöchentliche Anmeldungen für die Arbeitslosenunterstützung (14:30)

CEE

Divergenz der Umsätze

Die tschechischen Einzelhandelsumsätze verzeichnet im März angesichts der präventiven Sperrmaßnahmen einen jährlichen Rückgang von 17 Prozent. Den größten Erklärungsfaktor in dem Fall scheint der Rücksetzer des Automobilsektors darzustellen. Die Anmeldungen neuer Kraftfahrzeuge sind im März um ganze 36 Prozent gesunken. Ein Bild, welches sich nicht nur in Zentraleuropa abzeichnet.

Sowohl in Italien als auch in dem Vereinigten Königreich sind die Neuanmeldungen im April um knapp 98 Prozent zum Vorjahr gefallen. Und auch wenn die Abkühlungserscheinungen in Ungarn angekommen sind, übertrifft der 3,5-Prozentige Anstieg der Einzelhandelsumsätze deutlich die Erwartungen.

Ungeachtet der Datenlage profitieren sowohl der ungarische Forint, als auch die tschechische Krone von dem derzeitigen Marktsentiment. EUR/HUF unterläuft sogar die siebenwöchige Unterstützung bei 349,00 und könnte weiter fallen, falls sich der Forint unterhalb des Niveaus halten kann. EUR/CZK bleibt trotz der dreitägigen Schwäche im Aufwärtstrend, solange das Währungspaar nicht die Unterstützung bei 26,90 unterläuft. 


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