Wöchentliche Marktberichte

Feb 13, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Euro auf niedrigstem Stand seit 33 Monaten 

EZB

Gewagte Prognosen


Es war zu erwarten, dass sich bei vielen Akteuren in Reaktion auf sich abflachende Zuwachsraten bei den mit dem Coronavirus infizierten Personen in China nicht nur Gewöhnungseffekte beobachten ließen. Vielmehr scheinen Kommentatoren und Experten mancherorts bereits das Licht am Ende des Tunnels zu sehen und wagten angesichts dieses erhöhten Kontrollgefühls sogar die eine oder andere Prognose über die ökonomischen Auswirkungen der Epidemie.
EZB-Chefvolkswirt Philipp Lane, äußerte gestern, er sehe zwar kurzfristig Unsicherheit und negative Folgen für die europäische Wirtschaft voraus, doch könne sich seines Erachtens dieser negative Einfluss über das Jahr gesehen als geringfügig herausstellen. Ganz genau schien es gestern gar der Finanzdienstleister S&P Global zu wissen, der Wachstumseinbußen von 0,1 bis 0,2 Prozent für die Eurozone vorhersagte. Möglicherweise eine zu frühe Prognose, wenn man etwa die heute früh (MEZ) veröffentlichten sprunghaft angestiegenen Zahlen der Coronavirus-Infizierten und Todesopfer bedenkt.

CHF

Konjunktursorgen dominieren


Aber an den Aktienmärkten schienen sich gestern zumindest kurzfristige Akteure noch in fast ungebremst scheinender Risikofreude zu ergehen. Unter hiesigen mittelfristig orientierten Investoren ist jedoch eine derartige Euphorie überhaupt nicht wahrzunehmen. So ergab etwa eine Stimmungsumfrage der Börse Frankfurt von gestern, dass diese Akteure zuletzt sogar leicht bearish eingestellt waren.
Allerdings ist nicht anzunehmen, dass man hierzulande von den Zahlen zur Industrieproduktion in der Eurozone auf dem falschen Fuß erwischt worden wäre. Im Monatsvergleich sank der Ausstoß nur wenig stärker als von den Ökonomen erwartet im Dezember um 2,1 Prozent, aber ein Blick auf das Gesamtjahr 2019 zeigt das eigentliche Problem auf: Der Rückgang betrug nämlich 4,1 Prozent und fiel damit deutlich schlechter als die Konsensmeinung von -2,5 Prozent aus. Kurzum: Es steht zu befürchten, dass nun neben Frankreich und Italien auch Deutschlands Wirtschaft – am Freitag wird die erste Schätzung dazu publiziert – im vierten Quartal geschrumpft ist.


• Und so ist es auch kein Wunder, dass der Euro zum siebten Mal hintereinander ein niedrigeres Tagestief gegenüber dem Dollar markierte. War es zu Anfang der vergangenen acht Handelstage, von denen die Gemeinschaftswährung nur einen einzigen mit einem kleinen Plus beendete, noch Dollarstärke, so ist es nun Euroschwäche, die den kurzfristigen Abwärtstrend befeuert. Eine erste Stabilisierung kann auf der anderen Seite erst nach Überschreiten von 1,0985/90 erwartet werden.

USD

Auf Dreijahreshoch


Trotz aller Risikofreude, die wir während der vergangenen Tage vor allem an den Aktienmärkten registrieren konnten, hat der Schweizer Franken gegenüber dem Euro die vergangenen drei Handelstage mit einem Plus beschlossen. Vermutlich wäre die Frankenstärke gar nicht einmal so ins Gewicht gefallen, wenn diese gegenüber dem Euro gestern nicht den höchsten Stand seit fast drei Jahren erreicht hätte. Übrigens: Gegenüber dem US-Dollar zeigte der Franken diese Stärke zuletzt nicht und hat sich im Vergleich zum Jahresbeginn gegenüber dem Greenback sogar etwas abgeschwächt. Beim Euro ergibt sich indes ein anderes Bild, denn ihm gelang im neuen Jahr gegenüber dem Franken nur in einer einzigen Woche eine kleine Erholung. War der Franken anfangs selbst gegenüber dem Dollar aufgrund der Corona-Epidemie als Fluchtwährung gefragt, liegt der Grund für die jüngste Stärke vornehmlich in der Eurozone: Wachstumssorgen oder auch die politisch unübersichtliche Situation in Deutschland. Man darf gespannt sein, ob die Schweizerische Nationalbank reagiert.

HUF

Forint auf Allzeittief, Krone fest wie zuletzt 2012


Auch gestern waren die Währungen Polens und Tschechiens wahrscheinlich aufgrund der anhaltenden Risikofreude vieler Akteure – vornehmlich an den Aktienmärkten – gegenüber dem Euro gut nachgefragt. Die tschechische Krone markierte sogar mit 24,83 den höchsten Kurs seit Oktober 2012. In die andere Richtung ging es indes mit dem Forint. Die ungarische Währung markierte nicht nur ein neues Allzeittief, sondern unterschritt auch im Verhältnis zum Euro die Marke von 340. Überdies werden für heute die ungarischen Inflationszahlen erwartet. Schenkt man einer Reuters-Umfrage Glauben, soll die Inflationsrate im Januar im Mittel um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sein. Damit würde gleichzeitig das Inflationsziel der ungarischen Notenbank (3 Prozent +/- 1 Prozent) überschritten.


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