Wöchentliche Marktberichte

Mrz 20, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wirken die Stabilisierungsmaßnahmen?

EUR

EZB kämpft gegen die Rezession

Die jüngste Krankheitsausbreitung außerhalb Chinas und die damit verbundenen Wirtschafsimplikationen hatten sich bis jetzt noch nicht in der Datenlage widerspiegeln können. Dies scheint sich mit den ersten Wirtschaftsdaten für den März zu ändern. Laut dem gestern veröffentlichten Ifo Geschäftsklima scheinen Unternehmen die aktuelle Lage pessimistisch einzuschätzen und gehen von einer Rezession Deutschlands im ersten Halbjahr des Jahres aus. Der Klimaindex stürzt von 96,00 auf 87,7 Punkte ab. Die zukünftigen Geschäftserwartungen in den deutschen Führungsetagen zeigen sogar den größten Rückgang seit 1991 an und finden den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise 2009.

Im Kampf gegen die in Europa angekommene Krise setzt die Europäische Zentralbank nun verstärkt auf den Anleihenkauf. In dem Notfallkaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme) sollen nun Anleihen im Wert von 750 Milliarden gekauft werden. Die monatlichen Ankäufe könnten mit 120 Milliarden Euro somit weitaus größer ausfallen, als noch zu den Zeiten der Eurokrise unter dem ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi.

Die Gemeinschaftswährung setzt infolge der gestrigen Geschehnisse die jüngste Talfahrt weiter fort und verzeichnet die achte Abwertung innerhalb der letzten neun Tage (-6,7 Prozent). Auch gegenüber dem Schweizer Franken scheint sich nichts an der Euro-Schwäche geändert zu haben. Das Währungspaar EUR/CHF notiert erneut auf dem geringsten Niveau seit August 2015.

GBP

Zweite Zinssenkung im März

Das britische Pfund notierte am gestrigen Handelstag gegenüber dem US-Dollar am tiefsten Stand seit 1985. Auch gegenüber dem Euro verzeichnet die Währung ein mehr als zehnjähriges Tief. Natürlich ist das Pfund nicht die einzige Währung, welche angesichts der Kapitalflucht in Schwierigkeiten gekommen war. Nichtsdestotrotz bleibt die Währung aufgrund der negativen Leistungsbilanz Großbritanniens, den ungelösten Brexit-Unsicherheiten und der Bankenabhängigkeit der Währung ein Ausreißer, welchen Investoren erhöht verkauft hatten.

Der Haltungswechsel der Bank of England hin zu einer ultra-lockeren Geldpolitik verstärkte diesen Abverkaufstrend erheblich. Zum zweiten Mal in diesem Monat sahen sich die Währungshüter zu einer frühzeitigen Zinssenkung auf nun 0,1 Prozent gezwungen. Des Weiteren kündigt die Notenbank gleich den Kollegen in den USA, der Eurozone, Japan und nun auch Australien ein Programm zum Kauf von Staatsanleihen an.  Das Pfund festigt sich nach der Ankündigung unerwartet und legt nach einer vierprozentigen intra-day Bewegung doch noch eine Aufwertung an den Tag. Der derzeitige Bewegungsbereich ist nun zwischen EUR/GBP 0,91 und 0,95 definiert.

CEE

Illiquidität und hohe Schwankungen

Die exportorientierten Volkswirtschaften in Zentraleuropa scheinen langsam aber sicher die Konsequenzen der globalen Handelssperre zu spüren zu bekommen. Neben einer deutlich geschrumpften Nachfrage nach den regionalen Gütern, macht den Zentralbanken auch die jüngste Dollar-Stärke zu schaffen, welche die Märkte in den vergangenen Tagen überwältigt hatte. Sowohl die tschechische, als auch die polnische Notenbank sahen sich zu frühzeitigen und außerplanmäßigen Zinssenkungen gezwungen. Dies, obwohl sich das Inflationswachstum in beiden Ländern auf einem siebenjährigen Hoch befindet. Die somit entstandene Reduktion der Realverzinsung beider Währungen, in Verbindung mit der globalen und breit angesetzten Kapitalfluchtaus risikoreichen und illiquiden Anlagen, brachte die Währungen in Zentraleuropa auf neue Tiefstände. Die hohe Volatilität an den Devisenmärkten vergrößert die Differenz zwischen dem Geld- und Briefkurs bei dem Handel der Währungen und macht diese für größere Schwankungen anfällig.

Der polnische Zloty musste in dieser Woche mehr als vier Prozent gegenüber dem Euro einbüßen und notiert kurzzeitig sogar auf dem schwächsten Niveau seit 2009. Die Barriere bei 4,60 scheint fürs Erste jedoch gehalten zu haben. Das gestern angefangene Anleihenkaufprogramm der Notenbank könnte die Währung kurzfristig jedoch weiter unter Druck setzen.

Der ungarische Forint notierte in den vergangene vier Wochen konstant in einer geringen Bewegungsspanne von 1,5 Prozent. Die relativ ruhige Handelsphase kam durch die Kapitalflucht und die expansive Haltung der Notenbank in den letzten Tagen abrupt zum Ende. Innerhalb der vergangenen vier Handelstage verzeichnet der Forint gegenüber dem Euro eine Abwertung von 5,5 Prozent. Die Woche könnte somit als die schwächste Woche für die ungarische Währung seit der Entstehung des Euro in die Geschichte gehen.

Die tschechische Krone bleibt unter den zentraleuropäischen jedoch weiterhin der schwächste Performer. Innerhalb der letzten 28 Tage verzeichnete das Paar EUR/CZK eine Aufwertung im Wert von knappen zehn Prozent. Das Niveau um 28,00 stellt für die Notenbank eine mögliche Interventionsgrenze dar, ab welcher die Währungshüter die eigene Währung verteidigen könnten.


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