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Wöchentliche Marktberichte

Mai 04, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Intro

Die gesundheitliche Krise und die einhergehenden makroökonomischen Unsicherheiten dominierten in den vergangenen Wochen das Geschehen an den globalen Finanzmärkten. Mit jeder neuen Datenveröffentlichungen wurde das Ausmaß der weltweiten Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität deutlicher. Die meisten wichtigen Stimmungsbarometer für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor mussten in Europa und den Vereinigten Staaten im März und April die größten monatlichen Rücksetzer aller Zeiten verzeichnen. Der im Laufe dieser Krise induzierte Abverkauf an den globalen Börsen und risikobehafteter Währungen scheint sich Ende März jedoch erheblich stabilisiert, im Falle der Aktienmärkte sogar umgekehrt, zu haben.

Insbesondere aufgrund der bisherigen erfolgreichen Abflachung der Infektionskurve in den beiden Regionen haben Investoren die makroökonomische Datenlage im April ignoriert. Nichtsdestotrotz besteht weiterhin eine gewisse Unsicherheit über das Ausmaß der tatsächlichen Abschwächung der jeweiligen Volkswirtschaft. In diesem Zusammenhang könnte der anstehende US-Arbeitsmarktbericht am Freitag neue Erkenntnisse bieten, insbesondere da Ökonomen davon ausgehen, dass im April der größte Arbeitsstellenabbau aller Zeiten verzeichnet wurde.

Der erwartete Anstieg der Arbeitslosenquote in den zweistelligen Bereich und die historische geldpolitische Expansion der US-Notenbank konnten dem US-Dollar bislang noch nicht schaden , auch wenn der handelsgewichtete US-Dollar-Index die sechste tägliche Abwertung infolge verzeichnen musste. Begründet wird dies durch die anhaltende Anspannung an den Finanzmärkten und die fehlende Gewissheit über die Wahrscheinlichkeit einer möglichen zweiten Infektionswelle. Solange diesbezüglich keine Klarheit geschaffen wird, könnte der US-Dollar trotz der heimischen Probleme gefragt bleiben.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 3.507.053

Weltweit bestätigte Todesfälle: 247.475

Weltweit bestätigte Genesungen: 1.125.308

EUR

Liquiditätszufuhr erhöht

Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ am vergangenen Donnerstag sowohl den Leitzins als auch das Anleihenkaufprogramm unverändert. Stattdessen wurden neue Instrumente zur Förderung der Kreditvergabe verkündet, um dem im schlimmsten Fall zweistelligen Wirtschaftsrückgang in diesem Jahr entgegenzuwirken.

Angesichts der vor einigen Tagen veröffentlichten Kreditumfrage, in welcher die Anspannungen im Finanzsystem deutlich zum Vorschein kamen, lockerte die Notenbank die Kreditbedingungen für Geschäftsbanken. Im Rahmen des langfristigen Kreditvergabeprogramms (TLTRO III) senkt die Notenbank den Zinssatz von Juni 2020 bis Juni 2021 auf 50 Basispunkte unterhalb des Zinssatzes für  Hauptrefinanzierungsoperationen. Neben dem im März verkündeten Pandemie-Kaufprogramm (PEPP) im Wert von 750 Milliarden Euro – welches laut Schätzungen im Juni um 500 Milliarden Euro ansteigen könnte – wurde am Donnerstag eine neue Refinanzierungsoperationen namens PELTRO verkündet.

Auch wenn sich die EZB relativ expansiv positioniert hat, bleiben die jüngsten Lockerungsversuche im Volumen deutlich hinter denen der US-amerikanischen Notenbank. Dies könnte in Verbindung mit dem signifikanten Anstieg der Arbeitslosenquote in den USA leichte makroökonomische Vorteile für die europäische Gemeinschaftswährung schaffen. Eine nachhaltige Erholung des Euro gegenüber dem US-Dollar und dem Schweizer Franken wird jedoch stark von der Lösung der europäischen Kreditprobleme und dem Ausgangspunkt der Länder nach der Krise abhängen.

Risikoereignisse des Tages

  • DE: Einkaufsmanagerindex – verarbeitende Gewerbe (09:55)
  • EZ: Einkaufsmanagerindex – verarbeitende Gewerbe (10:00)

USD

Größer Stellenabbau aller Zeiten?

Zum Höhepunkt der Finanzkrise im Oktober 2009 erreichte die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten mit zehn Prozent ein mehrjähriges Hoch. Die durch die Coronakrise kurzzeitig ausgelöste Welle an neuen Arbeitslosen wird diesen negativen Rekord laut ersten Schätzungen wohl schon im April übertroffen haben. In den vergangenen fünf Wochen haben sich in den Vereinigten Staaten knapp 30 Millionen Menschen für die Arbeitslosenunterstützung angemeldet. Da nicht jeder Antrag einen positiven Bescheid erhält, gehen Ökonomen davon aus, dass im April 22 Millionen Stellen abgebaut wurden. Dies würde den Verlust aller geschaffenen Arbeitsplätze seit der vergangenen Finanzkrise annullieren. Sollten die Prognosen zutreffen, könnte der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht eine Arbeitslosenquote von knapp 16 Prozent bestätigen.

Ebenfalls wäre dies der größte monatliche Arbeitsstellenabbau seit der ersten Datenaufzeichnung im Jahr 1939. Der Arbeitsmarktbericht könnte Einsichten über den weiteren Verlauf der Krise geben. Insbesondere die Zahl der temporär entlassenen Arbeiter wird in diesem Zusammenhang hohe Aufmerksamkeit genießen. Im März stieg diese Zahl in Relation zu den Gesamtentlassungen von 29 auf 47 Prozent.

Risikoereignis des Tages

  • US: Werkaufträge (16:00)

CEE

Geldpolitischer Fokus

Zentraleuropäische Währungen scheinen sich nach einem der größten Abverkäufe der vergangenen paar Jahre, ausgelöst durch die Kapitalverlagerung in Folge der Coronakrise, wieder deutlich stabilisiert zu haben. Die Unterstützungen der Notenbanken, als auch die angekündigten Hilfspakete der regionalen Regierungen haben es geschafft, die Nerven der Investoren zum größten Teil zu wieder zu beruhigen.

In dieser Woche tätigt die ungarische Notenbank am Dienstag ihren ersten Staatsanleihenkauf. Der geldpolitische Fokus zieht sich durch die ganze Woche und findet am Donnerstag mit dem Treffen der tschechischen Notenbank einen Höhepunkt. Marktteilnehmer und Geldmärkte gehen von einer Zinssenkung im Wert von 50 Basispunkten aus.

Auch in Polen hat die Notenbank angefangen, die neu emittierten Schulscheine des Finanzministers abzukaufen. Die anfangs erwartete negative Auswirkung auf den polnischen Zloty bleibt bislang jedoch aus. In diesem Zusammenhang wäre es für die Glaubwürdigkeit und Transparenz des Programms wichtig, ein Austrittsdatum und die genaue Menge der Ankäufe zu fixieren und öffentlich zu machen.


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