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Apr 22, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ölpreis bleibt angeschlagen

INTRO

Wie nicht anders zu erwarten war, blieb die historische Talfahrt der Ölpreise auch gestern das Gesprächsthema Nummer eins. Zum ersten Mal in der Geschichte der Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) fällt der kurzfristige Preis für den Rohstoff in den negativen Bereich und kostet zeitweise minus 40 US-Dollar. Zum Leidwesen der ölabhängigen Unternehmen hat sich der Preisverfall mit dem gestrigen Auslaufen der Mai-Future-Verträge nun auch auf die im Juni auslaufenden Wertpapiere erstreckt.

Dies scheint unmittelbar auch börsennotierte Rohstofffonds (ETCs) – welche den Ölpreis widerspiegeln und Privatanlegern eine leichte Möglichkeit bieten, indirekt in den Rohstoff zu investieren – unter Druck zu setzen. In den größten US-amerikanischen Öl-ETC (USO) sind seit Beginn des Jahres fünf Milliarden US-Dollar geflossen. Alleine am gestrigen Handelstag summierten sich die Preisverluste des Indexes jedoch auf ganze 20 Prozent. Angesichts des turbulenten Handels und der erhöhten Volatilität an den Märkten hat der Betreiber des Ölfonds gestern die sofortige Sperre neuer Kaufregistrierungen verkündet.

Vor diesem Hintergrund scheint es nicht erstaunlich, dass die Aktienmärkte sowohl in Europa, als auch in Asien und den USA im Minus schließen. An den Devisenmärkten dominieren die sicheren Anlagen, wobei sich die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber den meisten Währungen festigen konnte. Dies lag unter anderem auch an der unerwarteten Erholung des deutschen Konjunkturausblicks, welcher gestern von dem Mannheimer Institut für Europäische Wirtschaftsforschung  veröffentlicht wurde. In den Vereinigten Staaten dominiert derzeit die Debatte über das Budgetdefizit, welches angesichts der Krisenpakete ganze vier Billionen US-Dollar erreichen könnte. Laut einem Bericht des „Committee for a Responsible Federal Budget“ könnte die Verschuldung des Landes im Jahr 2025 auf 117 Prozent zum Bruttoinlandsprodukts ansteigen und den derzeitigen Rekord des zweiten Weltkriegs brechen.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 2.564.515

Weltweit bestätigte Todesfälle: 177.466

Weltweit bestätigte Genesungen: 686.052

USD

Marginaler Anstieg

Der handelsgewichtete US-Dollar-Index verzeichnet die zweite tägliche Aufwertung infolge und befindet sich erneut über der psychologischen Grenze von 100,00. Angesichts der Problematik am Rohstoffmarkt und dem Verfall der Ölpreise konnte sich die Leitwährung insbesondere gegenüber ölabhängigen Währungen festigen. Der Anstieg des allgemeinen Volatilitätsindexes scheint dem US-Dollar in die Karten zu spielen, auch wenn sich die aggregierten Gewinne gegenüber anderen sicheren Währungen wie dem Schweizer Franken und dem japanischen Yen in Grenzen halten.

Kurzfristig könnte die Nachfrage nach dem US-Dollar bestehen bleiben, solange der Ausblick für die Weltkonjunktur und den globalen Handel getrübt bleibt. Die historische Korrelation zwischen einem weltweiten Rückgang des Handelsvolumens und der Stärke des US-Dollars scheint zumindest kurzfristig jegliche negativen Effekte der expansiven Geldpolitik der US-Notenbank in den Schatten zu stellen.

EUR

Stabile Seitwärtsbewegung

Die europäische Gemeinschaftswährung wertet gegenüber den meisten Währungen auf, bleibt zum US-Dollar jedoch den dritten Tag infolge ohne signifikante Veränderung. Der momentane Bewegungsbereich wird im Rahmen der Seitwärtsbewegung des Paares durch die beiden Niveaus um EUR/USD 1,0770 (April-Tief) und 1,0930 (gebrochene Aufwärtstrendlinie) definiert.

An der politischen Front könnten neue Entwicklungen in der Debatte der gemeinsamen Schuldenemission für neue Impulse sorgen. Der internationale Währungsfond geht von einem jährlichen Rückgang der Eurozone um sieben Prozent aus. Laut dem Vizepräsidenten der Europäischen Union könnte die Wirtschaftskontraktion im zweiten Quartal ganze 20 Prozent betragen. Diesbezüglich wird es am 30. April im Rahmen der europäischen Zinsentscheidung neue Einsichten und Prognosen geben. Trotz der volatilen Bewegungen am Rohstoffmarkt bleibt die Gemeinschaftswährung relativ stabil, was sich in den reduzierten impliziten Volatilitäten widerspiegelt.

USD

Leidet an der Ölpanik

An den Devisenmärkten kommen die Unsicherheiten, insbesondere bei den Währungen erdölexportierender Nationen zur Geltung. Vor der Krisenzeit genoss Russland vor allem aufgrund der geringen Schuldenlast, der massiven Fremdwährungsreserven und der positiven Renditen bei Anlegern einen hohen Stellenwert. Mit dem jüngsten Kapitalabfluss aus Schwellenländern und der unsicheren Lage an den Finanzmärkten scheint jedoch Skepsis hochgekommen zu sein.

Im Gegensatz zu den meisten Schwellenländern bereitet der Anstieg des US-Dollars Russland jedoch keine Probleme. Nichtsdestotrotz könnten die Erwartungen eines nachhaltig erdrückten Ölpreises eine Barriere möglicher Rubel-Erholungen darstellen. Ob sich die russische Notenbank am Freitag angesichts der möglichen Schwäche der eigenen Währung gegen die erwartete Zinssenkung stellt, bleibt weiterhin offen.


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