Wöchentliche Marktberichte

Apr 28, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität

INTRO

Langsam aber sicher trauen sich die europäischen Regierungen, die in den vergangenen Wochen auferlegten Sperren und Bewegungseinschränkungen aufzuheben. Obwohl einige Bedenken über die frühzeitige Öffnung der Volkswirtschaften bestehen, gibt die deutlich gefallene Rate der Neuinfektionen und das rasche Handeln der Staaten Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität. Italien und Spanien – die zwei am stärksten betroffenen Regionen Europas – werden sich laut den jüngsten Aussagen Ländern wie Deutschland und Österreich in den ersten Lockerungsbestrebungen der Beschränkungen anschließen.

In der Schweiz wurde gestern kleineren Einzelhändler wie Gartengeschäfte die Öffnung erlaubt. In Österreich könnte der Großteil der Wirtschaftsaktivität bis Ende Mai wieder auf den Beinen stehen. Laut den jüngsten Plänen der Regierung sollten größere Geschäfte an dem 02. Mai, Kirchen, Restaurants und Hotels ab dem 15. Mai geöffnet werden. Die teilweise Öffnung der Schulen in Deutschland steht ab dem 04. Mai an. 

Die Unsicherheiten und Ängste um eine zweite, oder gar dritte Infektionswelle bleiben jedoch groß und könnten die Bewegungen an den Finanzmärkten noch eine Zeit lang prägen. Die katastrophalen Wirtschaftsdaten und der erwartete zweistellige Wirtschaftsrückgang der meisten Industriestaaten im zweiten Quartal scheinen Investoren jedoch hinter sich gelassen zu haben. Es bleibt zu hoffen, dass die Annahme einer nachhaltigen Reduktion der Infektionsraten und der konsequente Wirtschaftsaufschwung im dritten Quartal zumindest einen Teil der Verluste im ersten Halbjahr wieder wettmachen kann. Sollte sich dies als zu optimistisch herausstellen, könnte es zu Neupositionierungen an den Märkten mit sich ziehen.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 3.041.777

Weltweit bestätigte Todesfälle: 211.170

Weltweit bestätigte Genesungen: 894.073

EUR

Vorschau auf die Zinsentscheidung

Angesichts des möglichen zweistelligen Wirtschaftsrückgangs der Eurozone in diesem Jahr rief die europäische Notenbank im März das Pandemie-Paket (Pandemic emergency purchase program) ins Leben. Die geldpolitischen Ziele der Notenbank sind somit in Verbindung mit der Erweiterung des Anleihenkaufprogramms auf Unternehmensanleihen deutlich klarer geworden. Zum einen wollen die Währungshüter den Teufelskreis von Kreditabstufungen einzelner Staaten und Unternehmen verhindern und die Risikoprämien reduzieren. Andererseits soll damit der realwirtschaftliche Teil der Ökonomie gestärkt werden.

Zwei Indikatoren weisen jedoch auf weitere geldpolitische Maßnahmen der EZB. Zum einen drücken die derzeit niedrigen Ölpreise die Inflationserwartungen nach unten, was laut dem Mandat der Notenbank zur weiteren Expansion der Geldpolitik führen könnte. Weiters bleiben die finanziellen Rahmenbedingungen in der Eurozone im Vergleich zu der Vorkrisenphase angespannt. Dies zeigt sich unter anderem in dem Finanzstressindikator von der britischen Analytik-Firma Oxford Economics, welcher im April das höchste Niveau seit der Eurokrise im Jahr 2012 erreicht hatte.

Eine starke Kommunikation der EZB könnte die Währungshüter fürs Erste glücklich stimmen. Dies würde der Notenbank die Möglichkeit geben, ihre Strategie in den nächsten Monaten flexibel zu gestalten. Einige von Bloomberg befragte Ökonomen gehen jedoch schon am Donnerstag von einer Ausweitung des Pandemie-Hilfsprogramms um knapp 500 Milliarden Euro aus.

CHF

SNB verteidigt das Niveau um EUR/CHF 1,05

Dass die schweizerische Notenbank seit einigen Jahren den niedrigsten Leitzins der Welt hat, scheint risikoaverse Investoren keineswegs zu stören. Wie auch der US-Dollar und der japanische Yen profitierte der Schweizer Franken von der durch die Coronakrise hervorgerufenen Kapitalverlagerung in sichere Währungen. Dies hat den ohnehin seit April 2018 anhaltenden Abwärtstrend des EUR/CHF beschleunigt, welcher nun bei dem Niveau um 1,05 deutliche Unterstützung erhalten hat.

Wie die Sichteinlagen der schweizerischen Notenbank jedoch zeigen, kommt die Unterstützung nicht gänzlich von den privaten und institutionellen Akteuren im Devisenmarkt. Vielmehr versucht die SNB durch Verkäufe der eigenen Währung den Aufwärtstrend des Franken zu limitieren. Die gestern veröffentlichten Sichteinlagen – ein Maß für die Interventionsfreudigkeit der SNB – sind in der vergangenen Woche erneut um beachtliche 13,4 Milliarden Franken angestiegen.

Kurzfristig könnte ein Ausbruch jenseits der EUR/CHF 1,0580 zu weiteren Aufwärtsbewegungen führen. Die längerfristige Hürde bei 1,0850 dürfte angesichts der erheblichen Marktrisiken, den Unsicherheiten bezüglich der Kreditfähigkeit einzelner südeuropäischer Länder und der risikoaversen Haltung an den Märkten noch unangetastet bleiben.

CEE

Zinsentscheidung in Ungarn

Währungen in Zentraleuropa verzeichnen einen unspektakulären Wochenauftakt. Trotz eines leicht verbesserten Risikosentiments am ersten Handelstag der Woche, ersichtlich durch den positiven Handelsschluss der globalen Aktienmärkte – halten sich die Währungsbewegungen in Zentraleuropa in Grenzen. Somit ist noch nichts von dem theoretisch positiven Effekt der globalen Ausweitung der Geldpolitik noch nichts zu sehen. Den regionalen Höhepunkt macht die heutige Zinsentscheidung der ungarischen Notenbank aus. Veränderungen der Leitzinsen werden von Ökonomen nicht erwartet, wobei sich Marktteilnehmer Einblicke in die Bedingungen des geplanten Staatsanleihenkaufprogramms erhoffen.


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