Wöchentliche Marktberichte

Apr 21, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ölpreis fällt kurzzeitig in den negativen Bereich

INTRO

Die Verluste an den US-amerikanischen Aktienmärkten und die zurückhaltenden Bewegungen an den europäischen Börsen scheinen auf eine volatile Woche zu deuten. Insbesondere der Dow Jones Industrial Average (DJIA) verzeichnet mit einem Minus von 5,30 Prozent einen schwachen Wochenauftakt. Obwohl der Rückgang der täglichen Infizierten in Europa erste Zeichen einer Trendwende signalisiert, scheinen einige Marktteilnehmer Skepsis gegenüber der Wiedereröffnung der Weltwirtschaft zu hegen.

In der Zwischenzeit drücken der zum Stillstand gekommene globale Tourismus, die zusammengebrochene Nachfrage nach Rohöl und Kapazitätsengpässe den Ölpreis auf historische Tiefen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) fällt der kurzfristige Preis für den Rohstoff in den negativen Bereich und kostete zeitweise minus 40 US-Dollar. Aufgrund der fehlenden globalen Nachfrage und des dadurch gesunkenen Ölpreises sehen sich diverse Produzenten zum Horten des Rohstoffs gezwungen.

Weiters kann ein geringes Handelsvolumen für den Rückgang verantwortlich gemacht werden. Der Mai-Future für WTI – welcher den Inhaber des Wertpapiers zum Kauf einer bestimmten Ölmenge verpflichtet – läuft heute aus. Aufgrund der Engpässe blieben vor dem Stichtag anders als sonst die Käufer der Wertpapiere aus. Somit mussten die Verkäufer der Kontrakte Prämien zahlen (negativer Preis), um der Verpflichtung des tatsächlichen Kaufs zu entgehen.

Der Rückgang am kurzen Ende machte sich auch bei den im Juni auslaufenden Kontrakten bemerkbar, welche um zehn Prozent fallen und kurzzeitig bei knapp 22 US-Dollar notieren. Sobald die Terminkontrakte auslaufen, sollten die meisten Indizes, welche den Ölpreis nachbilden, wieder in den positiven Bereich springen.  Ölabhängige Währungen wie der russische Rubel, der kanadische Dollar und der mexikanische Pesos verbüßen Verluste. Diese halten sich mit Abwertungen gegenüber dem Euro im Bereich zwischen 0,5 und 1,5 Prozent in Grenzen.

Die Aufmerksamkeit wird in dieser Woche weiterhin auf dem Rohstoffmarkt bleiben. Trotzdem könnte die Veröffentlichung der Quartalszahlen von fast einem Fünftel der US-amerikanischen S&P500 Unternehmen in dieser Woche  für neue Erkenntnisse sorgen. Am Donnerstag wechselt der Fokus zurück nach Europa, da der Gipfel der Europäischen Union ansteht.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 2.478.153

Weltweit bestätigte Todesfälle: 170.368

Weltweit bestätigte Genesungen: 651.503

 

 

 

 

 

EUR

Europa vor der Entscheidung

Wenige Tage vor dem Gipfel der Europäischen Union appelliert der italienische Premierminister an seine Kollegen und schließt sich der Forderung einer gemeinsamen Schuldenemission im Wert von 1,5 Billionen Euro an. Neben Frankreich und Spanien hat sich Italien als die dritte Macht auf der Seite der Schuldenbefürworter herauskristallisiert. Länder wie Deutschland und die Niederlande bleiben weiterhin skeptisch und zweifeln die nachhaltige Effektivität der Maßnahmen an.

Bislang haben sich die europäischen Regierungen insgesamt zu Stimuluspaketen im Wert von 3 Billionen Euro verpflichtet, um den wirtschaftlichen Schock der Pandemie abzufedern. Insbesondere die südlichen Staaten des Kontinents könnten bei weiteren Schuldenaufnahmen jedoch Probleme erhalten, da ansteigende Renditen die Neuverschuldung erschweren könnten.

Der internationale Währungsfond prognostiziert in Spanien einen zweistelligen Wirtschaftsrückgang in diesem Jahr. Die deutsche Bank warnt in dem gestern veröffentlichten Monatsbericht ebenfalls vor einer tiefen Rezession in Deutschland. Das tatsächliche Ausmaß des wirtschaftlichen Rückgangs hängt laut der Zentralbank jedoch davon ab, wann die wirtschaftlichen Einschränkungen weiter gelockert werden.

USD

Historischer Tag für Öl

Die Einigung der Opec-Plus-Gruppe zur Reduktion der Ölförderung war anscheinen nicht genug, um den Ölmarkt nachhaltig zu stabilisieren. Diese Tatsache kam insbesondere gestern zum Vorschein, nachdem Future-Verträge auf die weltweit gehandelte Ölsorte West Texas Intermediate zum ersten Mal in den negativen Bereich gefallen waren.

Am frühen Nachmittag (US-Zeit: GMT-4) soll es laut der Nachrichtenplattform Bloomberg an der US-amerikanischen Börse keinen einzigen Käufer für die Wertpapiere gegeben haben. Eine Woche davor hatten die meisten börsennotierten Indexfonds (ETFs), welche ein fünften der Verträge besaßen, auf die Juni-Verträge gewechselt, um den Ölpreis widerzuspiegeln. Somit blieben die heute auslaufenden Mai-Verträge ohne wirkliche Nachfrage, insbesondere da die Öllagerkapazitäten so allmählich überlaufen.

Der US-Dollar profitiert von dem volatilen Wochenauftakt und befindet sich auf handelsgewichteter Basis (DXY) erneut über dem psychologischen Niveau bei 100,00. Auf der Oberseite definieren die Barrieren 101,00 und 103,00 die nächsten möglichen Referenzpunkte, sollte sich der US-Dollar nachhaltige über der 100,00 halten.

CZK

Krone schwach, Polen zeigt sich Expansiv

Die Sorgen über die ersten regionalen Versuche der Wiedereröffnung der Geschäfte und der volatile Handel am Rohstoffmarkt treten in Zentraleuropa nur marginal zur Erscheinung. In Polen begann am Montag die Öffnung von Parks und Wäldern. In Ungarn wollen die größten Autohersteller wieder schrittweise die Produktion aufnehmen. Vor der Hintergrund der jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds, welche auf eine dreiprozentige jährliche Wirtschaftskontraktion Zentraleuropas deutet, zeigen sich die regionalen politischen Akteure expansiv.

Die polnische Zentralbank hat im Kampf gegen die Coronakrise umgerechnet 22 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Diese Summe könnte laut dem Zentralbankpräsidenten jedoch weiter erhöht werden. Ebenfalls angekündigt wurde eine Verschiebung der nächsten Zinsentscheidung, von ursprünglich dem Siebten auf den 28. Mai.

Der polnische Zloty und der ungarische Forint notieren dabei kaum verändert zum Freitag. Am stärksten reagiert die tschechische Krone, welche nach der vierten täglichen Abwertung ein zweiwöchiges Tief erreicht. Das Währungspaar EUR/CZK befindet sich somit erneut zentriert im derzeitigen Bewegungsbereich zwischen 26,80 und 28,00.


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