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Wöchentliche Marktberichte

Feb 11, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Von Widersprüchen und Erklärungsdefiziten 

USD

Mal risikofreudig, mal risikoavers


Bei genauem Hinsehen wird nämlich deutlich, dass derzeit argumentativ in den Finanzmärkten einiges nicht zusammenpasst. Aber bleiben wir zunächst beim Euro im Verhältnis zum US-Dollar. Um die Entwicklung dieses Währungspaars zu erklären, wird nämlich häufig mit Risikofreude bzw. Risikoaversion der Akteure argumentiert. Gestern war die Bewegung aus dem Euro heraus in Richtung Dollar mancherorts mit der angeblichen Suche der Marktteilnehmer nach sogenannten sicheren Häfen wegen der unklaren Situation um die Corona-Virusepidemie begründet worden. Eine Art von Risikoaversion, die an den Aktienmärkten der USA und hierzulande spätestens gestern Nachmittag nicht zu registrieren war. Es ist noch nicht allzu lange her, nämlich zwischen dem 29. dem 31 Januar, da gab es an den globalen Aktienbörsen einen deutlichen Rücksetzer eben wegen dieser Corona-Ängste. Interessanterweise war der US-Dollar während dieser drei Tage kein Zufluchtsort internationaler Kapitalströme. Im Gegenteil: Der Euro zeigte wenig Schwäche und markierte zum Ende dieses Zeitraums sogar ein klares Zwischenhoch, bevor es obengenannte sechs Handelstage in Folge trotz aller zurückgekehrter Risikofreude (seit Freitagabend ist nun interessanterweise von Risikoaversion die Rede) nach unten ging.

EUR

Zwei unterschiedliche Sichtweisen


Blickt man also auf die Aktienmärkte, scheinen sich die Akteure vor allen Dingen in den USA zurzeit noch nur wenig um spätere ökonomische Folgen der Virus-Epidemie zu scheren. Von dieser Sorglosigkeit können allerdings die US-Anleihemärkte kein Lied singen. Zehnjährige Staatsanleihen waren bis gestern so gut nachgefragt, dass deren Rendite, die sich seit dem 31. Januar um 18 Basispunkte – infolge zurückgekehrter Risikofreude – auf zuhöchst 1,68 Prozent befestigt hatte, seit dem 6. Februar mehr als die Hälfte dieses Gewinns wieder abgeben musste.
Obwohl sich die US-Wirtschaft weiterhin gut entwickelt, wenn man etwa den Arbeitsmarktbericht aus der vergangenen Woche zugrunde legt, scheinen die Anleihemärkte seit gestern wieder leichte Rezessionsängste einzupreisen. Zumindest ist das diesbezüglich viel beachtete Barometer, der Renditeabstand zwischen zehnjährigen US-Treasuries und T-Bills mit dreimonatiger Laufzeit, seit gestern wieder mit einem (knappen) negativen Vorzeichen, also dem möglichen Vorboten für eine mögliche Rezession in einigen Monaten, versehen. Kurzum: Aktienmarktteilnehmer sehen die Welt offenbar anders als die Anleihe- und Devisenhändler.

• Der Euro hat gestern auf jeden Fall seinen kurzfristigen Abwärtstrend ohne nennenswerte Erholung fortgesetzt und droht nun auch das Jahrestief vom September 2019 (rund 1,0875) in Angriff zu nehmen. Zumindest bleibt das Abwärtsmomentum unterhalb von 1,0980 ungetrübt, und eine Stabilisierung kann erst oberhalb von 1,1030/35 erwartet werden.

CHF

Enttäuschende Kerninflation


Gestern gab es in der Schweiz immerhin einige interessante Wirtschaftsdaten zu begutachten. Vor allem die Entwicklung der Konsumentenpreise, die im Januar mit einem Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zunächst wie erwartet ausgefallen waren. Allerdings hatten sich die Ökonomen hinsichtlich der Kernrate etwas mehr versprochen. So stieg der Konsumentenpreisindex statt der erwarteten 0,4 (Medianprognose bzw. der Dezember-Wert) nur um 0,2 Prozent. Kommentatoren sehen damit für die Schweizerische Nationalbank keine Möglichkeit, ihre Geldpolitik zu verändern.
• Im Gegenteil: Der Franken war gestern zumindest gegenüber dem Euro im Vergleich zu den Vortagen sogar stärker gesucht. Dieser droht nunmehr sein bisheriges Jahrestief (1,0660) zu unterlaufen. Erste Stabilität für die Gemeinschaftswährung ist erst oberhalb von 1,0740 zu erwarten.

HUF

Verschnaufpause


Recht wenig Volatilität gab es gestern bei den zentraleuropäischen Währungen. Möglicherweise hat die Ungarische Nationalbank dem schwachen Forint eine Verschnaufpause verschafft. Denn mit ihrer erneuten Ablehnung aller Gebote der Geschäftsbanken im Rahmen eines EUR/HUF Währungsswap-Tenders wurde dem Markt abermals keine Forint-Liquidität zugeführt. Diese Währungsswap-Tender werden von der Notenbank zur Kontrolle der Geldmenge – neben einer Politik niedriger Zinsen – bevorzugt eingesetzt.


• Von den CEE-Valuten fällt derzeit der polnische Zloty auf, der sich nach wie vor gegenüber dem Euro über der wichtigen 4,2800er Marke hält.


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