Wöchentliche Marktberichte

Feb 12, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Auf der schwierigen Suche nach guten Gründen

EZB

Tag der Anhörungen


Nach wie vor tun sich Kommentatoren schwer, die jüngste Schwäche der Gemeinschaftswährung zu begründen. Tatsächlich ist es mit Sicherheit nicht ein einziger Faktor allein, sondern vielmehr eine Kombination von mehreren ungünstigen Einflüssen, die zurzeit für einen schwachen Eurokurs sorgen. Da gibt es einmal die altbekannten ökonomischen Fragezeichen bezüglich der Eurozone, an die sich die Akteure eigentlich schon längst gewöhnt zu haben schienen. Dann die politische Situation in Deutschland, ausgelöst durch den angekündigten Rücktritt der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, der insbesondere von ausländischen Kommentatoren kritisch gesehen wird. Oder der überraschende Aufstieg und jüngste Wahlsieg der linksgerichteten Partei Sinn Féin in Irland. Und der gestrige Auftritt von EZB-Chefin Christine Lagarde vor dem Europäischen Parlament in Straßburg kann als Aufruf an die Fiskalpolitik verstanden werden, sich nicht allein auf die Notenbank zu verlassen.

USD

Powells Ruf an die Fiskalpolitik


Auf der Dollar-Seite gab es von Fed-Chef Jerome Powell bei seiner gestern beginnenden zweitägigen Anhörung vor dem US-Kongress wenig Überraschendes zu vermelden. Natürlich ist sich die Notenbank der Gefahren für die US-Wirtschaft bewusst, die von der Coronavirus-Epidemie in China ausgehen. Und während die US-Konjunktur derzeit moderat wächst und in guter Verfassung sei, stimmte Powell bereits in den Kanon seiner Vorgänger Janet Yellen und Ben Bernanke ein. Die hatten nämlich im Januar geäußert, dass die Fed einen deutlichen Rückgang der Konjunktur nicht allein werde abfangen können. Tatsächlich, so Powell, seien die Zinsen bereits niedrig, so dass es fiskalpolitischer Hilfe bedürfe, falls sich die US-Wirtschaft irgendwann deutlich verschlechtern sollte.

• Unter dem Strich bleibt der Euro also in seiner ungünstigen Position, die sich unterhalb von 1,0875 noch einmal verschlechtern würde. Das Niveau für eine erste Stabilisierung liegt nun etwas niedriger bei 1,1015/20.

EUR

Stagnierendes Wachstum


Auch der Chef der Bank of England, Mark Carney, gab gestern ein Statement vor dem Wirtschaftsausschuss des House of Lords ab. Darin machte er noch einmal deutlich, dass die Zinsen in absehbarer Zukunft relativ niedrig bleiben würden. Auch Carney stellte fest, dass die Bank of England bei ihrem Kampf gegen niedriges Wachstum und niedrige Zinsen auf Investments der öffentlichen Hand und der Unternehmen angewiesen sei.
Auch gab es einige Fundamentaldaten zu begutachten. So hat das Wachstum Großbritanniens im vierten Quartal 2019 einer ersten Schätzung zufolge gegenüber dem Vorquartal lediglich stagniert. Ohne den positiven Effekt, der sich aus der Unterhauswahl im Dezember ergab, wäre die britische Konjunktur wohl sogar geschrumpft. Zumindest lässt sich dies aus dem vorläufig ermittelten Bruttoinlandsprodukt für Dezember folgern, das mit +0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat (vorläufig) publiziert wurde. Im Jahresvergleich wuchs die britische Wirtschaft im vierten Quartal 2019 um 1,1 Prozent – Ökonomen hatten im Mittel lediglich 0,8 Prozent erwartet.


• In der Folge konnte sich Sterling sowohl gegenüber dem Euro als auch dem US-Dollar befestigen.

HUF

Forint tanzt aus der Reihe


Vermutlich hat die Risikofreude vieler Akteure dazu geführt, dass sich die Währungen Polens und Tschechiens gestern weiter befestigen konnten. Anders steht es allerdings um den ungarischen Forint, der sich schon wieder in Richtung Allzeittief zu entwickeln scheint. Dies, obwohl die Zentralbank am Montag die geldpolitischen Zügel abermals etwas angezogen und den Geschäftsbanken im Rahmen ihres wöchentlichen EUR/HUF-Swap-Tenders keine Liquidität zugeführt hatte. Tatsächlich wiegt für die Akteure schwerer, dass der ungarische Realzins mit einer Inflation von 4 Prozent bei einem Leitzins von nur 0,9 Prozent extrem negativ ausfällt.


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