Wöchentliche Marktberichte

Apr 17, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Schwache Daten, starker US-Dollar

Intro

Einen Tag, nachdem der Ölpreis auf ein 18-Jahres-Tief gefallen war, meldet sich die Organisation erdölexportierender Länder mit der Veröffentlichung der monatlichen Lagebeurteilung zu Wort. Aufgrund des historischen Nachfrageschocks geht das Kartell von der Annahme aus, dass die weltweite Nachfrage nach Öl auf ein dreißigjähriges Tief fallen wird. Angesichts der historischen Umstände sah sich die Organisation somit zu einer Förderkürzung in Höhe von 10 Millionen Barrel pro Tag gezwungen. Ob die Maßnahmen eine Preisstabilisierung mit sich bringen werden, bleibt weiterhin fraglich. Laut der OPEC sind derzeit 40 Prozent der Weltbevölkerung von staatlichen Eindämmungsmaßnahmen und Reiseverboten begrenzt. Nur eine Reduktion der Neuinfektionen und eine Lockerung der Staatsmaßnahmen könnte die Nachfrage nach dem Rohstoff wiederbeleben.

In den Vereinigten Staaten haben sich in der vergangenen Woche erneut 5,25 Millionen Menschen die Inanspruchnahme der Arbeitslosenunterstützung angefragt. Laut den Angaben des Arbeitsministeriums wurden in den vergangenen vier Wochen somit knapp 22 Millionen neue Arbeitslose vermeldet. In Verbindung mit dem im März verzeichneten Einbruch der Neubauten von Eigenheimen scheint der Druck auf die amerikanischen Wirtschaftsaktivität immer deutlicher zu werden.

An den globalen Devisenmärkten dominiert in den vergangenen Tagen wieder die Verlagerung in sichere Währungen, von welcher der US-Dollar und der Schweizer Franken profitieren können. Aufgrund der soliden Kreditwürdigkeit und positiven Leistungsbilanz der Schweiz konnte sich der Franken zum Leidwesen des heimischen Exportsektors deutlich festigen. Ein Unterlaufen der psychologischen Unterstützung bei EUR/CHF 1,05 könnte trotz der Währungsinterventionen der schweizerischen Notenbank neue Abverkäufe des Paares mit sich bringen.

In Asien blieb die chinesische Zentralbank im Fokus des Geschehens, nachdem die Währungshüter heimischen Banken über die mittelfristige Kreditfazilität (MLF) umgerechnet 12,5 Milliarden Euro zu einem günstigeren Zinssatz zur Verfügung gestellt hatten. Die effektive Zinssenkung von 3,15 auf 2,95 Prozent wurde jedoch als zurückhaltender Zug angesehen. Marktteilnehmer stellen sich am heutigen Tag auf eine neue Welle schwacher Wirtschaftsdaten aus China ein. Laut dem heute Morgen veröffentlichten Bruttoinlandsprodukt ist die Wirtschaft der Volksrepublik zum ersten Mal seit mindestens 1992 geschrumpft. In den ersten drei Monaten des Jahres sinkt die Wirtschaftsaktivität um 6,8 Prozent.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 2.158.594

Weltweit bestätigte Todesfälle: 145.533

Weltweit bestätigte Genesungen: 543.971

 

 

 

 

 

EUR

Unterlaufen der $1,09

Wie auch in den Vereinigten Staaten versucht die europäische Notenbank die wirtschaftlichen Schäden der Coronakrise unter Kontrolle zu bringen. In diesem Sinne hat sich die Zentralbank verpflichtet, 1,2 Milliarden Eurofür öffentliche und private Schulden auszugeben. Gestern betonte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde wiederholt die Bereitschaft der Währungshüter, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Eine Ausweitung des Anleihenkaufprogramms kann vor diesem Hintergrund ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

EUR/USD konnte sich nach einem erneuten Schwächeanfall nicht mehr über Wasser halten und unterläuft die Unterstützung bei 1,09. Der seit dem 20. März bestehende Aufwärtskanal ist somit nicht mehr valide. Der erste Referenzpunkt an der Untergrenze wird nun durch 1,08 definiert.

USD

Datenschwäche setzt sich fort

Wie im Vorfeld zu erwarten war, zieht sich die Datenschwäche in den Vereinigten Staaten durch den gesamten März. Waren es gestern die historischen Rückgänge der Industrieproduktion und der Einzelhandelsumsätze, welche für Staunen gesorgt hatten, brechen nun auch die Neubauten von Eigenheimen ein. Auf Monatsbasis fallen diese um ganze 22 Prozent auf eine jährliche Rate von 1,216 Millionen. Dies stellt die geringste Wachstumsrate seit Juli 2019 dar, wobei der Fall im März der größte monatliche Rücksetzer seit 1984 war. In Verbindung mit den 22 Millionen neuen Arbeitslosenanmeldungen im März scheint die amerikanische Wirtschaft erheblich unter Druck zu kommen.

Und wie es gestern der Fall war, profitiert der US-Dollar aufgrund seiner Safe-Haven-Funktion von der schwachen heimischen Datenlage. Nach zwei täglichen Aufwertungen infolge befindet sich der handelsgewichtete Dollar-Index erneut über dem psychologischen Niveau von 100,00.

RUB

Korrektive Aufwärtsbewegung

Der russische Rubel setzt die korrektive Aufwärtsbewegung am Donnerstag weiter fort und wird voraussichtlich die dritte Woche infolge gegenüber dem Euro aufwerten. Nachdem der Rubel im März den schwächsten Monat seit der russischen Finanzkrise im Jahr 2014 verzeichnen musste, festigt sich die Währung seit dem mehrjährigen Hoch – gesetzt am 18. März – um ganze 11 Prozent. Am Mittwoch hatte Präsident Wladimir Putin neue Maßnahmen zur Hilfe der regionalen Regierungen und Unternehmen bei der Bewältigung der Coronakrise vorgestellt. Wie hoch das Potenzial weiterer Rubel-Aufwertungen ist, bleibt jedoch fraglich, insbesondere da die niedrigen Ölpreise keine Stütze für die russischen Exporte und die Währung darstellen.


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