Wöchentliche Marktberichte

Feb 14, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Nur ein Anflug von Risikoaversion

EUR

Euro fast zwei Wochen ohne Erholung

Es sei nun dahingestellt, ob der Euro wegen der neu aufgekommenen Corona-Angst gestern nicht steigen konnte. Natürlich gab es auch noch entsprechende Nachfrage nach den in Krisensituationen gesuchten Währungen Schweizer Franken und Yen. Allerdings hauptsächlich gegenüber dem Euro. Dabei ist es schon bemerkenswert, wie gelassen die Akteure mit den gestern veröffentlichten Zahlen zur Virusepidemie umgingen. Natürlich haben die meisten ohnehin damit gerechnet, dass sich die sinkenden Zuwachsraten bei den Erkrankungen nicht fortsetzen würden. Nun also der fünfstellige Zuwachs, mit entsprechenden eigentlich beruhigenden Begründungen. Es ist schon seltsam, wenn Kommentatoren den Eindruck vermitteln, dass es sich bei diesen Zahlen ähnlich wie mit ökonomischen Daten verhalte, die nun auf einen Schlag aufgrund geänderter Erhebungsmethoden – diese dürften den meisten Akteuren nicht geläufig und viel zu komplex sein – revidiert werden müssten. Mit anderen Worten: Es soll sich um eine einmalige „Berichtigung“ der Daten handeln, aber der Grundtrend, eine vorsichtige Abnahme bei den Neuinfektionen, sei doch unverändert, war mancherorts zu lesen.

USD

Warum die US-Inflation kaum interessiert

Und so wundert es auch nicht, dass der gestern in den USA publizierte Konsumentenpreisindex kaum das Interesse der Marktteilnehmer wecken konnte. Ja, die Preise sind im Januar gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent und in der Kernrate mit 2,3 Prozent etwas stärker als erwartet ausgefallen. Zu diesem Desinteresse mag zum einen beigetragen haben, dass die ökonomischen Folgen der Corona-Epidemie derzeit noch nicht absehbar sind. Zum anderen hat die US-Notenbank zuletzt immer wieder klargemacht, dass sie eine asymmetrische Geldpolitik verfolge. Dabei ist die Hürde für weitere Zinssenkungen wesentlich niedriger als diejenige für eine erste Zinserhöhung. Mehr noch: Der Konsumentenpreisindex ist ohnehin nicht das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, sondern der Index der privaten Verbrauchsausgaben (PCE).

Was den Euro angeht, mag sich hier und da Unbehagen breitmachen. Denn während der vergangenen Monate war immer zu wieder beobachten, dass Euro-Kursrückgänge über mehrere Tage hinweg an Momentum verloren, gefolgt von einer meist kräftigen Erholung. Diese Art des Abebbens ist dieses Mal bislang ausgeblieben.

  • Damit bleibt der Euro unter Druck und der kurzfristiger Abwärtstrend erhalten. Eine erste Stabilisierung ist nur nach Überschreiten von 1,0950/55 möglich.
  • Der Schweizer Franken bleibt gut nachgefragt und würde erst gegenüber dem Euro deutlicher korrigieren, sofern dieser 1,0710 überschreitet.

GBP

Javids Rücktritt

Pfunde waren gestern deutlich im Aufwind, vor allen Dingen gegenüber dem ohnehin schwachen Euro. Dies mag wohl mit dem überraschenden Rücktritt von Schatzkanzler Sajid Javid im Rahmen einer Kabinettsumbildung zusammenhängen. Der Rücktritt ist insofern pikant, als bereits am 11. März der britische Haushalt publiziert werden soll. Medienberichten zufolge gab es Unstimmigkeiten mit Premierminister Boris Johnson, wer für die Zusammenstellung des britischen Haushalts verantwortlich sei. Javid ist der erste Finanzminister seit 1989, der wegen Meinungsverschiedenheiten mit Downing Street zurücktreten musste. Marktteilnehmern zufolge verspricht man sich im Rahmen der Budget-Vorstellung im März von Boris Johnson Ankündigungen zu öffentlichen Investments und erhöhten Investitionen in die Infrastruktur. Offenbar gehen Händler davon aus, dass die Bank of England infolge dieser Maßnahme wohl nicht mehr so dringend die Zinsen senken muss, um die Konjunktur anzukurbeln.

PLN

Ungarns Inflation über Zielkorridor

Die ungarische Inflation hat sich im Januar mit 4,7 Prozent (ggü. Vorjahr) noch stärker erhöht als ohnehin erwartet (Medianprognose +4,3 Prozent) und erreichte damit den höchsten Stand seit Dezember 2012. Auch die Kerninflation ist mit 4,0 Prozent etwas gestiegen, entsprach aber den Erwartungen. Wir erinnern uns: Die ungarische Zentralbank strebt ein Inflationsziel von 3 Prozent mit einem beidseitigen Puffer von jeweils einem Prozent an. Da jedoch der stellvertretende Gouverneur der Zentralbank, Marton Nagy, am Rande einer Konferenz Maßnahmen zur Stabilisierung der Inflation in Aussicht stellte, ist der Forint gestern nicht weiter gefallen, sondern konnte sich sogar sehr deutlich erholen.

Polens Währung profitierte indes von einem überraschenden Leistungsbilanzplus – Analysten hatten ein Defizit für Dezember erwartet. Unterdessen enttäuschte das tschechische Leistungsbilanzergebnis – das Defizit gestaltete sich für Dezember wesentlich höher als mehrheitlich erwartet. In der Folge erholte sich der Zloty, während die Krone etwas Federn lassen musste.


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