Wöchentliche Marktberichte

Apr 27, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Aufmerksamkeit auf den Notenbanken

INTRO

Inmitten der globalen Abkühlungserscheinungen und der ersten Lockerungsversuche der Sperrmaßnahmen sahen sich die drei wichtigsten Notenbank der Welt zur geldpolitischen Aktivierung gezwungen. Das Pandemie-Hilfspaket der Europäischen Union, die enorme Ausweitung der Notenbankbilanz seitens der Federal Reserve und die geldpolitische Unterstützung der japanischen Währungshüter spielten in der Bekämpfung der Marktvolatilitäten eine signifikante Rolle.

Vor den jeweiligen Zinsentscheidungen am Montag (BoJ), Mittwoch (Fed) und Donnerstag (ECB) stehen die Notenbanken erneut unter Druck. Zinssenkungen werden zwar nicht erwartet. Angesichts der fragilen Situation an den Finanzmärkten wird jedoch jedes Wort zweimal umgedreht werden. Die US-amerikanische Notenbank könnte neue  Einblicke über die Situation am Geld- und Unternehmensanleihenmarkt liefern, wobei die EZB die Erweiterung der Anleihenkäufe verkünden könnte. Fragen bezüglich der Dauer der jeweiligen Anleihenkaufprogramme, der derzeitigen Wirtschaftssituation und der Forward-Guidance der Leitzinsen stehen im Zentrum und könnten das Risikosentiment – und somit auch die Devisenmärkte – signifikant beeinflussen.

Ebenfalls für das allgemeine Marktsentiment von Bedeutung werden die Quartalsergebnisse der US-amerikanischen Großkonzerne sein. Unternehmen wie Alphabet, Microsoft, Apple, Amazon und Facebook berichten über ihre Ergebnisse in den ersten drei Monaten des Jahres und aktualisieren ihre Erwartungen für das Geschäftsjahr. Angesichts der hohen Korrelation zwischen den Gewinnerwartungen, dem US-amerikanischen Aktienmarkt und risikoreicheren Währungen, könnte dies zu Neupositionierungen führen.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 2.971.639

Weltweit bestätigte Todesfälle: 206.542

Weltweit bestätigte Genesungen: 865.925

EUR

Ifo-Geschäftsklima auf Allzeittief

Die jüngst veröffentlichten Wirtschaftsdaten wiesen einen ganz klar negativen Charakter auf. Die monatliche Herausgabe der Stimmungsindikatoren für die globale Ökonomie, die Eurozone und die Vereinigten Staaten deuten auf starke Kontraktionen der jeweiligen Wirtschaftsaktivität für das zweite Quartal. Zuletzt schloss sich die Veröffentlichung des deutschen Ifo-Geschäftsklimaindikators in das bestehende negative Bild, nachdem dieser auf den niedrigsten Stand seit der ersten Datenerhebung in 1992 gefallen war (74,3 von 85,9). Der Sub-Indikator, welcher die zukünftige Konjunkturerwartung widerspiegelt, fällt sogar auf einen Wert von 69,4.

Dass sich die globalen Aktienmärkte trotz der schwachen Datenlage in den vergangenen Wochen deutlich nach oben kämpfen konnten, liegt dabei an den rasch ergriffenen wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken und der Hoffnung einer schnellen Erholung der Weltkonjunktur. Zum derzeitigen Stand wurden auf europäische Ebene Hilfspakete im Wert von 550 Milliarden Euro bestätigt. Die Notenbank kämpft den Verlangsamungserscheinungen mit einem 750 Milliarden Euro schweren Stimulus entgegen. Dieser soll sich laut von Bloomberg befragten Ökonomen um ganze 500 Milliarden erhöhen.

Risikoereignis der Woche (Donnerstag)

Veröffentlichung des europäischen Bruttoinlandsprodukts (11:00), gefolgt von der Zinsentscheidung der europäischen Notenbank (13:45).

USD

Erste Öffnungsversuche

Das US-amerikanische Parlament hat in der vergangenen Woche eine neue Runde von Konjunkturmaßnahmen verabschiedet, welche sich auf weitere 483 Milliarden US-Dollar belaufen. Den größten Teil nehmen das Schutzprogram für Arbeitnehmergehälter mit 320 Milliarden US-Dollar in Anspruch.

In der Zwischenzeit steht die Öffnung von sechs südlichen Bundesstaaten – Florida, Mississippi, Alabama, Georgia, South Carolina und Tennessee bevor. Das Weiße Haus plant eine verzögerte Öffnung der Staaten, um die mögliche zweite Infektionswelle besser zu studieren und unter Kontrolle zu bringen. In diesem Sinne hat der US-amerikanische Präsident eine Verordnung erlassen, welche die Ausstellung neuer Green Cards für die nächsten 60 Tage verhindert.

Der handelsgewichtete US-Dollar-Index sinkt den zweiten Tag infolge, angetrieben von Aufwertungen im EUR/USD. Neben den Zinsentscheidungen stellt die Veröffentlichung der beiden Wachstumszahlen für die Eurozone und die USA eine wichtige Komponente dieser Woche dar, insbesondere da große Diskrepanzen in den Schätzungen der Ökonomen bestehen.

Risikoereignis der Woche (Mittwoch)

Veröffentlichung des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (14:30), gefolgt von der Zinsentscheidung der Federal Reserve (20:00).

RUB

Russland senkt Zinssatz auf 5,5 Prozent

Die russische Notenbank schließt sich den zahlreichen expansiven Notenbanken in Schwellenländern an und senkt den Leitzins um 50 Basispunkte auf 5,5 Prozent. Weitere Lockerungsschritte sind hierbei nicht auszuschließen, sollte sich die Konjunktur Russland weiterhin negative entwickeln. In dem Basisszenario geht die Notenbank von einem Wirtschaftsrückgang um durchschnittlich fünf Prozent aus. Eine deutliche Revision von der vor der Krise erwarteten eineinhalbprozentigen Expansion. Trotz der geldpolitischen Lockerung legt der russische Rubel gegenüber dem Euro leicht zu, womöglich wegen der deutlichen Entlastung der Ölpreise, welche sich in den vergangenen Tagen wieder marginale festigen konnten. Eine nachhaltige Preiserholung könnte dem Rubel angesichts der starken makroökonomischen Stabilität Russlands Rückenwind verschaffen.


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