Wöchentliche Marktberichte

Mrz 27, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Stimulus tritt in Kraft

EUR

Verbrauchervertrauen bricht ein

Das öffentliche Leben ist in den meisten europäischen Ländern aufgrund der auferlegten Quarantäne und den Grenzschließungen zu einem Stillstand gekommen. Vor diesem Hintergrund verzeichnen sowohl das deutsche Geschäftsklima, als auch das gestern veröffentlichte Verbrauchervertrauen die größten monatlichen Rücksetzer aller Zeiten.

Der vom Nürnberger Marktforschungsinstitut Gfk veröffentlichte Konsumklimaindex sinkt um 5,6 Punkte auf einen Wert von 2,7. Nur zur Zeit der Finanzkrise 2009 verzeichnete das Stimmungsbarometer mit einem Zähler von 2,6 einen niedrigeren Wert. Neben dem verarbeitenden Gewerbe, welches im vergangenen Jahr aufgrund des amerikanisch-chinesischen Handelsdisputs in eine Rezession gefallen war, scheint nun auch die Nachfrageseite in Europa eingebrochen zu sein.

Die längst erwartete und in dieser Woche bestätigte Lähmung der Binnenwirtschaft bleibt für die Regierungen und die Europäische Zentralbank ein Risikofaktor. Da die Abkühlungserscheinungen in den Vereinigten Staaten jedoch mindestens so groß sind, wie in der Eurozone, blieb die Gemeinschaftswährung von Abwertungen verschont. Insbesondere die geldpolitische Expansion der US-Notenbank hat den US-Dollar unter Druck gesetzt.

  • EUR/USD festigt sich den fünften Tag infolge und überwindet sogar die erste Barriere bei 1,10. Nun rückt die Schwellgrenze bei 1,11 in den Vordergrund.
  • EUR/CHF findet nach einer fünftägigen Rally ein dreiwöchiges Hoch, nachdem der Widerstand bei 1,0625 bewältigt wurde. Die nächste unmittelbare Barriere liegt nun bei 1,0680.

USD

Zwei Risikofaktoren

Probleme am Interbankenmarkt - Die finanziellen Sorgen im US-amerikanischen Kredit- und Anleihenmarkt scheinen weiterhin bestehen zu bleiben, auch nachdem die US-Notenbank dem heimischen Finanzsystem seit Anfang März geschätzt 400 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt hat. Die geldpolitische Expansion hatte zwar den gewünschten Effekt der Sättigung der ausländischen Nachfrage nach dem US-Dollar. Im heimischen Interbankenmarkt bleibt die Volatilität und die fehlende Liquidität jedoch weiterhin gegeben. Nun will die US-amerikanische Notenbank mit den europäischen Währungshütern gleichziehen. Der gestern von dem parlamentarischen Oberhaus bestätigte Gesetzesbeschluss, welcher der Federal Reserve bis zu drei Billionen US-Dollar für Stimulusmaßnahmen zur Verfügung stellen würde, muss am Freitag noch vom Repräsentantenhaus bekräftigt werden.

Probleme am Arbeitsmarkt – Der durch das Coronavirus ausgelöste Wirtschaftsschock macht zunehmend auch dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt zu schaffen. Ausdruck verschafft sich die Unsicherheit in dem historischen Anstieg der Arbeitslosenquote. In der vergangenen Woche haben sich in den Vereinigten Staaten ganze 3,28 Millionen Menschen für die Arbeitslosenunterstützung angemeldet.

CZK

Zinssenkung ohne Anleihenkauf

Die tschechische Notenbank senkt nun zum zweiten Mal im März den Leitzins und kündigt weitere Stimulusmaßnahmen an, sollte sich die Talfahrt der heimischen Wirtschaftsaktivität in die Länge ziehen. Zunächst tasteten sich die Währungshüter am vergangenen Montag mit einer Zinslockerung im Wert von 50 Basispunkten an. Aufgrund der jüngsten negativen Impulse der globalen Volkswirtschaft und dem relativ hohen heimischen Zinsniveaus sah sich die Notenbank bei dem gestrigen Treffen dann doch noch gezwungen, eine Senkung um weitere 75 Basispunkte durchzuführen. Der Leitzins befindet sich nun auf einem einjährigen Tief bei genau einem Prozent.

In der darauffolgenden Pressekonferenz wurde der Fokus ganz klar auf die Bereitstellung von Liquidität und die Normalisierung der Volatilität der Krone gelegt. Insbesondere aufgrund der drastischen Verschlechterung der globalen Leitindikatoren scheinen Marktteilnehmer auf weitere Zinssenkungen der CNB zu spekulieren, ersichtlich an den außerbörslich gehandelten Zinstermingeschäften. Der Schritt zum  Staatsanleihenkauf, wie es in der Eurozone und nun auch in Polen praktiziert wird, wurde zwar nicht gemacht. Ein erster Gesetzesentwurft, welcher den Kauf von Staatsanleihen seitens der Notenbank legalisieren würde, scheint dem tschechischen Parlament jedoch schon vorzuliegen.

Am Ende des Tages steht die Krone trotz der Zinssenkung als Gewinner dar. Denn obwohl weitere Zinssenkungen in den nächsten Monaten folgen könnten, scheint sich dies in den Markterwartungen, und zum Teil auch im Wechselkurs, widerzuspiegeln (Terminzinsgeschäfte weisen auf einen Leitzins von 0,25 Prozent in drei Monaten). Der Fokus wird sich in den nächsten Wochen somit erneut auf die globale Ebene verlagern.


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