Wöchentliche Marktberichte

Apr 23, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ölpreis stabilisiert sich an niedrigen Niveaus

INTRO

Nach einem turbulenten Start in die Woche scheinen sich die globalen Finanzmärktewieder leicht beruhigt zu haben. Sowohl der am Montag in den negativen Bereich gefallene Preis für die nordamerikanische ÖlSorte West Texas Intermediate (WTI), als auch die in Europa verwendende Sorte Brent konnten sich am gestrigen Handelstag festigen.

Die offene Frage über die nachhaltige Stabilisierung des Ölmarkts wird Investoren in den nächsten Wochen jedoch weiterhin verfolgen, da weder die Angebots- noch die Nachfrageseite strukturelle Verbesserungen aufzeigen. Am Dienstag war der Preis der Sorte Brent in der Spitze auf ein 18-Jahres-Tief auf 16 US-Dollar gefallen. Ebenfalls bleibt fraglich, ob sich diverse ölabhängige Firmen durch die ausfallenden Gewinnerträge über Wasser halten können und welchen Anteil des Schocks die lockere Geldpolitik der US-Notenbank dämpfen kann. Auf der positiven Seite könnten insbesondere Netto-Importeure – der größte Anteil der Schwellenländer – längerfristig von den niedrigen Preisen profitieren.

In der Zwischenzeit scheinen die staatlichen Sperrmaßnahmen in Europa erste Früchte zu tragen. Von den gestern weltweit knapp 85.000 neu vermeldeten Infektionen kommen 40.000 aus den Vereinigten Staaten. Kontinentaleuropa verzeichnete knapp 10.000 neue Fälle.

An den Devisenmärkten muss die europäische Gemeinschaftswährung die meisten am Dienstag ergatterten Gewinne abgeben, insbesondere aufgrund der Unsicherheit bezüglich des heutigen Gipfels der europäische Union. Ölabhängige Währungen wie der russische Rubel können sich mit dem marginalen Rebound der Ölpreise festigen, wobei die tschechische Krone die sechste tägliche Abwertung infolge verzeichnen musste. Polens Industrieproduktion fällt im März zum ersten Mal seit sieben Monaten. Die Notenbanken in der Türkei und Mexiko senkendie Zinsen und schließen sich dem globalen Trend der expansiven Geldpolitik an.

 

Weltweit bestätigte Coronafälle: 2.628.929

Weltweit bestätigte Todesfälle: 183.441

Weltweit bestätigte Genesungen: 784.986

 

 

 

EUR

Politischer Fokus

Einen Tag vor dem Treffen der Eurogruppe scheint eine gewisse Anspannung in der Luft zu liegen. Zuletzt schien sich der französische Präsident für eine gemeinsame Schuldenaufnahme einzusetzen. Auf Gegenseitigkeit beruht der Verschlag der einheitlichen Emission von Schuldscheinen jedoch nicht, zumal sich insbesondere Deutschland, Österreich und die Niederlande nicht mit dem Vorschlag anfreunden können.

Die Meinungsdifferenz macht sich durch die Differenz zwischen den deutschen und italienischen Staatsanleihen bemerkbar. Der Spread der zehnjährigen Renditen – Risikoprämie die Investoren fordern, um italienische Schuldentitel zu halten – ist seit Anfang Februar am Steigen und liegt derzeit bei 260 Basispunkten.

Gestern ist der Index für das europäische Verbrauchervertrauen um 11,1 Zähler auf einen Wert von minus 22,7 gefallen. Der Stimmungsbarometer befindet sich somit auf dem niedrigsten Niveau seit März 2009. Der Rücksetzer scheint die Gemeinschaftswährung kurzfristig erneut unter Druck gesetzt zu haben. Auch gegenüber dem Schweizer Franken findet der Euro keine Ruhe, auch wenn die jüngsten Einblicke in die Sichteinlagen der Schweizerischen Notenbank eine leichte Reduktion der Währungsintervention vermuten lassen. Das Niveau um 1,05 bleibt somit im Fokus der Marktteilnehmer und die unmittelbare Unterstützung für den Euro.

PLN

Zeichen der Verlangsamung

Zentraleuropäische Währungen blieben am gestrigen Handelstag trotz der Erholung an den globalen Rohstoff- und Aktienmärkten unter Druck. Neben der europäischen Datenschwäche, welche sich historisch gesehen oftmals in eine Abwertung der regionalen Währungen ableiten lässt, scheinen nun auch erste Abkühlungserscheinungen in Zentraleuropa aufgekommen zu sein.

Dies zeigt sich insbesondere in den jüngsten Datenveröffentlichungen Polens. Im März hat sich das Inflationsniveau von dem 8-Jahres-Hoch bei 4,7 auf 3,6 Prozent abgekühlt. Die Unternehmensentlohnung lässt auf ein jährliches Wachstum von 6,3 Prozent nach und die Industrieproduktion verzeichnet die erste Kontraktion seit sieben Monaten.

Vor diesem Hintergrund verzeichnet der polnische Zloty die dritte tägliche Abwertung infolge und befindet sich derzeit über der Überstützungslinie bei EUR/PLN 4,5150 (April-Tief). Die tschechische Krone befindet sich nach Erholungsversuchen in der ersten Hälfte im Aprils erneut in einem Abwärtstrend mit Potenzial bis EUR/CZK 27,80.

LIRA

Geldpolitische Lockerung

Mit der gestrigen Zinsentscheidung legt die türkische Notenbank die Priorität ganz klar auf dem Entgegenwirken der Wirtschaftsabkühlung und ignoriert somit sowohl die Preis- als auch die Wechselkursstabilität. Die Zinssenkung von 9,75 auf 8,75 Prozent fügt sich in den längeren Lockerungszyklus, im Rahmen dessen die Notenbank den Leitzins innerhalb der vergangenen zwölf Monate ganze acht Mal gesenkt hat.

Die Lira war insbesondere aufgrund des negativen Realzinssatzes – Inflationsbereinigter Nominalzins – von den jüngsten Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern betroffen. Die türkische Währung musste seit Jahresbeginn gegenüber der Gemeinschaftswährung um fast 15 Prozent nachgeben. Die Währungshüter scheint die Schwäche kaltzulassen und so setzt die Notenbank auch weiterhin auf die Kreditvergabe und Bereitstellung der Liquidität.


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